Zum Bergbau-Ende

Dichter Otto Wohlgemuth sah sich immer als Arbeiter

Otto Wohlgemuth war Bergmann und Künstler. Der Hattinger nahm in Bildern und Gedichten den arbeitenden Menschen ins Visier.

Otto Wohlgemuth war Bergmann und Künstler. Der Hattinger nahm in Bildern und Gedichten den arbeitenden Menschen ins Visier.

Foto: Ingo Otto

Hattingen.   Der Hattinger Otto Wohlgemuth starb im heutigen Bügeleisenhaus. Seine Bilder und Gedichte drehen sich größtenteils um das Leben der Bergleute.

Die Dunkelheit unter Tage fängt Otto Wohlgemuth in seinen großen Gemälden ein. Düster ist die Atmosphäre, die Grubenlampe glimmt dagegen an. Weit hinten im „alten Mann“, in einem bereits geschlossenen, fast schon einbrechenden Streb, haut ein Bergmann mit großer Wucht aufs Gestein, um Kohlereste zu ergattern. Otto Wohlgemuth wusste, wovon er malte: Er war Bergmann, aber eben auch Maler und Autor von Gedichten und Prosatexten.

In einem Fachwerkhaus in Klein-Langenberg am 30. März 1884 geboren und aufgewachsen, zog es Wohlgemuth, dessen Vater Bergmann gewesen war, im Laufe seines Lebens an verschiedene Orte – doch 1962 kehrte er nach Hattingen zurück, wohnte zunächst unter dem Dach, zuletzt in zwei Zimmern in der ersten Etage des Bügeleisenhauses. Ein Schlüssel in einer Vitrine dort zeugt davon. Er starb am 15. August 1965 in dem heutigen Heimatmuseum.

Mit 16 Jahren ging Wohlgemuth erstmals unter Tage

Der Heimatverein Hattingen/Ruhr, der sich um das Museum kümmert, verwaltet große Teile von Wohlgemuths Nachlass, darunter auch seinen riesigen Schreibtischstuhl. Zuletzt war 1999 eine große Wohlgemuth-Ausstellung im Bügeleisenhaus zu sehen.

Einige Erinnerungsstücke an den und des Hattingers zählen aber zur Dauerausstellung: seine Gesteinssammlung, seine Todesanzeige, ein Foto von seiner Beerdigung mit vielen Bergleuten, eine kleine Landschaftsstudie, eine erotische Zeichnung von einer Bauchtänzerin und auch seine Grubenlampe. Mit 16 Jahren hatte Wohlgemuth seine erste Schicht unter Tage, fuhr erstmals ein: am 31. März 1900 auf der Zeche Friedlicher Nachbar.

1923 wurde Wohlgemuth Stadtbibliothekar in Buer. Er hielt im Auftrag der NS-Kulturgemeinde später Lesungen und Vorträge im ganzen Reichsgebiet, besuchte nach 1939 Soldaten für Vorträge in Lazaretten. 1942 jedoch musste er den Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer zur Kenntnis nehmen. Das hatte zur Folge, dass seine Bücher nicht mehr verlegt werden durften.

Die einsame, schwere Schönheit der Grubenlandschaft

Verfasste Wohlgemuth zunächst romantisierende, von der Natur begeisterte heimatverbundene Gedichte, so widmete er sich ab 1918 dem arbeitenden Menschen als Thema. In den 1920er Jahren wollte er dann mit seinen Bildern die „einsame schwere Schönheit der unterirdischen Grubenlandschaft“ vermitteln.

Nicht nur das Museum erinnert an Wohlgemuth: Es gibt in Hattingen zudem den Otto-Wohlgemuth-Weg – und der Hattinger hat ein Ehrengrab auf dem evangelischen Friedhof an der Waldstraße. Im August organisiert der Heimatverein Hattingen/Ruhr inzwischen immer einen Otto-Wohlgemuth-Tag mit Lesungen. „Er verfasste auch plattdeutsche Texte“, sagt Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereins.

Otto Wohlgemuth kennt die Sprache der Bergleute

Und Stadtmuseumsleiterin Gudrun Schwarzer bescheinigt Wohlgemuth, Mitglied des Künstlerzusammenschlusses „Ruhrlandkreis“, anlässlich der Wohlgemuth-Ausstellung 1999: „Er weiß seine Leser besonders dadurch zu beeindrucken, dass er die Sprache der Bergleute kennt und spricht.“

Von Otto Wohlgemuth bleiben die Bilder, die Prosa und die Gedichte, also die Erinnerung an ihn als Künstler. Es sah sich als „schreibender Arbeiter“ und zog seine Lebensbilanz so: „Mein Leben lang bin ich Arbeiter gewesen . . .“

Lob von Literaturnobel-Preisträger Gerhart Hauptmann

Literaturnobel-Preisträger Ger­hart Hauptmann, einer der großen deutschen Schriftsteller des Naturalismus’, war voll des Lobes über seinen schreibenden Kollegen. Otto Wohlgemuth habe mit seiner Literatur eine Form gefunden, in der „etwas lodere wie brennende Kohle“, soll Hauptmann über den Hattinger Heimat- und Arbeiterdichter gesagt haben.

Otto Wohlgemuth hieß mit vollem Namen Heinrich Gustav Otto Wohlgemuth – und wurde als sechstes von 13 Kindern geboren.

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