Rosenmontagszug

Auf dem Wagen der Superölften beim Hattinger Rosenmontagszug

Die Ruhröften beim 41. Holthauser Rosenmontagszug.

Foto: Fischer

Die Ruhröften beim 41. Holthauser Rosenmontagszug. Foto: Fischer

Hattingen.  WAZ-Mitarbeiterin Lydia Heuser hat den Zug über die Dorfstraße aus einer neuen Perspektive erlebt – sie ist auf dem Mottowagen mitgefahren.

Es schneit. Es ist kalt. Zwischendurch blitzt die Sonne hervor. „Wie in meiner Erinnerung“, denke ich mir, als ich auf den Wagen der Ruhrölften kraxele. Straßenkarneval mit Kamelle, Verkleidung und allem Drum und Dran, das ist bei mir schon sehr lange her; damals nähte Mama noch die Prinzessinnenkleider oder den Vampirumhang. Seitdem habe ich mich immer vor der fünften Jahreszeit gedrückt.

Janina Keßler vom Karnevalsverein der Ruhrölften hat mich dann zum Rosenmontagszug eingeladen – und ich habe zugesagt. Doch bevor ich auf den mit Comics verzierten Wagen kommen darf, werden mir Utensilien in die Hand gedrückt: ein selbstgenähter, blauer Umhang und eine farblich passende, kurze Sporthose. Die gleiche Superheldenverkleidung tragen auch die Ruhrölften. Grüne Blitze mit Glitzersteinchen und Strass beklebt zieren die Augen der Jecken.

Pünktlich um 15.11 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Unser Wagen steht an neunter Position von insgesamt zweiundzwanzig. Dazu zählen Wagen, Tanzgarden und Musiktruppen. Die Ruhrölften sind mit ihrem Wagen der zweite, den das Publikum am Straßenrand zu sehen bekommt. Das Motto steht oberhalb an den Seiten des Anhängers: „Ob Comic oder echtes Leben, die Superölften helfen jedem.“

Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft

Die Idee entwickelte der Verein gemeinschaftlich. „Es soll sich vor allem reimen und unser Verein legt Wert auf Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft“, erklärt Janina Keßler. Den Verein gründeten im Jahr 2011 mehrere Freunde, die sich bereits aus der Katholischen Jungen Gemeinde kannten. „Mit der Zeit ist der Verein gewachsen. Teilweise sieht man sich auch nur zu den Vereinstreffen. Aber die meisten sind untereinander schon vorher befreundet gewesen“, verrät mir Janina Keßler.

Als Superheldin betrete ich über eine kleine Hängestufe am Ende des Anhängers den Wagen. Mehr als neun Meter lang ist er und 2,50 Meter breit. Groß genug, um Getränke, Essen, Bänke, Kamelle und Dixiklo unterzubringen.

Die Bänke stehen an den Seiten und dienen als Abstellfläche für die Kartons, in denen Unmengen an Süßigkeiten lagern. Etwa 800 Kilo Kamelle verteilen die Ruhrölften in Holthausen. Das Geld dafür kommt von den Sponsoren. „Wir legen Wert auf hochwertige Süßigkeiten“, erklärt Keßler.

Ich stelle mich an die Seite des Wagens. „Geworfen wird erst, wenn der Zug um die Ecke gebogen ist“, lautet die Anweisung. Aber schon jetzt strahlen mich erwartungsvolle Kinderaugen an. Vereinzelt wechseln – ganz unauffällig – ein paar Gummibärchen den Besitzer. Der Wagen fährt mit einem Ruck an und das Spektakel beginnt. Musik und Holti-Holau-Rufe setzen von allen Seiten ein. Hinter uns startet ein Spielmannszug mit seiner Musik.

Darth Vader bückt sich nach Kamelle

Ich nehme Süßigkeiten aus der Kiste unter mir und werfe sie wahllos in die Menge. Einhörner und Darth Vader bücken sich nach den Kamellen. Umgedrehte Regenschirme, Beutel, Eimer und Taschen werden uns hingehalten.

Säckelmeisterin Daniela Kirsch steht neben mir und animiert die Jecken am Straßenrand. „Holti“ ruft sie, „Holau“ antworten die Kinder und Erwachsenen. Zwei kleinen Roboterkindern reicht sie Tüten mit Süßigkeiten. „Die waren so schön verkleidet.“

Nach einiger Zeit gehe auch ich dazu über, die Leute gezielt anzuschauen und ihnen etwas zuzuwerfen. Oft bekomme ich ein Lächeln oder ein Danke zurück. Tolles Gefühl. „Es macht Spaß, Fröhlichkeit zu geben“, findet Benjamin Durek. Da kann ich nur zustimmen. Er ist mit seiner Frau und dem wohl jüngsten Ruhrölften-Mitglied, seiner Tochter Penelope (1), dabei. „In Köln oder Düsseldorf ist man nur Gast, aber hier feiern wir jedes Jahr als teilnehmendes Mitglied.“

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