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Buchholz ist ein Stadtteil zwischen den Stühlen

Trennlinie: Der Pleßbach im Hammertal markiert für viele Anwohner die Grenze zwischen Hattingen und Witten. 

Foto: Fischer

Trennlinie: Der Pleßbach im Hammertal markiert für viele Anwohner die Grenze zwischen Hattingen und Witten.  Foto: Fischer

Hattingen.  Vor 20 Jahren verschwanden 1000 Buchholzer aus dem Hattinger Telefonbuch. Die Menschen rund ums Hammertal wurden oft hin- und hergeschoben.

Bereits mehrfach mussten die Buchholzer umziehen – und das, ohne dass sie jemals den Standort gewechselt hätten. Noch heute fühlen sich viele Bewohner rund um das Hammertal mehr als Hattinger, denn als Wittener. Der bis dato letzte Umzug fand vor 20 Jahren statt und betraf seinerzeit die Telefone der Anwohner.

1997 hatte die Telekom 1000 Anschlüsse aus dem Hattinger Telefonbuch streichen lassen. Das traf bei vielen Buchholzern auf wenig Gegenliebe. Denn ihre Anschlüsse haben damals wie heute die Hattinger Vorwahl 02324, obwohl die Straßen postalisch zu Witten gehören. „Ich fühle mich Hattingen zugehörig“, betonte Edeltraut Endler, die damalige Vorsitzende der Awo Welper, vor 20 Jahren ebenso wie andere Buchholzer. Viele lasen und lesen zum Beispiel auch die Hattinger Ausgabe der WAZ.

Und auch heute noch sagt zum Beispiel Helmut Gaul, Geschäftsführer des Bündnisses für Buchholz: „Ich bin mehr nach Hattingen orientiert. Irgendwie werde ich nicht warm mit Witten.“ Dabei ist Buchholz seit mittlerweile mehr als 40 Jahren Wittener Gebiet. Allerdings ging es in den Jahrzehnten davor munter hin und her.

Seit 1966 war die Gegend um das Hammertal Teil der damaligen Stadt Blankenstein, gehörte dann zu Herbede, bis die Gemeinde wiederum Witten zugeschlagen wurde. „Bei den Neugliederungen ist viel Schindluder getrieben worden“, sagt Stadtarchivar Thomas Weiß. Meist hätten Abgeordneten von weit weg über die Zuteilungen entscheiden müssen. Eine gefühlte Grenze sei aber immer der Pleßbach gewesen.

Ausgangspunkt war die Firma Pleiger

„Wir haben immer auf beiden Seiten Schwierigkeiten“, weiß Horst Engelsberg vom MGV „Deutsche Eiche“ 1880 Hammertal. Hans-Jürgen Pöting fühlt sich nicht als Wittener. „Eigentlich bin ich Blankensteiner“, sagt er, der die verschiedenen Städtewechsel mitgemacht hat. Das hängt mit seiner Jugendzeit zusammen, als das Hammertal noch Blankenstein war. Auch an die Geschichte mit den Telefonanschlüssen erinnert er sich: „Das ging damals von der Firma Pleiger aus. Aber ich habe dort 50 Jahre gearbeitet, da sagt man auch nichts“, berichtet er lachend.

Tatsächlich hatte Karl Kraft, damals Chef der Firma im Hammertal, einen kostenlosen Eintrag im Wittener Telefonbuch beantragt – schließlich war der Firmensitz in Witten, nur die Telefonnummer hattingerisch. Auch die Stadt machte sich für „Gemeinde-Einträge“ stark.

Seitdem gilt auch hier: „Der kostenfreie Standardeintrag wird immer im Verzeichnisabschnitt der Stadt oder Gemeinde veröffentlicht, in der sich der Anschluss tatsächlich befindet“, erklärt Michael Hein-Beuting von der Deutschen Tele Medien GmbH, die das Telefonbuch herausgibt. Ein Eintrag in einer anderen Stadt ist kostenpflichtig.

Bündnis braucht Nachwuchs

„Manchmal muss man den Leute schon erklären, dass man eine Hattinger Vorwahl hat, obwohl man im Wittener Telefonbuch steht“, sagt Helmut Gaul. Das sei aber kein Problem. Für ihn ist vor allem wichtig, dass die Buchholzer zusammenhalten: „Es ist ein älterer Stadtteil, hier wohnen viele Ältere. Da ist es wichtig, dass die auch mal rauskommen.“

Dafür macht er sich mit 120 Mitstreitern im Bündnis für Buchholz stark, das regelmäßig Veranstaltungen organisiert. Die Kirche kann das Bündnis noch bis 2020 nutzen, bekommt einen Zuschuss von der Kirchengemeinde. Aber: „Uns bedrückt, was danach kommt. Wir brauchen Nachwuchs. Der Hauptvorstand ist dann komplett über 80 Jahre alt“, wirbt Gaul dafür, dass sich auch jüngere Menschen für den Stadtteil zwischen den Stühlen engagieren – egal, ob Hattinger, Wittener oder sogar Bochumer.

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