GESUNDHEIT

Ennepe-Ruhr-Kreis bei Komasäufern auf Platz sechs in NRW

Wegen einer akuten Alkoholvergiftung infolge von Komasaufen wurden im Jahr 2018 im Ennepe-Ruhr-Kreis 120 Kinder und Jugendliche bis zu 19 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert.

Wegen einer akuten Alkoholvergiftung infolge von Komasaufen wurden im Jahr 2018 im Ennepe-Ruhr-Kreis 120 Kinder und Jugendliche bis zu 19 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert.

Foto: Julian Heitmann / WP

Hattingen.  Komasaufen bei Jugendlichen bleibt im Ennepe-Ruhr-Kreis ein Problem. Für Hattingen indes beobachten Experten einen anderen Trend.

Komasaufen bei Jugendlichen bleibt im Ennepe-Ruhr-Kreis ein Problem. Insbesondere die Zahl der Klinikeinweisungen bei Unter-15-Jährigen ist im Kreis im Jahr 2018 gegenüber 2017 um 50 Prozent gestiegen. Das meldet jetzt das Statistische Landesamt. In Hattingen beobachten Experten derweil einen Rückgang des Komasaufens bei Jugendlichen.

Ins Krankenhaus wegen einer akuten Alkoholvergiftung

Insgesamt 120 Zehn- bis 19-Jährige aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis mussten 2018 in einem Krankenhaus wegen einer akuten Alkoholvergiftung behandelt werden, darunter 18 Unter-15-Jährige, übermittelt Rainer Lange von der Krankenkasse DAK NRW Daten des Statistischen Landesamtes. Insgesamt ist der Anteil der betroffenen Jugendlichen, gemessen an der gleichaltrigen Bevölkerung, im Ennepe-Ruhr-Kreis damit einer der höchsten des Landes. Hinter den Kreisen Soest und Euskirchen, Hamm, dem Hochsauerlandkreis sowie dem Kreis Düren belegt der EN-Kreis von 52 Kommunen und Kreisen Rang sechs.

Im Jahr davor gab es kreisweit 117 junge Menschen, die so viel getrunken hatten, dass sie ärztlich behandelt werden mussten, zwölf von ihnen waren unter 15 Jahren.

Der Anstieg jüngerer Komasäufer im Kreis entspricht dem Landestrend. Hier stieg der Anteil um gut zwölf Prozent – bei insgesamt rückläufigen Zahlen jugendlicher Komasäufer. Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung in NRW, nennt die Zunahme der sehr jungen Komasäufer „besorgniserregend“. Und fordert: „Wir müssen weiterhin die Präventionsarbeit stärken und hier eine Kehrtwende schaffen.“

Gesundheitliche Folgen des Komasaufens können gravierend sein

Zumal die gesundheitlichen Folgen des Komasaufens gravierend sein können. So können Jugendliche je nach Statur und Gewöhnungsgrad schon mit einem Promille das Bewusstsein verlieren. Im schlimmsten Fall kann das schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel kann Erbrochenes in die Lunge geraten und eine akute Lungenentzündung verursachen, warnt Andreas Tromm, Chefarzt der Inneren Klinik am Evangelischen Krankenhaus (EvK).

Zugleich aber betont der Mediziner, seinem Eindruck nach sei das Komasaufen bei Jugendlichen in Hattingen nicht mehr so verbreitet. Zwar komme es „immer mal wieder vor“, dass Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung ins EvK eingeliefert werden. „Aber das sind weniger als fünf Fälle im Jahr.“

Suchtproblematiken bei Jugendlichen gibt es zurzeit vor allem mit Cannabis, Amphetaminen, Tilidin

Auch Sabine Keinhörster und Tanja Große-Munkenbeck vom Caritas-Suchthilfezentrum beobachten für Hattingen einen Abwärtstrend. „Das Komasaufen bei Jugendlichen ist hier in den letzten Jahren stark zurückgegangen“, sagt Sozialarbeiterin Keinhörster. Und Tanja Große-Munkenbeck, Leiterin des Suchthilfezentrums auf der Heggerstraße, sagt: Bei den jungen Klienten, die zu ihnen kämen, gehe es derzeit vor allem um Suchtproblematiken mit Cannabis, Amphetaminen sowie Tilidin, einem verschreibungspflichtigen starken Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Insbesondere der Konsum von Tilidin, so Große-Munkenbeck, habe im vergangenen und in diesem Jahr gerade bei den 13- bis 16-jährigen Jugendlichen „auffällig“ zugenommen. Mit jugendlichen Komasäufern dagegen habe ihre Einrichtung „schon lange nicht mehr zu tun gehabt“.

Ungeachtet dessen, betont Sabine Keinhörster, gebe es zum Thema Alkoholkonsum weiterhin regelmäßig Präventionsveranstaltungen in Schulen, zudem arbeite man in Sachen Sucht-Prophylaxe seit einiger Zeit mit Multiplikatoren (unter anderem Lehrer, Betreuer in Jugendeinrichtungen) zusammen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben