Erster Schultag

Die erste erste Klasse

Kim Bremer hilftMoritz und Max (beide sechs) bei einer Aufgabe zum Eisbären, dem Klassentier.

Kim Bremer hilftMoritz und Max (beide sechs) bei einer Aufgabe zum Eisbären, dem Klassentier.

Foto: WAZ FotoPool

Kim Bremer (27) ist die Klassenlehrerin der 1 a an der Gemeinschaftsgrundschule Alt-Blankenstein.Die Einschulung der 27 „Eisbären“-Kinder war auch für sie sehr aufregend.

Aufgeregt? Die Augen von Alma und Anton und Max und Moritz und wie die i-Dötze hier noch so alle heißen, sagen: Ja. Doch Kim Bremer geht es kaum besser. Seit vier Uhr morgens sei sie wach, verrät die 27-Jährige, die an diesem Donnerstag ihre erste erste Klasse übernimmt – die 1a der Gemeinschaftsgrundschule Alt-Blankenstein.

Beim Gottesdienst am Morgen in der Kirche hat sie Haltung bewahrt, obwohl ihr fast Tränen der Rührung kamen, als Pfarrer Hansjörg Federmann sie in den Arm nahm: „Wirste schon schaffen! Hast du ja bei den Viertklässlern auch toll hinbekommen!“ Die ehemaligen Viertklässler der Grundschule hatte die Wittenerin im letzten Schulhalbjahr betreut, hat auch zuvor schon eine Zeit lang unterrichtet. Doch das hier und heute ist eine andere Sache: 27 Kinder, fast alle sechs, die mit ihr ihre ersten Schulerfahrungen verbinden werden . . .

Kim Bremer steht mitten in dem von ihr liebevoll hergerichteten Klassenraum, an die Tafel hat sie in Druckbuchstaben mit bunter Kreide „Herzlich willkommen!“ geschrieben. Auch gerade, als sie sich mit den Eltern auf dem Schulhof die Aufführungen der älteren Kinder für die Erstklässler ansah, war sie aufgeregt. Und nun? Strahlt sie: „Da sind sie, die Süßen!“ Kinder, die noch nicht recht wissen, wohin mit sich und ihrem Tornister, die noch Mühe haben, nicht einfach drauflos zu reden, wenn Kim Bremer sie etwas fragt. Da sind ihre „Eisbären“-Kinder. Der Eisbär ist das Klassentier, er hat zwar noch keinen Namen (den sollen die Kinder ihm erst am Freitag geben), aber will gemeinsam mit Charleen und Charlotte und Jasmin und Justin vieles erleben. Im Stuhlkreis in der hinteren Ecke des Raumes, in dem Kim Bremer die Klasse versammelt, nachdem sie ihr zwei wichtige Schulregeln übers Leisesein und Aufzeigen gesagt, das Begrüßungslied gesungen, Post für die Eltern verteilt hat.

„Der Eisbär also“, beginnt sie die Erste-Schultag-Geschichte, „hat sechs Jahre nur bei mir gewohnt, doch jetzt darf er endlich in die Schule.“ Nachdem „der Quatschkopf“ in den Ferien noch „jede Menge Blödsinn gemacht hat“, wie sie den Kindern sodann auf von ihr erstellten Fotos mit dem Eisbären auf ihrem Kopf und an der Tafel zeigt. Was das Tier nun in der Schule lernen will? „Rechnen lernen“, sagt Charlotte. „Und lesen“, sagt Jasmin. „Auf einer Wolke fliegen“, sagt Luisa. „Ihr habt ja so viele tolle Ideen!“ lobt Kim Bremer begeistert.

Die Zeit rennt, die wartenden Eltern, Omas, Opas schauen vom Schulhof durch die Scheibe, Schulleiterin Andrea Müller-Feld kommt herein: „Die anderen warten schon.“ Und dann, um halb elf, nachdem die Kinder als Hausaufgabe noch aufbekommen haben, ihren Schultüten-Inhalt zu malen, ist tatsächlich: Schluss für heute. „Jetzt“, sagt Kim Bremer, „bin ich wieder entspannt.“ Der zweite erste Schultag ist geschafft.

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