Ausstellung

Ausstellung zeigt, wie das Saxofon gefährlich wurde

Christoph Schlierkamp, Kustos des Kulturhistorischen Museums Haus Kemnade, betreut die Ausstellung.

Foto: Gero Helm

Christoph Schlierkamp, Kustos des Kulturhistorischen Museums Haus Kemnade, betreut die Ausstellung. Foto: Gero Helm

Hattingen.  Eine Schau im Haus Kemnade erinnert kritisch an die Ausstellung „Entartete Musik“ aus dem Jahr 1938. Jüdische Musiker und Komponisten waren verfemt.

„Entartete Kunst“, „Entartete Musik“ – die Nationalsozialisten waren, auch was den Umgang mit der Kultur anging, nicht zimperlich. Welche Folgen für die betroffenen Künstler die Ausgrenzung hatte, belegt eindrücklich die Sonderausstellung „Das verdächtige Saxophon. ‚Entartete Musik‘ im NS-Staat“ im Haus Kemnade. Zusammengestellt hat sie der Musikwissenschaftler Albrecht Dümling bereits 1988, seitdem ist die Wanderausstellung immer wieder aktualisiert worden und wird nach wie vor weltweit gezeigt.

Als „artfremd“ eingestuft

Unter dem abwertenden Titel „Entartete Musik“ war die ursprüngliche Ausstellung anlässlich der Reichsmusiktage 1938 in Düsseldorf von Hans Severus Ziegler – in Anlehnung an die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ – vorgestellt worden. Darin wurde gegen Jazz, Neue Musik und jüdische Künstler sowie Komponisten polemisiert und offen deren Entfernung aus dem deutschen Musikleben gefordert. Sehr bekannt wurde das Werbeplakat der Schau, eine böse Karikatur eines schwarzen Jazz-Saxofonisten, der einen Davidstern trägt. Jüdische Operetten- und Schlagerkomponisten, atonale Werke und Jazz wurden als „artfremd“ eingestuft.

In der didaktisch gut gemachten Präsentation im Haus Kemnade erfährt man viel über die geistigen Hintergründe in Deutschland während der 1930er Jahre. Die NS-Propaganda baute auf einem Unbehagen auf, das in der Musikwissenschaft seit den 1920er Jahren Thema war. Nicht nur der Ausstellungsmacher Ziegler fürchtete sich vor dem Einfluss von Juden wie Arnold Schönberg, Kurt Weill und Hanns Eisler auf die Musik. Die Verfolgung richtete sich auch auf „arische“ Komponisten wie Paul Hindemith, Ernst Krenek und Alban Berg. Ganz allgemein fiel durchs Raster, wer „schräg“ komponierte und für eine Musik stand, die nicht den überkommenen Hörgewohnheiten entsprach.

Für Schuklassen interessant

Gezeigt werden kommentierte Rekonstruktionen der 1938er Schau, zeitgenössische Zeitungsartikel, Fotos, Bücher und Filmbeiträge. Darüber hinaus werden Einzelschicksale verfolgter Musiker vorgestellt und der Bogen ins Heute geschlagen. Die Ausstellung ist gerade auch für Schulklassen interessant und wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet.

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