Facharzt

Ab April soll Wartezeit auf Psychotherapie kürzer werden

Auf einen Behandlungstermin bei einem Facharzt kann man

Foto: Maurizio Gambarini

Auf einen Behandlungstermin bei einem Facharzt kann man Foto: Maurizio Gambarini

Hattingen.   Patienten beklagen Wartezeiten. Die Kassenärztliche Vereinigung erweitert das Spektrum ihrer Termin-Servicestelle. Ärzte kritisieren das System.

Wochen-, manchmal monatelang warten Patienten auf einen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt. Das hatten WAZ-Leser beim Gesundheitstag im Gespräch am WAZ-Mobil bestätigt. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat vor einem Jahr eine Termin-Servicestelle eingerichtet, um das Problem zu beseitigen. Ab dem 1. April sollen dort auch Termine bei Psychotherapeuten vermittelt werden. Hattinger Ärzte sehen das System kritisch.

Dr. Willi Martmöller, Sprecher der Hattinger Hausärzte, sagt: „Wenn ein Patient wirklich dringend einen Facharzt benötigt, greife ich zum Telefon und rufe selbst den entsprechenden Kollegen an. Dann muss mein Patient in der Regel auch nicht lange warten.“ Trotzdem weiß Martmöller, dass es vor allem in der Orthopädie und Kardiologie zu längeren Wartezeiten kommen kann, weil dort der Behandlungsaufwand deutlich höher sei. Aber auch hier gelte: „Kein Patient hat mit akuten Herzschmerzen lange auf einen Termin warten müssen.“ Vielmehr komme es auf die Zusammenarbeit der Ärzte untereinander an.

Termin innerhalb von vier Wochen

Sollte es dann einmal doch nicht klappen, schnell einen Termin beim Facharzt zu bekommen, hilft die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Aufgabe dieser ist es, gesetzlich Krankenversicherten mit einer dringenden Überweisung zum Facharzt binnen vier Wochen einen Behandlungstermin zu organisieren. „In einem Jahr haben wir 11 000 Menschen Termine vermittelt“, sagt KVWL-Sprecher Jens Flintrop. Patienten haben aber keinen Anspruch auf einen Arztbesuch in ihrer Heimatstadt. Fahrten von bis zu 30 Kilometern müssen bei der Vermittlung in Kauf genommen werden. Genau darin sieht Willi Martmöller einen Nachteil. „Wenn ein Patient zum Facharzt muss, dann möchte er zum Arzt seines Vertrauens, zu jemandem, der seine Krankengeschichte vielleicht sogar schon kennt.“

Außerdem gilt: Kann die Servicestelle innerhalb von vier Wochen keinen Termin anbieten, kann sich der Patient im Krankenhaus behandeln lassen. „Dies war bislang nicht notwendig, weil wir immer freie Termine bei Fachärzten gefunden haben“ , so Flintrop.

KVWL erwartet sehr viele Anfragen

Ab dem 1. April übernimmt die Termin-Servicestelle auch die Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten. Flintrop: „Wir erwarten, dass wir sehr viele Anfragen bekommen werden.“ Bislang sei die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung mit sechs Mitarbeitern besetzt. „Ab April wird es dort zwei weitere Leute geben.“

Der Hattinger Diplom-Psychologe Heinrich Obberg steht der Vermittlung durch die Servicestelle kritisch gegenüber. „Ich kann die Koordination eigentlich selbst machen“, sagt er. Viel sinnvoller sei die durch die KVWL eingeführte Telefonsprechstunde und die Tatsache, dass Patienten zunächst antragsfrei bis zu zwölf Stunden akut behandelt werden könnten. Ob das neue System funktioniere, müsse sich erst noch zeigen.

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