NOSTALGISCHER WEIHNACHTSMARKT

Budenzauber bei Regen: Wenige zieht’s in Hattinger Altstadt

Premiere hat der Sagenwald am Haldenplatz – der erinnert an „die übermütige Herrin von Haus Kliff“:

Premiere hat der Sagenwald am Haldenplatz – der erinnert an „die übermütige Herrin von Haus Kliff“:

Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Am Auftakttag des 43. Nostalgischen Weihnachtsmarktes verirren sich nur Hartgesottene in der Altstadt. Die aber loben die charmante Atmosphäre.

Am Karussell von Gregor Kamphausen (55) können Mädchen und Jungen bereits am Montagnachmittag zu Weihnachtsliedern ihre Runden drehen. Nur: Eltern mögen mit ihren Kindern zumindest jetzt nicht stoppen am Fahrgeschäft des Heinsbergers vor dem Reschop Carré. „Klar, bei dem Wetter“, sagt Kamphausen. E zieht den Kragen seiner Jacke fester, aus den Boxen erklingt „Stille Nacht“.

Still ist dabei ein gutes Stichwort für diesen Auftakttag des 43. Nostalgischen Weihnachtsmarktes, an dem das Thermometer immerhin sechs Grad erreicht – allerdings weht ein böiger Wind und es regnet. Nonstop. Ein Wetter also, das höchstens Hartgesottene zum Budenzauber-Bummel animiert.

Zu diesen etwa gehören Gretel Hellfaier (61) und ihr Mann Wilhelm (68) aus Castrop-Rauxel. Ihre Freunde Christine (67) und Kurt Lutz (72) aus Niedersachsen haben sie für diesen Montag eigens wegen der Eröffnung des Weihnachtsmarktes eingeladen. Und nun schlendern die vier mit Schirmen über den Kirchplatz, erzählen, wie charmant sie die Hattinger Altstadt finden und Wilhelm Asmanoglo-Hellfaier sagt: „Der Hattinger Weihnachtsmarkt ist einfach toll!“

Nicht nur der 68-Jährige, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Folge das besondere Flair dieses Weihnachtsmarktes genießt, dürfte feststellen: Die meisten Buden kennt man. Den Magic-Crêpes-Stand, Dirk Rösgens Bratwurststand oder die Mützenbude von Juri Sawatzky auf der Hegger­straße etwa. Ebenso die Bude mit Krippen aus Bethlehem, Christa Vetterkinds Stand mit Weihnachtsschmuck aus Lauscha auf dem Kirchplatz. Und vieles mehr.

Händler ärgert Katastrophenwetter

Doch es gibt auch neue Warenangebote zu entdecken: Pulsnitzer Pfefferkuchen zum Beispiel, die Lena Sonnabend (24) Kirchplatzbesuchern selbst bei diesem „Katastrophenwetter“ am Montag standhaft schmackhaft macht. Oder Bäumchen, Ketten und Ohrringe aus Bernstein, die die Warschauerin Elisabeth Giedrojé (55) auf der Großen Weilstraße verkauft. Und dann ist da noch Rudolf Gieslir (54) mit mehr als 100 „Gewürzen aus aller Welt“ auf der oberen Heggerstraße, darunter Chini Chari oder Ras el hanout.

Annabell (52) und Gerd (57) Buchmann wollen sich all’ das hier und heute (noch) nicht ansehen – „es kommt von oben einfach zu viel Wasser“. Dem Schinkenkrustenbraten von Christiane Lechner (69), den diese schon seit Jahren auf dem Nostalgischen Weihnachtsmarkt verkauft, konnten die zwei trotzdem aber nicht widerstehen: „Da freuen wir uns jedes Jahr drauf!“ Das Fleisch, dazu eine Portion Sauerkraut, lassen die zwei sich nun vis a vis des Bügeleisenhauses schmecken, vor dem in diesem Jahr eine sechs Meter hohe Tanne aus dem Sauerland steht.

Ein paar Meter weiter am Haldenplatz befindet sich ein kleiner Sagenwald von Schülern und Heimatverein, der erinnert an „die übermütige Herrin von Haus Kliff“. Noch so eine Premiere . . .

>>> Weihnachtsmarktparade und Adventskalender

Ein Wiedersehen mit Frau Holle gibt es in diesem Jahr auch wieder: Am Freitag, 1. Dezember, zieht sie bei der Weihnachtsmarktparade um 16 Uhr über die Heggerstraße zum Alten Rathaus am Untermarkt – begleitet von Nikoläusen, Schneemännern, Engeln. Für Musik sorgt eine Dixiband.

Frau Holle öffnet vom 1. bis zum 24. Dezember täglich ein mit weihnachtlich bemalten Täfelchen verziertes Fenster des Alten Rathauses – um 17 Uhr, am 24. Dezember schon um 11 Uhr.

Auch Goldtaler lässt sie regnen; und sie erzählt wie stets Geschichten.

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