Doku über Juden

Terror-Anschlag verleiht Film in Hagen neue Brisanz

Dirk Szuszies, Regisseur des Films "Wir sind Juden aus Breslau", im Kulturzentrum Pelmke.

Dirk Szuszies, Regisseur des Films "Wir sind Juden aus Breslau", im Kulturzentrum Pelmke.

Foto: Michael Koch / WP Michael Koch

Wehringhausen.  Durch den rechtsextremen Terroranschlag von Halle gewann der Film „Wir sind Juden aus Breslau“ im Hagener Kulturzentrum Pelmke neue Brisanz.

Der Termin war schon länger geplant. Mit dem Film „Wir sind Juden aus Breslau“ wollte die „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ und die Schülerarbeit im evangelischen Kirchenkreis helfen, dass die Judenverfolgung und der Antisemitismus nicht vergessen werden. Ein, so die Organisatoren, „eindringliches Zeichen gegen die stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömung“ wolle man mit der Aufführung setzen.

Dass das Thema durch den rechtsextremen Terroranschlag von Halle eine traurige, neue Brisanz bekommen hat, konnte bei der Planung keiner wissen. So aber konnte Filmemacher Dirk Szuszies noch eindrücklicher im Kulturzentrum Pelmke berichten, was ihn angetrieben hat, diesen Film gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Karin Kaper zu drehen und mit ihm auf eine anstrengende Tournee zu gehen, um ihre Botschaft zu verbreiten.

In dem Film geht es um Menschen jüdischen Glaubens, die als Jugendliche in Breslau lebten und dort den Terror der Nazis und die Verfolgung erleiden mussten. Sie alle haben wie durch ein Wunder überlebt und konnten so Jugendlichen von ihrem Leiden und von ihrer Lebensgeschichte erzählen. Vor allem auch über ihren Weg nach dem Krieg und die Entstehung Israels.

Gemischtes Publikum

Darunter die bekannte Musikerin Anita Lasker-Wallfisch und der weltbekannte, jüngst verstorbene Historiker Fritz Stern.

Voll besetzt war das Kino Babylon bei der Aufführung am Abend, das Publikum gemischt: ältere Leute, aber auch viele jüngere kamen, auch um mit dem Regisseur zu diskutieren. Und am nächsten Tag gab es zwei Schulvorführungen, organisiert von der Schülerarbeit des evangelischen Kirchenkreises. „Die sind mir auch die wichtigsten, diese Schulvorführungen für junge Menschen“, sagte Dirk Szuszies.

Wenn er nach der Vorführung in betretene Gesichter schaue, dann sage er den Jugendlichen immer: „Ihr habt keine Schuld, auch ich – Jahrgang 1956 – habe keine Schuld. Aber wir haben die Verantwortung, dass so etwas nie vergessen wird und nie wieder passiert.“

Schon 35.000 Zuschauer

Insgesamt 35.000 Kinobesucher haben er und seine Lebensgefährtin bislang mit dem aufwändigen Kino-Dokumentarfilm erreicht. Bewusst haben sie ihn nicht an große Verleiher gegeben, sondern touren durch die Republik, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dirk Szuszies berichtete eindrücklich von seinen Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt, dem Bundesland, zu dem auch Halle gehört. Auf Einladung der dortigen Landeszentrale für politische Bildung war er viel unterwegs. Angesichts der Stimmung, die er dort erlebt habe, habe es ihn zwar erschüttert, aber letztlich auch nicht überrascht, dass es zu einer solchen Terror-Tat gekommen sei.

Am 10. November wird der Film „Wir sind Juden aus Breslau“ noch einmal im Kino Babylon gezeigt.

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