Fidena

„Angst vor Clowns“ - schwarzer Humor auf der Henrichshütte

„Coulrophobia - Fear of Clowns“ ist eine irrwitzige Show voller Slapstick Hysterie, grandiosem Puppenspiel und sehr viel Pappe.

Foto: Manfred Sander

„Coulrophobia - Fear of Clowns“ ist eine irrwitzige Show voller Slapstick Hysterie, grandiosem Puppenspiel und sehr viel Pappe. Foto: Manfred Sander

Hattingen.   Das preisgekrönte britische Figurentheater „Pickled Image“ bietet bei der Fidena in Hattingen ausdrucksstarke Pantomime und schwarzen Humor.

Pappkartons, wohin man guckt. Große, kleine, schmale, hohe, breite – es nimmt kein Ende. Und mittendrin in dieser ausweglosen Gefangenschaft zwei Clowns, die nicht wissen, wie sie in diese surreale Pappwelt hineingeraten sind. Und schon gar nicht, wie sie da wieder herauskommen sollen. Das britischen Figurentheater Pickled Image hatte mit „Coulrophobia – Fear of Clowns“, am Dienstagabend im Rahmen des 60-jährigen Bestehens des Figurentheaters der Nationen, Fidena, seinen großen Auftritt auf der Henrichshütte.

Coulrophobia kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Angst vor Clowns“. Denn nicht jeder findet die geschminkten Gesichter komisch. Clowns lachen in unpassenden Momenten, bewegen sich ungelenk, können gruselig sein.

Zuschauer werden eingebunden

Mit all’ dem Instrumentarium spielen die preisgekrönten Künstler Dik Downey und Adam Blake. Sie wollen aus ihrer öden Welt heraus, ziehen alle Register, keine Emotionen sind ihnen fremd, um der Situation zu entkommen. Sie ahnen, dass etwas Böses im Busch ist und wirklich große Schuhe trägt. Eine autoritäre Clowns-Puppe.

Dabei greifen sie tief in die Kiste des besten englischen schwarzen Humors, präsentieren ausdrucksstark mit wenigen Worten ihre Gemütslage in dieser tristen Situation. Da gibt es plötzlich heftige Aggressionen. Die beiden Clowns laufen ins Publikum und schießen in die Menge. Mit einer Papp-Pistole. Was da herauskommt, sind lange Fäden, die sich über den Boden verteilen. Tatsächlich zum Schießen.

Wutattacken und abgesägte Hände

Dann holen sie eine Dame aus den Zuschauerreihen, rücken einen fragilen Papptisch nach vorne, dessen Beine immer schief stehen. Es wird eine Weinflasche – aus Pappe natürlich – auf den Tisch gestellt, dazu Papiergläser. Ein Clown will mit der Dame anstoßen, ist aber gerade zur Marionette geworden, hängt an Fäden, hat völlig unkontrollierte Bewegungen. So ist das im Leben. Der Mensch kann nicht immer selbstbestimmt Situationen entkommen.

Bei Streit und Wutattacken sind die beiden Künstler nicht zu übertreffen. Sie streiten sich um eine Socke, die sich ein Clown über die Hand gezogen hat und mit Daumen und Zeigefinger eine Figur spielt. Das will der andere auch, wird aber nicht gelassen. Plötzlich ist ein schauriges Knacken zu hören und ein Finger des Gegners steht schräg zur Seite ab. Der Streit eskaliert. Ein Clown greift zur Pappsäge – und ab ist die Hand, liegt auf dem Boden. Dann wird’s ganz skurril. Der „Verletzte“ hebt seine Hand auf und spielt mit Hand und Strumpf weiter. Eine von vielen Szenen, die völlig makaber, aber gerade deswegen zum Totlachen sind.

Enttäuschende Nacktheit

Das Stück endet konsequenterweise mit einer weiteren Überraschung. Die beiden Clowns haben ihre Masken auf, aber ab Gürtellinie nichts mehr an. „Enttäuschende Nacktheit“, heißt es in der Ankündigung von Fidena. Da sind die Zuschauer ganz anderer Meinung. Ein skurriles und geniales Stück Leben.

>>> Die Fidena-Stücke sind noch bis 18. Mai zu sehen

Das Figurentheater der Nationen feiert in diesem Jahr den 60. Geburtstag. Das Festival, das zu den wichtigsten und innovativsten in der internationalen Szene des Figurentheaters gehört, gibt es alle zwei Jahre.

Zu sehen sind die unterschiedlichen Stücke noch bis zum 18. Mai. www.fidena.de

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