Gesichter einer Stadt

Der Heidenstein ist ein vergessener Brocken

Foto: WAZ FotoPool

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Kaum jemand weiß von der Existenz des Heidensteins. Dabei liegt er schon seit etwa 18.000 Jahren in Hattingen. Wie er dort hingekommen ist, wird nur selten gestellt gefragt.

Zwischen der Winzermark und Niederwenigern liegt gut versteckt in einer Schlucht der Heidenstein. Wie er dort hingekommen ist, weshalb er so heißt und vor allem wie lange er dort schon liegt, sind Fragen die nur selten gestellt werden. Denn: Der Heidenstein ist ein vergessenes Stadtgesicht.

„Auch ich musste ihn suchen”, gesteht der Sagen-Experte Dirk Sondermann. Wer den Heidenstein dann aber doch gefunden hat, der blickt vom Rand der Wasserstraße aus auf einen etwa 80 bis 100 Zentner (4000 bis 5000 Kilo) schweren Granitblock. Oder, um ihn mit den Worten des Heimatdichters Heinrich Kämpchen (1847-1912) zu beschreiben: „Unberührt von Tageshall und der Sonne Lichtgefunkel, altersgrau und schlummermüd', ruht er dort im Dämmerdunkel.”

Statt altersgrau inzwischen moosgrün

Kämpchen schrieb sein Gedicht „Der Heidenstein” um die Jahrhundertwende. Statt altersgrau kommt der Stein inzwischen moosgrün daher. Woher? Aus Skandinavien. Das besagen übereinstimmende Vermutungen. Am Ende der letzten großen Eiszeit soll er nach Hattingen geschwemmt worden sein. Etwa 18 000 Jahre ist das her. Verirrt habe er sich nicht, wie es im Bochumer Heimatbuch aus dem Jahr 1930 heißt. Dem darin veröffentlichten Aufsatz „Denkmäler der Eiszeit in der Bochumer Landschaft” zufolge muss es zahlreiche Artgenossen im Bochumer Raum gegeben haben. Speziell für den Heidenstein gilt aber: Er ist nicht einfach aus dem Berg heraus gebrochen. Dann bestünde er aus Ruhrsandstein und nicht aus Granit.

Im Laufe der Zeit wurden viele Steine dieser Art zu Grab- und Denkmälern umgearbeitet, oder für den Straßenbau verwendet. Ein solches Schicksal wäre „vor einiger Zeit” auch beinahe dem Heidenstein widerfahren – so steht es zumindest im besagten Bochumer Heimatbuch.

Der Name ist tatsächlich reine Spekulation

Woher sich allerdings der Name des Steins herleitet, ist tatsächlich reine Spekulation. Hilfestellung leistet die Hattinger Zeitung vom 18. August 1938. Einem Artikel zufolge hielten heidnische Waldgeister am Stein ihre nächtlichen Tänze ab. Alternativ wird der Heidenstein deshalb auch als Altarstein bezeichnet. Auch diese Informationen entstammen einem alten Glauben.

Heimatforscher Harri Petras wundert sich über das Schattendasein, das der Heidenstein nicht nur aufgrund seiner Lage fristet, keineswegs. „Er ist halt ein Stein, der einfach nur daliegt.” Im Gegensatz zum Horkenstein, der von der größten Verkehrskreuzung Hattingens kaum mehr wegzudenken ist, hat sich der Heidenstein wirklich gut versteckt. Immerhin ist er dadurch vor Vandalen und Graffiti-Sprayern geschützt.

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