Gericht

Angeklagter hielt Jugendgerichtshilfe-Brief für Vereinspost

Aufgeflogen war ein 19-Jähriger, der zwei Mal ohne gültigen Fahrausweis im Zug saß. Er musste sich jetzt in Hattingen vor Gericht verantworten.

Aufgeflogen war ein 19-Jähriger, der zwei Mal ohne gültigen Fahrausweis im Zug saß. Er musste sich jetzt in Hattingen vor Gericht verantworten.

Foto: Sebastian Konopka

Hattingen.   Warum er trotz eines angeblich gültigen Fahrscheins zwei Mal schwarz Zug fuhr, will ein 19-jähriger Täter in Hattingen dem Richter erklären.

Gleich zwei Mal ist der Angeklagte ohne Fahrausweis im Zug erwischt worden – im Oktober 2018 und im Januar 2019. Ein Mal hat er sogar einen Fahrausweis vorgezeigt. Der war jedoch ungültig. Falsche Tatsachen habe er vorspiegeln wollen, hält die Vertreterin der Staatsanwaltschaft dem 19-Jährigen vor, der am gestrigen Donnerstag auf der Anklagebank sitzt.

Als Verzweiflungstat beschreibt er sein Handeln. „Ich habe eine Fahrkarte, die übertragbar ist. Manchmal gebe ich sie darum einem Kumpel. Ich musste damals morgens um vier Uhr aufstehen, um dann mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Da habe ich vergessen, die Fahrkarte mitzunehmen. Aber ich habe eine.“ Und auch das erhöhte Beförderungsgeld von je 60 Euro nach den Taten habe er schon bezahlt.

Arbeit hielt vom Termin bei der Jugendgerichtshilfe ab

„Mein Gott, Junge“, entfährt es Richter Dr. Karl-Martin Lucks, der wissen will, warum er auf die Einladung des Jugendgerichtshelfers Thomas Behr nicht reagiert hat. „Da kann man sich doch nur an den Kopp packen. Da ist einer, der einem helfen will und Sie gehen nicht hin.“

„Zu der Zeit habe ich immer arbeiten müssen, dafür habe ich nicht frei bekommen“, sagt der junge Mann, der im Februar eine Lehre beginnt. Warum er nicht abgesagt habe, fragt der Richter den Geflüchteten. Der sagt über seinen Übersetzer: Weil er dachte, der Brief wäre von einem Sportverein, von einem Fußballverein. „Denn viele Kumpel spielen Fußball.“ Behr sagte, in der Tat stehe auf den Briefen Fachbereich Jugend, Schule, Sport. Behr hält, auch wenn er zuvor nicht mit dem Angeklagten sprechen konnte, eine Reifeverzögerung für wahrscheinlich. Flüchtlinge hätten oft Schlimmes erlebt.

Richter ermahnt Angeklagten, eine Fahrkarte zu kaufen

Für den Angeklagten wertete das Gericht auch, dass diese beiden Straftaten die ersten waren, mit denen er aufgefallen ist. Richter Lucks belässt es darum bei der Begleichung des erhöhten Beförderungsgeldes. „Ich will Sie hier nicht mehr wiedersehen. Sonst bekommen Sie richtig Ärger. Kaufen Sie bitte eine Fahrkarte!“

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