Gericht

Absurder, verrückter Diebstahl in 94 Fällen im Getränkemarkt

Eine Tat, wie sie laut Staatsanwaltschaft nur Drogensüchtige begehen, denen alles egal ist, begingen eine Studierende und ein Auszubildender.

Eine Tat, wie sie laut Staatsanwaltschaft nur Drogensüchtige begehen, denen alles egal ist, begingen eine Studierende und ein Auszubildender.

Foto: Kleinrensing

Hattingen.   Zwei Angeklagte missbrauchten das Vertrauen ihres Chefs. Dass sie auffliegen, war vorprogrammiert. Was sie dachten, wollte der Richter wissen.

Als absurd und verrückt bezeichnet Richter Karl-Martin Lucks die Taten von zwei Angeklagten vor dem Jugendschöffengericht. Sie sind des gemeinsamen Diebstahls beschuldigt. Er in 88 Fällen, sie in sechs. „Und dann hinterlassen Sie am Tatort auch quasi noch ihren Namen und Fingerabdruck“, sagt Lucks.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft brauchte einen langen Atem beim Verlesen jedes einzelnen Falls im vergangenen Jahr. Die beiden Beschuldigten – beide Jahrgang 1998 – hatten als Kassierer in einem Getränkemarkt Waren in die Kasse eingescannt, dann storniert – und für sich oder Freunde so gestohlen.

Es entstand ein Schaden von über 4000 Euro

Mal waren es Zigaretten für sieben Euro, mal ein Großeinkauf mit Alkoholika oder Softgetränken für über 100 Euro. Sie – inzwischen Studierende – verursachte so einen Schaden von knapp 100 Euro, er – mittlerweile Auszubildender – von weit über 4000 Euro. „Sie sind doch nicht doof, es war doch klar, dass das spätestens bei der Inventur auffällt“, sagt Lucks.

Betreten sitzen die Hattinger auf ihren Stühlen, erklären können sie nicht, warum sie das Vertrauen ihres damaligen, teils langjährigen Chefs so missbrauchten. „Das fing an, dass man sich mal ein Getränk in der Pause einfach so genommen hat. Und dann hat man auch mal was für Zuhause mitgenommen. Und so ging das weiter.“

„Kein Erwachsener würde so eine Tat begehen.“

„So Taten begehen nur Drogensüchtige, die nichts mehr zu verlieren haben und denen alles egal ist“, bemerkt die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Denn es war klar: Die Taten würden entdeckt. „Kein Erwachsener würde so eine Tat begehen“, finden auch Jugendgerichtshelfer und Richter – und darum sollen beide nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Zwei Wochen Dauerarrest für den Auszubildenden fordert die Staatsanwaltschaft. Doch das Jugendschöffengericht erachtet 120 Sozialstunden, 150 Euro Strafe an den Kinderschutzbund und die „selbstverständliche Schadenswiedergutmachung“, so Lucks, als bessere erzieherische Maßnahme. Die Angeklagte muss den Schaden ersetzen und 20 Sozialstunden leisten. „Wir gehen davon aus, dass wir Sie beide hier nie wieder sehen. Sie werden Ihren Weg gehen“, sagt Lucks.

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