Ausstellung

Altenheim-Bewohnern greifen für Kalender Luther-Zitate auf

Angelika Wagener-Heide (52) stand als Kämmende Modell für den Kalender „Schönheit im Alter“, dessen Blätter jetzt als Ausstellung im Bügeleisenhaus in  Hattingen zu sehen sind.

Angelika Wagener-Heide (52) stand als Kämmende Modell für den Kalender „Schönheit im Alter“, dessen Blätter jetzt als Ausstellung im Bügeleisenhaus in Hattingen zu sehen sind.

Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.  Bewohner der Feierabendhäuser standen Modell für Fotos für den Kalender „Schönheit im Alter“. Die sind jetzt im Bügeleisenhaus zu sehen.

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Im Diakonissinnengewand stand Erika Siegeler (87) Modell für den Kalender „Schönheit im Alter 2017“. Der greift Zitate Martin Luthers auf und zeigt, was sie heute bedeuten. Die zwölf Kalenderblätter sind derzeit im Bügeleisenhaus zu sehen. Auch einige der Modells und Andreas Vincke, Leiter der Feierabendhäuser der Diakonie in Witten, Fotograf und Initiator des Kalenders, kamen zur Schau – und erzählten von ihren Erfahrungen.

„Mit der Diakonie bin ich seit meinem 18. Lebensjahr verbunden. Ich finde das Bild sehr gelungen, denn alle Menschen gehören doch zusammen“, sagt Erika Siegeler, Bewohnerin der Feierabendhäuser. Auf dem Kalenderblatt legt sie ihre Hand auf die Schulter einer Frau mit dunkler Hautfarbe. „Barmherzigkeit“ ist als Schriftzug zu lesen.

Brisantes Thema heiß diskutiert

Weil das Thema „brisant ist“, hat Angelika Wagener-Heide (52) schon zunächst überlegt, ob sie als Modell mitmacht, brauchte Bedenkzeit. Jetzt ist sie zu sehen, wie sie einer Seniorin die Haare kämmt. Vor dieser liegt ein Buch mit dem Namen Adolf Hitlers: „Sündenvergebung allein aus dem Glauben“ steht da außerdem. In der Tagespflege arbeitet Angelika Wagener-Heide und sagt: „Ich dachte mir dann, dass wir ja auch die Bewohner, die diese Geschichte haben, gut versorgen.“

In der Gruppe sei über das Thema „heiß diskutiert worden“, berichtet Andreas Vincke. Er freut sich, dass die evangelische Kirche die Blätter so toll fand, dass sie das offizielle Reformationsjubiläum-Logo tragen dürfen. Eingebaut ist in jedes Bild auch die Kopfbedeckung Martin Luthers. Mal ruht sie je zu einer Hälfte auf den Knien von einem homosexuellen Paar, das auf einer Bank sitzt, angeschaut wird von einer Frau mit Rollator: „Glaube ohne Liebe ist nichts Wert“, steht da.

Oder ein Modell trägt die Kappe beim Reden im Studio einer Lokalzeit: „Das mündliche Wort ist stärker als das schriftliche Wort.“ „Luther würde heute moderne Kommunikationsmöglichkeiten verwenden“, so Vincke.

Und auch ein Playmobil-Luther ist auf allen Bildern versteckt – man findet ihn beispielsweise am Weihnachtsbaum. Klar, das ist das Dezember-Blatt. Auf dem steht „Das Christkind“ – selbiges überreicht einer Rollstuhl-Fahrerin ein Geschenk. „Das Christkind“, erklärt Vincke, „hat nämlich Luther erfunden“. 3000 Euro hat er besorgt, um einen Mann mitten hinein zu setzen: „Ablasshandel“.

Vincke erzählt auch die Geschichte von „Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens“. „Angehende Ärzte, die ein Clownerie-Seminar absolvierten, probierten sich in unserer Einrichtung aus, ich fragte einen, ob er spontan mitmacht.“ Entstanden ist ein beeindruckendes Bild eines jungen Mannes mit Verkleidung, der eine Seniorin zum Lächeln bringt.

Dies ist bereits der achte Kalender, den Andreas Vincke mit seinem Team erstellt hat. „Wir arbeiten bereits am neunten, haben seit dem vierten immer Themen.“ Wie Sport, Märchen, Musik. Die Themen sind dann auch Jahresmotto in den Feierabendhäusern, es gibt Veranstaltungen dazu. Die Ausstellung ist bis Mitte August im Bügeleisenhaus am Haldenplatz 1 zu sehen.

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