Kinderschutz

Zuwanderung stellt Stadt Hagen vor neue Problemlagen

Die Präventionsangebote zum Kinderschutz zeigen in Hagen Wirkung.

Die Präventionsangebote zum Kinderschutz zeigen in Hagen Wirkung.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Die vielen Angebote im Bereich Kinderschutz zeigen in Hagen Wirkung. Die Zuwanderung sorgt aber für neue Problemlagen.

Die Angebote sind zahlreich. Auch wenn es sich dem Hagener auch auf den ersten Blick nicht immer sofort erschließt, was sich hinter Familienhebammen, Familienbegleitung oder Familienpaten verbirgt und wo genau die Unterschiede liegen. Angesiedelt sind all diese Projekte unter dem Dach „Frühe Hilfen in Hagen“. Sie sollen präventiv wirken und verhindern, dass das Wohl eines Kindes gefährdet wird.

„Die ersten drei Jahre sind die wichtigsten“, sagt Sozialdezernentin Margarita Kaufmann, „hier können wir verhindern, dass Kinder oder ihre Familien in prekäre Lebenssituationen geraten.“

Eine Million Euro fließen aus Stadtkasse

Seit 2012 hat sich dieser präventive Gedanke in Hagen immer fester etabliert. Für die letzten drei Jahre, in denen neben Fördermitteln auch eine Million Euro an städtischen Geldern in diesen Bereich geflossen sind, hat der Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Hagen jetzt einen entsprechenden Bericht unter dem Titel „Kinderschutz – Frühe Hilfen in Hagen“ vorgelegt. Tenor: Die Maßnahmen zeigen Wirkung. „Jeder Euro, den wir hier investieren, wirkt langfristig“, sagt Sozialdezernentin Margarita Kaufmann. Das hat auch eine Auswertung des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) ergeben. Aber: Auch die Ansprüche und Zielgruppen haben sich gewandelt.

„Durch die Zuwanderung in den letzten Jahren haben sich neue Herausforderungen ergeben“, formuliert es Margarita Kaufmann, Sozialdezernentin der Stadt Hagen. Allein die steigenden Geburtenzahlen sorgen für mehr Arbeit. „Wir brauchen Menschen, die sich kümmern und engagieren. Und wir brauchen Mensch, die über Sprache einen Zugang finden.“

Angebote zur Prävention sind etabliert

Immerhin: Viele Angebote, die als Projekt gestartet sind, haben sich etabliert. Von sogenannten Regelangeboten spricht Fachbereichsleiter Reinhard Goldbach. Und: „Unser Netzwerk geht mittlerweile auch die klassische Kinder- und Jugendhilfe hinaus. So ist zum Beispiel die Polizei mit im Boot.“

Was die Experten erschreckt: Die Mehrheit der Eltern, die frühe Hilfen in Anspruch genommen hat, hat als Grund dafür Überforderung angegeben. „Bei einer Überforderung ist immer die Gefahr gegeben, dass Eltern irgendwann aufgeben. Zumal sich der Erhebung nach die Überforderung sich auf ganz verschiedene Bereiche erstreckt“, sagt Bettina Thiede von der Koordinierungsstelle präventiver Kinderschutz, die es seit 2012 bei der Stadt Hagen gibt. „Wir versuchen in den verschiedenen Projekten die Probleme sukzessive anzugehen.“

Das sind die Angebote:

Kooperation von vier Schwangerschaftsberatungen und elf Familienzentren: Gruppenangebot zu den Themen Schwangerschaft und Kleinkinder. Erweiterung auf andere Familienzentren in Planung.

Willkommensbesuche durch Kinderschutzbund: Alle Eltern von Neugeborenen werden auf Wunsch besucht. Information steht dabei im Vordergrund. Mehr Ehrenamtliche werden gebraucht.

Familienhebammen und Familienkrankenpfleger: Betreuung von Müttern in prekären Lebenssituationen bis zum dritten Lebensjahr.

Familienbegleitung: Hilfe in allen Problembereichen. Auffällig: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die betreut werden, ist von 13 Prozent (2016) auf 79 Prozent (2018) gestiegen. Ab 2021 Entfall der Förderung.

Familienpaten: Sozialdienst Katholischer Frauen und Caritas haben Ehrenamtliche ausgebildet, die zwei Stunden Zeit an eine Familie verschenken. Probleme: Es fehlt an Ehrenamtlichen, Themen in Familien werden komplexer.

Kinderschutzprojekte durch freie Träger: 30 Projekte, um soziale Kompetenz zu stärken und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Anonyme Kinder- und Jugendberatung: Hilfen unter Tel. 0175/2222492 – 78 Fälle pro Jahr.

Fachberatung Kindeswohl für Berufsgeheimnisträger wie Lehrer oder Ärzte: Tel. 02331/2074500 – 271 Fälle in drei Jahren.

Präventionsangebot Kinderschutzambulanz: offene Sprechstunde. Empfehlung erfolgt oft über Ärzte oder Fachanwälte.

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