Hattinger Zeiten

Das Geheimnis der Frau im roten Mantel ist gelüftet

Das bin ich: Marlis Wassermann zeigt auf eines der Fotos, die im Reschop Carré ausgestellt werden. Als junge Frau wurde sie abgelichtet. Foto:Walter Fischer

Das bin ich: Marlis Wassermann zeigt auf eines der Fotos, die im Reschop Carré ausgestellt werden. Als junge Frau wurde sie abgelichtet. Foto:Walter Fischer

Hattingen.   Marlis Wassermann ist Teil der Ausstellung „Hattinger Zeiten“. Ein Klassenkamerad erkannte sie auf dem Foto aus den 1960er Jahren.

Eine Besucherin der Ausstellung „Hattinger Zeiten“ will dabei sein, wenn das Geheimnis um die Dame in Rot gelüftet wird – und sie natürlich auch in natura sehen. Ein Besucher geizt beim Anblick der 67-Jährigen nicht mit Komplimenten und bestätigt, die Beine seien genauso wohlgeformt wie damals. Damals, 1964, ist Marlis Wassermann auf dem Obermarkt Richtung Heggerstraße gelaufen – in einem roten Mantel.

Die Frau, die in Unna wohnt, ist extra für die Ausstellung „Hattinger Zeiten“ von Udo Kreikenbohm nach Hattingen gekommen. Sie ist Teil der Schau im Reschop Carré mit 50 Bildern von damals, denen der langjährige WAZ-Fotograf die heutigen Ansichten gegenübergestellt hat.

Ansicht der Heggerstraße hat sich verändert

In der Aufnahme ist Marlis Wassermann nur von hinten zu sehen, als sie an repräsentativer Architektur vorbei die Fußgängerzone hochläuft. Verzierte Säulen luden vor 53 Jahren noch in einen Einkaufstempel ein. Hier lockt allerdings nicht Bekleidung, zu kaufen gibt es Schreibwaren. Heute sind die Säulen großen Fensterflächen gewichen. Und weiter oben künden geräumte Ladenlokale einen bevorstehenden Hausabbruch an. Auch diese Hausfront bietet inzwischen ein anderes Bild. Übersichtlich und modern präsentiert sich sie Szenerie im Jahr 2017. Es hat sich richtig was verändert.

Was sich nicht verändert hat, ist die Frau im roten Mantel. Per Fotomontage läuft sie jetzt unbeschwert auf der neuen Straße. Der Straßenbelag ist der alten Pflasterung nachempfunden. Es heißt also nach wie vor: Aufpassen mit den schwarzen Stöckelschuhen, damit der Absatz nicht steckenbleibt.

Schwarze Stöckelschuhe trägt Marlis Wassermann auch jetzt. „Ich habe damals gar nicht gemerkt, dass ich fotografiert worden bin“, sagt sie. Zur der Zeit müsste sie 14 Jahre alt gewesen sein. Die Besucherin, die ein ehemaliger Klassenkamerad wiedererkannt und eingeladen hat, schließt nicht aus, dass das Foto auch zwei Jahre später entstanden sein könnte.

Mantel als Geschenk der Eltern

Wann sie ihren roten Mantel entsorgt hat, weiß Marlis Wassermann nicht mehr. Wohl aber, dass er ein Geschenk der Eltern war. „Zu welchem Anlass ich ihn bekommen habe, daran erinnere ich mich nicht. Aber ich bin gern auf der Heggerstraße einkaufen gegangen.“ Sie habe damals zwar hauptsächlich Schwarz getragen, aber auch häufig den roten Mantel angehabt, erzählt sie. Wassermann hat auf der Henrichshütte eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und später bei Köppern gearbeitet, ehe sie nach Wuppertal und dann nach Unna gegangen ist.

Da eher nicht davon auszugehen war, dass ein Kleidungsstück mehr als 50 Jahre überdauert, sorgte der ehemalige Klassenkamerad, der die Frau in Rot erkannt hatte, vor – und besorgte für den Besuch in der Ausstellung: einen roten Mantel.

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