Für umsonst

Den weiten Wurf wagen

Foto: WAZ FotoPool

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Hattingen.Einfach, gesellig und kurzweilig: Boule spielen macht Spaß und ist das Gegenteil von Hektik.

Der erste Wurf ist leicht: die kleine blaue Holzkugel fliegt in einem hohen Bogen durch die Luft und landet auf dem Boden. Der zweiten Wurf ist schwerer und schwieriger. Die Kugel ist größer und wiegt deutlich mehr. Gerd Walther von der Aktionsgemeinschaft Winzermarkt greift sie von oben, schwingt den Arm nach hinten und lässt sie vorne los. In der Sonne glitzert die silberne Kugel im Flug, die Augen folgen dem Wurf und mit einem dumpfen Geräusch bleibt sie einige Zentimeter vor der kleinen Kugel liegen. Walther spielt Boule.

„Anfänger sollten einfach drauflos werfen“, sagt Walther (70) auf der Anlage in der Winzermark. Gabi Marquaß (60) meint dazu, es sei wichtig ein Gefühl für die Entfernung zu bekommen. Ihr Mann Dirk (62) ergänzt: „Und Gefühl für die Kugel.“ Die Gruppe spielt regelmäßig. Wer auch Lust hat einen Wurf zu wagen, kann sich bei Walther melden und sich dort Kugeln leihen. Wer einfache Kugeln kauft, zahlt etwa drei Euro pro Spielgerät.

Boule macht schnell Spaß – gerade für Einsteiger. „Das Erfolgserlebnis stellt sich sofort ein. Das ist der Reiz“, meint Walther dazu. Er hat den Sport aus den Mittelmeerländern im Alter von zehn Jahren kennengelernt. Boule könne jeder spielen, meint er. Ob jung oder alt, wie die Männer in Frankreich, Spanien oder Italien auf den Plätzen beweisen würden.

Die Regeln sind einfach: Zwei Gruppen spielen gegeneinander mit sechs Kugeln. Aus einem Kreis werfen sie, wobei beide Füße den Boden berühren müssen. Zuerst wirft ein Spieler das „Schweinchen“ – die kleine Holzkugel. Aus einem Abstand von sechs bis elf Metern werfen die Spieler die großen Kugeln so nah wie möglich heran. Es geht dabei um Zentimeter: Haben zwei Kugeln die gleiche Entfernung, messen die Spieler mit dem Maßband oder Zollstock. Trifft eine Kugel eine andere ist dies erlaubt. Wer gewinnt erhält einen Punkt. Gespielt wird bis 13. „Das kann schon mal einen Nachmittag dauern“, sagt Walther lächelnd. „Und man will ja ‘ne Revanche“, fügt er noch er hinzu.

Der Untergrund am Treffpunkt Winzermark sei gut. Im Vergleich zur Boule-Anlage des Kick in der Innenstadt ließen sich dort aber nicht so gut die Kugeln wegkitschen, sagt Walther. Der Boden ist eine Mischung aus Sand und kleinen Steinen. Gras oder Asphalt seien als Spielfläche nicht geeignet.

Wer wirft, muss sich bücken, um die Kugeln einzusammeln. Findige oder, je nach Ansicht, faule Spieler nutzen eine Kette mit Magnet. Und heben so die Kugeln bequem hoch. „Das machen die älteren Herren um die 90 gerne“, sagt Jan-Hendrik von Pappritz (53).

So oder so. Zu Boule gehört bei allem Ehrgeiz auch die Kommunikation, das gemütliche Plaudern. Gerd Walther sagt: „Wir wollen mit dem Boule-Spiel auch die Geselligkeit fördern.“

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