Wirtschaft

Arbeitszeiterfassung ist in vielen Hattinger Firmen gängig

Die Arbeitszeit der Mitarbeiter wird in Holger Kosts Unternehmen Kerkemeier in Hattingen längst umgesetzt. Dennoch sieht er auch Probleme, die das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Arbeitszeiterfassung mit sich bringen kann.

Die Arbeitszeit der Mitarbeiter wird in Holger Kosts Unternehmen Kerkemeier in Hattingen längst umgesetzt. Dennoch sieht er auch Probleme, die das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Arbeitszeiterfassung mit sich bringen kann.

Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Firmen setzen teils bei der Arbeitszeit auf Vertrauen. Fehlende Flexibilität könnte die Folge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes sein.

Von einem gelassenen „Haben wir schon lange“ (Stüwe) bis zu einem „Wir haben kein Interesse daran, Auskunft zu geben“ (Vulkan Inox) reichen die Antwort auf die Anfrage bei Firmen zur Arbeitszeiterfassung im Unternehmen. Der Hintergrund: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Arbeitgeber die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter erfassen müssen.

Udo Schnieders von der Sparkasse benennt gleich ein Problem: „Es wird viel diskutiert, obwohl noch gar nicht klar ist, wie das in Deutschland umgesetzt wird. Wir haben feste Arbeitszeiten, hätten keinen Regelungsbedarf gesehen.“

Hattinger Unternehmer sehen auch Probleme

„Sekundengenau“ wird die Arbeitszeit im EvK erfasst – die Mitarbeiter seien zufrieden, so Sprecher Eberhard Franken. „Wir erfassen die Arbeitszeit seit zwölf Jahren digital. Davor gab es schon Stempelkarten“, sagt Tanja Kromrey aus der Personalabteilung von Stüwe. Elektronisch erfasst wird die Arbeitszeit auch bei der Spedition Kerkemeier. Die Arbeitszeit der Fahrer wird über Fahrerkarten erfasst, „das ist geübte Praxis“, sagt Geschäftsführer Holger Kost. Auch im Lager sei das Standard. Im Büro gibt es bei Kerkemeier eine digitale Arbeitszeiterfassung seit eineinhalb Jahren. „Das macht flexible Arbeitszeitmodelle für Mitarbeiter einfacher“, begründet Kost.

Er sieht durchaus auch Probleme, die das Urteil mit sich bringen kann. „Wenn es in einem Unternehmen ein großes Projekt gibt, bei dem die Mitarbeiter an die Grenzen gehen, ist das schwierig. Dann muss nach zehn Stunden der Hammer fallen, sonst macht man sich angreifbar. Dabei braucht man eigentlich mehr Flexibilität.“

Die Arbeitszeit wird digital oder mit Stempelkarte erfasst

Bei Halbach & Braun gibt es seit 2011 eine moderne Erfassung. Die Mitarbeiter verfügen über Gleitzeitkonten, können entsprechend der Betriebsvereinbarung dann auch Überstunden abbauen.

„Es gibt bei uns ein System, das digital läuft“, sagt Thomas Alexander, Sprecher der Volksbank Hattingen/Sprockhövel. Mit einer Stempelkarte dagegen arbeitet beispielsweise Scheffler Mobilität.

Die Vertrauensarbeitszeit kann gut funktionieren

Bei Stalter Immobilien wird die Arbeitszeit nicht erfasst. „Wir sind so klein, wir wissen, was wir arbeiten“, heißt es seitens der Buchhaltung. Martin Greb, der bei Yamaha und Peugeot Hochkirchen arbeitet, berichtet, dass er mit der Vertrauensarbeitszeit zufrieden ist. „Wir haben Ladenöffnungszeiten, die geben Zeiten vor. Arbeitet man mehr, kann man nach Absprache die Überstunden abfeiern.“ Generell ist er für die Pflicht zur Erfassung: „Es läuft nicht überall glatt.“

Bei Hattingen Marketing erfassen die Mitarbeiter die Arbeitszeit, die Pausen, die Außentermine in persönlichen Excel-Dateien. „Die werden wöchentlich ausgedruckt und abgeheftet“, sagt Georg Hartmann. „Ich bin als Geschäftsführer davon ausgenommen“, erklärt er außerdem.

Die Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen üben Kritik

An der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes üben Arbeitgeberverbände, sprechen von der faktischen Wiedereinführung der Stechuhr, die nicht zur Arbeitswelt passe. Die brauche Flexibilität. „Das deutsche Arbeitszeitgesetz passt schon jetzt nicht zur modernen Arbeitswelt. Brüssel wirft den Arbeitgebern zusätzlich Stöcke zwischen die Beine“, so Dirk W. Erlhöfer von den Arbeitgeberverbänden Ruhr/Westfalen.

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