Aktionshaus

Abschied von den Mönninghoffern

Schriftführer Berhard Netz

Schriftführer Berhard Netz

Foto: WAZ FotoPool

Hattingen.   Förderverein Bildung für Arbeitnehmer in Hattingen löst sich nach 29 Jahren auf. Er war im Jahr 1984 im Arbeitskampf der Belegschaft gegründet worden.

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Fast genau 29 Jahre ist es her, dass die Mönninghoffer zu ihrer letzten Schicht antraten. Jetzt verschwindet mit dem Förderverein Bildung für Arbeitnehmer in Hattingen (Aktionshaus) das letzte Überbleibsel des einstigen Traditions-Unternehmens, dessen Angestellte den ersten großen Arbeitskampf der Stadt austrugen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde einstimmig das Aus für den Verein beschlossen.

Gegründet worden war er 1984, dem Jahr, in dem der Firma Mönninghoff/Gottwald die Unterstützung der Banken wegbrach und in dem die Angestellten um ihre Arbeitsplätze kämpfen mussten. „Wir haben versucht, ein Fortführungsmodell zu finden. Der Förderverein wurde gegründet und sollte Gesellschafter der Produktionsgesellschaft werden“, erinnert sich der damalige IG-Metall-Bevollmächtigte Otto König. Etwa 350 Fördermitglieder habe der Verein damals gehabt. Aber der Plan scheiterte an der Zustimmung einer Bank, Mönninghoff meldete Konkurs an, der Förderverein aber blieb. „Er war wichtig als Anlaufpunkt und Hilfestellung für die Arbeiter, damit sie nicht in ein tiefes Loch fallen. Viele waren dort immerhin 20, 30 oder 40 Jahre beschäftigt“, betont Otto König.

Wo anfangs das Büro des Betriebsrates untergebracht war, Arbeiter unterstützt und beraten wurden, entstanden in den folgenden Jahren Futterhäuschen und Nistkästen, Schals, Klammerbeutel und viel mehr. „Es hat Spaß gemacht. Mit Frotzeleien wie früher“, erinnert sich Schriftführer Bernhard Netz. Die ehemaligen Mönninghoffer und auch Vereinsmitglieder, die nie im Unternehmen gearbeitet hatten, fertigten an der Roonstraße 17 Holz- und Bastelarbeiten für den Kindergarten Schreys Gasse. „Aber jetzt können viele nicht mehr so. Ich bin mit 67 Jahren der zweitjüngste“, so Netz.

Nur noch fünf Männer und neun Frauen hätten sich regelmäßig getroffen. Schon lange habe man deshalb mit sich gerungen. Den letzten Anstoß für die Auflösung des Vereins gab die Stadt mit dem Verkauf des Domizils an der Roonstraße.

Jetzt werden die letzten Kisten gepackt. Vieles wurde bereits an Kindergärten verschenkt. Die übrigen Maschinen werden noch verkauft. Am 31. August geht im Aktionshaus endgültig das Licht aus. So ganz verabschieden sich die letzten Mönninghoffer aber nicht: „Wir werden uns weiter treffen und die Leute aus der Holzwerkstatt wollen sich in ihrem Ehrenamt weiter einbringen“, kündigt Bernhard Netz an. Nur das Aktionshaus ist dann nach 29 Jahren Geschichte.

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