Amtsgericht

Betrügerin aus Sprockhövel muss einen hohen Preis zahlen

Zahlreiche gutgläubige Menschen hat die Betrügerin über Ebay um ihr Geld gebracht.

Zahlreiche gutgläubige Menschen hat die Betrügerin über Ebay um ihr Geld gebracht.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Sprockhövel.  Dreieinhalb Jahre geht eine alleinerziehende Sprockhövelerin ins Gefängnis. Über Ebay hatte sie jahrelang nicht existierende Ware versteigert.

Rund die Hälfte ihre Lebens hat die 45-jährige Sprockhövelerin nicht nur juristisch gesehen auf Abwegen verbracht. Nach außen war sie die studierte und verbeamtete Bewährungshelferin, die Gestrauchelten half. Aber zu Hause stürzte sie regelmäßig selbst ab, verzockte süchtig Riesenbeträge mit Fußballwetten, stopfte Finanzlöcher mit Erlösen aus Serien von Straftaten, vernachlässigte ihr Kind. Nachdem nun alles kaputt ist, ist Zahltag: Für dreieinhalb Jahre schickte sie Richter Johannes Kimmeskamp am Mittwoch ins Gefängnis.

Eltern, Tochter und Freunde bangen im Gerichtssaal

Zum Gerichtstermin erschienen ihre Eltern, Freunde und auch die 15-jährige Tochter, um mit der glaubhaft geläuterten Angeklagten zu bangen. Verteidiger Dr. Hanisch gab sein Bestes, zeichnete das Bild einer spielsüchtigen Frau, die sich nach endlosen Jahren des Selbstbetruges nun ehrlich ins Gesicht schaue und Reparation für ihre Taten leisten möchte: Bei dem eigenen Vater etwa, in dessen Namen sie 2016 einen Kredit über 8500 Euro abschloss, den aber nicht bedienen konnte, so dass dem ahnungslosen 77-Jährigen sogar die Rentenpfändung drohte, bis die 45-Jährige ihm den Betrug offenbarte.

Fast jeden Tag neue Betrügereien

In der langen Reihe der Opfer befinden sich Menschen, die sich hochpreisige Dinge wie Smartphones oder hübsche Kleidungsstücke normalerweise nicht leisten können und sich daher auf virtuellen Marktplätzen umschauen. Jeden einzelnen betrog die Sprockhövelerin um Beträge im Hunderterbereich, das aber zeitweise fast täglich. Zur Verhandlung standen aktuell neben dem Kreditbetrug sechs Fälle, wo sie über Ebay sechs nicht vorhandene Jacken verkauft hatte, rund 800 Euro strich sie dafür ein. In früheren, bereits abgeurteilten Fällen, hatte sie in Hattingen und Essen Strafen kassiert, hatte ihre kriminelle Karriere jedoch unverdrossen fortgesetzt. Vor wenigen Wochen wurde sie in der JVA Gelsenkirchen inhaftiert.

Angeklagte empfindet Scham

Ihre berufliche Stellung und alle Versorgungsansprüche hat sie verloren, lebt aktuell von Hartz IV. Doch die Spielsucht, die sie über zwei Wettanbieter zu befriedigen suchte, blieb. Der Verteidiger legte das Dokument eines der beiden vor, wonach sie dort über Jahre 23.166 Euro verloren hatte; die Gewinne waren absolut marginal. Weit höher dürfte der Verlust bei dem zweiten Anbieter sein, über 50.000 Euro werden vermutet. „Ich habe mich immer schrecklich dafür geschämt, es entsprach überhaupt nicht meinem Selbstbild“, sagte die Angeklagte. So verheimlichte sie ihrem familiären Umfeld und auch vor Freunden ihre Sucht, niemand wusste etwas von Straftaten, Strafverfolgung, Urteilen. Allein aufgrund von anonymisierten Presseberichten gab es Ahnungen von Bekannten, dass etwas nicht stimmen konnte.

Im Sommer Kontakt zu Suchthilfe

Coronabedingt konnte sich die Angeklagte erst im Laufe des Sommers um einen Kontakt mit der Suchthilfe des Caritas kümmern, ein Mitarbeiter bestätigte das vor Gericht. „Aber erst als die Anklageschrift bereits zugestellt war“, betonte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie hielt der Angeklagten zugute, reinen Tisch machen und ihr Leben in den Griff bekommen zu wollen. Aber aufgrund der vielen Straftaten plädierte sie für eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft. Das Urteil folgte bei dieser hohen Forderung nicht, eine Bewährungsstrafe wie von der Verteidigung gefordert, komme jedoch nicht in Betracht.

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