Gesichter und Geschichte(n)

Ein Hattinger und seine Suche nach der Isenburg

Heinrich Eversberg (im Vordergrund) während der Ausgrabungsarbeiten auf dem Isenberg. Repro:Kreikenbohm

Heinrich Eversberg (im Vordergrund) während der Ausgrabungsarbeiten auf dem Isenberg. Repro:Kreikenbohm

Hattingen.  Für Heinrich Eversberg ist Heimat eine Leidenschaft. Er kämpft für die Hattinger Altstadt, für das Bügeleisenhaus – und er gründet die Buddel-AG.

Seine Buddel-AG ist legendär: Mit Leidenschaft und Liebe zur Heimatkunde startet Heinrich Eversberg im Jahr 1970 gemeinsam mit Schülern des Gymnasiums Waldstraße Ausgrabungen auf dem Isenberg – stets auf der Suche nach den Resten der Isenburg, die seit 1226 nur noch als Ruine existiert.

Gegründet wird die Arbeitsgemeinschaft schon vier Jahre früher. „Aus dringenden archäologischen Gründen“, erklärt Eversberg der Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde, werde zunächst an der Burg Altendorf die Arbeit aufgenommen. Ziel ist aber bereits 1966 die Isenburg – denn in diesem Jahr will der Blatzheim-Konzern einen Teil des Isenbergs samt Burgruine kaufen, um dort ein Hotel zu bauen. Eversberg soll deshalb prüfen, ob es womöglich noch kulturgeschichtlich bedeutende Überreste gibt. Was tun? Der Studiendirektor gründet eine Arbeitsgemeinschaft, sie ist eine der ersten des Landes NRW. Seine Oberstufenschüler steckt er mit seiner Begeisterung für Spitz­hacke, Schaufel und Schubkarre an – und so wird losgebuddelt.

Pennäler mögen den Pauker, der ihre Neugier weckt

Heinrich Eversberg, 1910 in Hattingen geboren, macht sein Abitur am Jungengymnasium an der Waldstraße. Nach dem Krieg arbeitet er kurz auf der Henrichshütte, nimmt dann aber seinen Schuldienst am Gymnasium Waldstraße auf. ­Fächer: Deutsch und Erdkunde. Streng ist er, manchmal auch auto­ritär und hart. Aber er hat eine Art, die fasziniert, die begeistert – die Pennäler mögen den Pauker, der bei ihnen die Neugier an Heimat­forschung und Geschichte weckt. Nebenbei macht er 1954 seinen Doktor. Thema der Dissertation: „Die Entstehung der Schwerindus­trie um Hattingen 1847 bis 1857“.

left Samstags wird gebuddelt. Erst nur von den Jungs, ab 1975 kommen auch die Mädchen hinzu. 560 Menschen – Schülerinnen und Schüler, Freunde und Nachbarn, Jung und Alt – packen 20 Jahre lang mit an, bis die Ruine freigelegt ist. Etwa der Bergfried, der zu Beginn ein von Buchen bewachsener Erdhaufen ist.

Heinrich Eversberg und seine Buddel-AG verhindern durch ihre historischen Funde die Genehmigung des geplanten Hotels.

„Unsere Altstadt soll nicht sterben”

Sein Wirken ist nachhaltig. Denn schon im Sommer 1957 kämpft er für die Hattinger Historie: „Unsere Altstadt soll nicht sterben” heißt eine Initiative, die viel(e) bewegt. Fachwerkhäuser werden unter Denkmalschutz gestellt, Eversberg erreicht, dass Privatleute Zuschüsse für eine Sanierung bekommen. Auch der Erhalt des Johannisturms im Krämersdorf geht auf sein Engagement zurück. Bemerkenswert: Nicht jede seiner Aktivitäten stößt bei der Stadtverwaltung auf Wohlwollen.

Der Hattinger ist Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Hattingen/Ruhr. Im leer stehenden Bügeleisenhaus stellt er seine Fundstücke der Isenburg aus. Es gelingt ihm sogar, dass der Heimatverein das Wahrzeichen kauft und restauriert. Er schreibt um die 150 Aufsätze, zum Beispiel über die siedlungsgeographische Entwicklung der Stadt Hattingen.

Kulturerbe vor seiner Zerstörung bewahren

Es geht Heinrich Eversberg dabei nie ums Rampenlicht, nie um seine Person. Er will lediglich wertvolles Kulturerbe der Stadt vor seiner Zerstörung bewahren; sei es die Stadtmauer, der Kirchplatz oder eben die Isenburg. Mit dem Brand von Haus Custodis im Jahr 1985 zieht er sich allerdings zurück, vier Jahre später, nach der Veröffentlichung des Abschlussberichtes, erklärt er das Projekt für beendet.

Die Nachgrabungen der ehema­ligen Buddel-AG sieht er nicht mehr. Nach Abschluss seiner Arbeiten kommt Heinrich Eversberg nie wieder auf den Isenberg.

>>> Über den Verein zur Erhaltung der Isenburg

Heinrich Eversberg gründet im Jahr 1976 den Verein zur Erhaltung der Isenburg. Es ist eine Notlösung, weil sein Ruhestand als Lehrer bevorsteht – und die Buddel-AG ist an eben diese Tätigkeit gebunden.

Eversberg darf aber bis zum Jahr 1980 noch zweimal die Woche weiter unterrichten und somit die Buddler anleiten. Danach wird er Vorsitzender des Vereins, der schließlich im Jahr 1990 seinen ersten Vorstand ohne den Gründer der Buddel-AG wählt.

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