Barrierefreiheit

Der Straßenrand ist für Gehbehinderte eine Gefahrenzone

Kanten und Bordsteine werden für Menschen mit Rollatoren oft zu Stolperfallen.

Kanten und Bordsteine werden für Menschen mit Rollatoren oft zu Stolperfallen.

Foto: Ulrich von Born, Archiv

Hattingen.   In Regenrinnen und vor Bordsteinen bleiben Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen hängen. Die Stadt Hattingen erklärt, warum Kanten nötig sind.

Selbst abgesenkte Bordsteine werden für Gehbehinderte oft zur Gefahr. Ismail Cevrin ist vor einem halben Jahr mit seinem Rollator über eine solche „kleine“ Kante gestürzt und verletzte sich schwer an der Schulter. Eigentlich müsste er dringend operiert werden, habe der Arzt gesagt, aber vor einer Operation hat er Angst. Und so lebt er seit Monaten mit Schmerzen.

An der selben Stelle – an der Kreuzung Martin-Luther-Straße/ Im Bruchfeld – habe er gesehen, wie eine Frau auf die gleiche Weise zu Fall kam. „Uns ist das Problem bekannt, wir sind dafür sensibilisiert“, erklärt Markus Maas, bei Stadtbetrieben und Tiefbauamt zuständig für die Umsetzung von Straßenbaumaßnahmen. „Aber einfache Lösungen gibt es nicht.“

Fußgänger monieren zu kurze Grünphase

In der Stadt tun sich jede Menge Problemzonen für Personen auf, die auf den Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. An genannter Kreuzung sind die Mittelinseln ein wenig erhöht, haben einen Bordstein, der zur Fahrbahn hin etwas flacher wird und abgerundet ist. Unmittelbar dahinter befindet sich eine Regenrinne. Die meisten Rollatoren bleiben in der Regenrinne stecken, was für Gehbehinderte ein echtes Gefährdungspotential bedeutet, weil sich die meisten mit ihrem Gewicht auf den Rollator stützen, aber nicht in der Lage sind, das Gefährt anzuheben.

Hinzu kommt die viel zu kurze Grünphase, die alle Befragten monieren. „Eigentlich müsste man über die Kreuzung sprinten, aber sprinten Sie mal, wenn Sie kaum laufen können“, sagt die 80-jährige Ursula Lange. „Es ist den Behinderten gegenüber eine Ungerechtigkeit“, macht sie ihrem Ärger Luft. Und eine andere Dame (88), kann ihr nur zustimmen.

Eine Bekannte habe sich in der Innenstadt schwer verletzt. „Sie ist mit ihrem Rollstuhl, in einer Regenrinne hängen geblieben, aus dem Rollstuhl gefallen und hat sich beide Kniescheiben gebrochen.“

Kursus zum Umgang mit dem Rollator

Karin Linnemann (83) hat extra einen Kursus mitgemacht, wie man mit einem Rollator besser durch die Stadt kommt. „Da wurde auch gezeigt, was man tun muss, um sicher in einen Bus zu kommen, aber es ist eben nicht einfach, wenn man schlecht zu Fuß ist“, sagt auch sie. „Mal eben“ einen kleinen Bordstein hochfahren, sei nicht drin.

Aus Bausicht gebe es vernünftige Vorschriften, die aber für Behinderte zu Problemen führten, sagt Markus Maas. „Überall in der Stadt gibt es Bordstein, Rinne, Aufkantung. Die Bordsteine sind häufig schon abgesenkt.“ Gerade habe er einen Termin mit dem Bürgerkreis „Wir in Rauendahl“ gehabt, um das Bauen besser auf die Bedürfnisse von älteren Menschen abzustimmen.

Bedürfnisse Sehbehinderter beachten

Zudem müssten aber die Bedürfnisse Sehbehinderter, die sich mit einem langen Blindenstock und einer Kugel am Ende fortbewegen, beachtet werden. Bei Kanten brauchen sie einen Unterschied von vier Zentimetern, damit sie die Gefahr erkennen können.

„Wir haben Vorschriften, die ja auch Sinn machen. Wegen des Regenwassers müssen wir Rinnen bauen. Auch die Bordstein-Hersteller überlegen, wie sie alle Interessen unter einen Hut bringen können, indem sie die Bordsteine runder gestalten. Da gibt es aber bisher keine Patentlösung.“ Viele Wünsche seien durch die Enge der Straßen nicht umzusetzen. Die Stadt verzichte auf Naturstein, weil das Stolperfallen seien. Und eine neu gestaltete Straße halte 40 bis 50 Jahre. „So schnell wird sich da nichts ändern.“

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