Kunst

Künstlerin legt Anker für Demenzkranke

Künstlerin Bettina Renske aus Breckerfeld hat sich vor eineinhalb Jahren selbstständig gemacht.

Künstlerin Bettina Renske aus Breckerfeld hat sich vor eineinhalb Jahren selbstständig gemacht.

Foto: Jens Stubbe

Breckerfeld.  Eine Künstlerin aus Breckerfeld, hat Wände auf Demenzstationen gestaltet. Die Bilder erinnern Bewohner an Dinge, die sie erlebt haben.

Diese Bilder wecken Erinnerungen. Genau dazu sind sie da. Wie das, was die Karussells auf der Gevelsberger Kirmes zeigt. Oder jenes mit dem Kneipenschild, wo die Menschen, die heute in dem Seniorenheim leben, einst einkehrten.

Die Bilder, die Bettina Renske gemalt hat, sind wie Anker, die ihre Betrachter immer wieder in eine Wirklichkeit zurückholen, die in der Regel schon einige Jahre zurückliegt. Die Künstlerin aus Breckerfeld gestaltet gerade Wände auf Demenzstationen.

Künstlerin schafft künstliche Barrieren für Demenzkranke

„Die erste Wand, die ich auf diese Art bemalt habe, befindet sich in der Pflegeeinrichtung Dorf am Hagebölling in Gevelsberg“, sagt Bettina Renske, „ich habe eine Fototapete ergänzt und Türen in die Bilder integriert, die die Bewohner nicht öffnen sollen. Sie wirken als künstliche Barrieren – im wahrsten Sinne des Wortes.“ Mehrere weitere Projekte – unter anderem im Hövelhof – sind mittlerweile in Arbeit oder vollendet. Dahinter steckt ein Konzept, das Dinge oder Erlebnisse in den Fokus rückt, auf die Menschen zurückgreifen können, die im hier und jetzt nicht mehr so zurechtkommen.

Bewohner gucken bei der Arbeit zu

Weitere Arbeiten stehen aus – in einem Seniorenheim in Hövelhof und in Krefeld. „Das ist eine interessante, eine ganz andere Arbeit“, sagt Bettina Renske. „Die Bewohner der Stationen merken ja, dass sich etwas tut, das über einen normalen Anstrich hinaus geht“, sagt Bettina Renske, „viele setzen sich zu mir, gucken mir bei meiner Arbeit zu. Das Malen wirkt beruhigend auf sie. Es ist schön, schon im Entstehungsprozess etwas bewirken zu können.“ Dabei ist Bettina Renske eine Künstlerin auf dem zweiten Bildungsweg. Nach einer Ausbildung zur Friseurin hat die Frau, die heute in Altenbreckerfeld wohnt, lange Jahre bei Dorma gearbeitet.

Vor eineinhalb Jahren dann hat sich die 49-Jährige dann als Künstlerin selbstständig gemacht. „Das war irgendwie ein Traum, den ich schon seit Schulzeiten hatte und der all die Jahre über in mir geschlummert hat“, sagt sie, „ich habe lange Jahre überhaupt nicht mehr gemalt. Und als meine Tochter dann mal ein Bild aus der Schule mit nach Hause gebracht hat, hat es mich wieder gepackt. Wenn ich mir diesen Traum jetzt nicht erfülle, dann wird es nie etwas – habe ich mir gedacht.“

Fassade an der Deller Straße gestaltet

Also legt sie selbst wieder los. Spezialisiert sich auf Tierporträts, malt viel mit Pastellkreide und beginnt, auch ungewöhnliche Objekte zu gestalten. Gartentore sind darunter. Und immer wieder auch Außenfassaden. Das jüngste Projekt ist gerade erst sichtbar. Es befindet sich an der Giebelwand eines Hauses an der Deller Straße.

Darauf zu sehen ist eine Comicfigur: Meister Röhrich aus der Werner-Serie, der es sich gerade auf dem Klo bequem gemacht hat.

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