Serie "Wie fit ist Hattingen?"

An den Po darf man beim Hirntraining denken

Foto: Fischer

Hattingen.  Nichts sollte beim Gedächtnistraining zu albern sein. Beschränkungen sollten vermieden werden. Inzwischen gibt es auch Kurse, die helfen, das Gehirn fit zu halten.

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Ulrike Koch (65) blickt starr aus dem Fenster, plötzlich erhellt sich ihre Miene und sie schreibt ein Wort auf ein Blatt. Renate Leimkühler (79) stützt dagegen den Kopf in eine Hand, den Blick aufs Blatt gerichtet: Jeder konzentriert sich eben anders beim Gedächtnistraining im St.-Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern. Spaß haben aber alle an diesem Sport.

Für jeden Buchstaben des Alphabets, ausgenommen A, E, I, U, Q gilt es in dieser Wortfindungsübung Hauptwörter mit O zu finden. Die anderen Vokale dürfen nicht darin vorkommen, hat Gedächtnistrainerin Dr. Michaela Waldschütz der Gruppe erklärt. Die Teilnehmer überlegen für sich, danach verkündet jeder, was er gefunden hat. Gerade ist P dran: Post, Pott, Pol, Polo. Popo. „Das ist mir auch eingefallen, aber das wollte ich nicht sagen“, gesteht Marianne Kappert (88) vergnügt. „Beim Gedächtnistraining soll man sich nicht selbst begrenzen, ruhig auch alberne Ideen zulassen, nicht bewerten, sich nicht einschränken“, empfiehlt die Expertin. R: Rohr, Rom, Rotor, Rondo, Rost, Rollmops. Im Alter, sagt Waldschütz, wird der Wortschatz größer, aber der Abruf wird schwieriger. Die Übung hält gegen diesen Prozess.

Auch die Kontrast-Übung ist da hilfreich. „Tugend“ gibt Waldschütz vor. Mit „L“ sollen allen Kontrastwörter beginnen. Das „Laster“ ist schnell gefunden. „Lustlos“ als Gegensatz zu „freudig“ lässt etwas auf sich warten.

Koordinationsübungen stehen immer auf dem Programm. Die Arme in einer bestimmten Bewegungsabfolge unterschiedlich zu positionieren, erfordert Konzentration. „Das regt den vorderen Stirnlappen an. Dort ist das Arbeitsgedächtnis“, erklärt Waldschütz und betont, dass es nicht schlimm ist, wenn die Übungen nicht korrekt ausgeführt werden, Fehler unterlaufen. Denn: Der Weg ist das Ziel. Die Anstrengung bringt den Trainingseffekt.

Möglichst vielseitige Übungen durchlaufen die Damen bei jedem Treffen: Rätselgeschichten, Wortergänzungen, Formulierungsaufgaben mit vorgegebenen Wörtern, das Lesen verdrehter Texte, Strategien zum Merken von Namen und Zahlenkombinationen, es geht ums Formulieren und Strukturieren.

„Die Sinnesleistung lässt in jeder Hinsicht im Alter nach. Dem gilt es entgegenzuwirken“, sagt Biologin Waldschütz, die seit 13 Jahren solche Kurse anbietet, im Bundesverband für Gedächtnistraining ist. Zum Beispiel mit einer Wahrnehmungsübung. Gerade hat Christel Fassbender (75) ihre Hand in ein buntes Stoffsäckchen gesteckt, fühlt konzentriert, bis sie aus einer Menge Knöpfe zwei zusammen passende fischt.

Bei einer Fingerkoordinationsübung stockt Ulrike Koch erst. Dann plötzlich führt sie sie schnell aus: „Das haben wir als Kinder immer gemacht“, erinnert sie sich. „Der Bewegungsablauf ist automatisiert. Dieser Gedächtnisteil ist nicht so störanfällig“, erklärt Waldschütz. Nachteil: „Diese Übung hat deshalb für Sie keinen Trainingseffekt. Nur wenn man sich konzentrieren muss, wird das Gehirn aktiviert.“

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