Interview

Hohenlimburg: Neue Elseyer Pfarrerin im Gespräch

Vor 14 Jahren übernahm Christine Schönwälder als erste Pfarrerin die reformierte Gemeinde in Berchum. Nun wechselt sie zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Elsey - auch hier ist Sie die erste Frau, die als Pfarrerin in der Gemeinde arbeitet.

Vor 14 Jahren übernahm Christine Schönwälder als erste Pfarrerin die reformierte Gemeinde in Berchum. Nun wechselt sie zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Elsey - auch hier ist Sie die erste Frau, die als Pfarrerin in der Gemeinde arbeitet.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Christine Schönwälder verlässt nach 14 Jahren die Gemeinde in Berchum. Warum sie wechselt und wie sich Gemeinden künftig verändern

Nach 14 Jahren verlässt Pfarrerin Christine Schönwälder die reformierte Kirchengemeinde in Berchum und wechselt nach Elsey. Dort wird die 54-Jährige ab August den zweiten Pfarrbezirk an der Kreuzkapelle leiten – und ist damit die erste gewählte Pfarrerin in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Elsey.

Hier schließt sich ein Kreis: Denn auch in der reformierten Kirchengemeinde in Berchum war sie vor 14 Jahren die erste Pfarrerin, die in der Gemeinde wirkte.

Sie haben vergangene Woche Ihren Verabschiedungsgottesdienst in Berchum gefeiert. Was überwiegt:

Wehmut oder Vorfreude auf die neue Stelle?

Christine Schönwälder: Ich gehe glücklich. Ich habe hier 14 gute Jahre gehabt – mit allen Facetten, die es gibt. Und ich gehe glücklich, weil ich mich auf die Zusammenarbeit mit Pfarrer Bevers freue. Wir machen schon seit Jahren gemeinsam Jugendarbeit und fahren in dem Zusammenhang im August wieder auf Segelfreizeit.

Wie kam es, dass Sie nach 14 Jahren in Berchum jetzt diese neue Herausforderung suchen?

Ich bin jetzt 54 Jahre alt, habe 14 Jahre in der Gemeinde in Berchum verbracht und man schaut, wie geht es in Zukunft weiter – auch mit Blick auf die strukturellen Veränderungen. Persönlich ist es für mich eine neue Herausforderung, die ich nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ angehen will. Aber dieser Entschluss hat sich langsam entwickelt. Es hat sich so ergeben.

Im Frühjahr hatte Pfarrer Achim Dreessen die Gemeinde in Elsey verlassen...

Genau, nach seinem Weggang gab es viele Gespräche und es hat sich für mich dorthin entwickelt. Die Gemeinde in Elsey ist eine neue Herausforderung. Dort kann ich in drei Bezirken arbeiten und darauf freue ich mich.

Ein Entschluss, der in der Berchumer Gemeinde anfangs bestimmt für viel Verunsicherung gesorgt hat. Wie haben Sie den Wechsel vermittelt?

Wir haben sehr früh informiert. Ich habe den Entschluss schon am Ostersonntag bekanntgegeben. Da war bereits klar, dass ich die Gemeinde zum 1. August verlasse, sofern es keine juristischen Fehler und Einsprüche gibt. Zudem gab es eine Gemeindeversammlung und Gespräche mit dem Presbyterium. Wir haben uns gemeinsam mit der Vertretungsgruppe im Kirchenkreis Iserlohn zusammengesetzt und geguckt, was die Gemeinde künftig für die Grundversorgung braucht. Und das hat geklappt: So ist nach meinem Stand der Gottesdienstplan bis Ende 2019 gesichert und es gibt Pfarrerinnen und Pfarrer aus der Region, die die Beerdigungen, Taufen und Trauungen in Berchum übernehmen.

Zusammenarbeit – ist das der Weg, der die Gemeinden in die Zukunft führt?

Ja, ich denke schon. Zusammenarbeiten, kooperieren, miteinander reden und gemeinsam überlegen, wie alle Gemeinden und Pfarrbezirke eine Grundversorgung an Gottesdiensten und Fürsorge erhalten und dabei zugleich ihr eigenes Profil, ihre ,Highlights’, behalten dürfen. Mir liegt die Region am Herzen. Deswegen werde ich auch weiter als Vorsitzende in der Regionalversammlung aktiv bleiben, im Austausch mit Berchum, Elsey und der reformierten Gemeinde in Hohenlimburg. Und ich bin sicher: Wir werden weiter gut zusammenarbeiten.

Wieviel Offenheit erleben Sie in den Gemeinden für diesen Blick über den eigenen Kirchturm hinaus­?

Die Berchumer brauchen natürlich ihre Kirche im Dorf, sie brauchen eine gewisse Verlässlichkeit und Ansprechpartner. Die Gemeindemitglieder sehen aber auch, dass sich die Zeiten ändern. Und dass man gucken muss, was möglich ist. Bei Abschieden und Veränderungen gibt es immer eine gewisse Traurigkeit, das gehört dazu. Ich persönlich erlebe aber auch viel Offenheit von der Gemeinde, dem Presbyterium und den Ehrenamtlichen hier. Es gibt in Berchum unglaublich viel ehrenamtliches Engagement.

Nun ist die Fahrt von Elsey nach Berchum keine „Weltreise“. Wie bleiben Sie der Gemeinde in Berchum erhalten?

Also der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt am Lichtenböcken bleibt erhalten, das ist sowas wie „mein Baby“. Da feiern wir regional zusammen mit den Gemeinden in Garenfeld, Westhofen und Hohenlimburg – das ist klasse. Zudem fahren Berchumer auch zum Schloss-Gottesdienst und wirken beim ökumenischen Jugendkreuzweg mit. Da trifft man sich, ebenso wie etwa in der Regionalversammlung oder durch Urlaubsvertretungen. Es ist aber auch wichtig zu sagen, dass ich ab August in erster Linie für die Gemeinde in Elsey da bin.

Wollen Sie in Elsey neue Projekte anstoßen, ihren eigenen „Fußabdruck hinterlassen“?

Am 11. August werde ich eingeführt und gehe zunächst in Ruhe die Grundversorgung an. Ich bin nicht der Typ, der mit der Tür ins Haus fällt und das Rad neu erfinden will. Viel wichtiger sind mir Ideen und Impulse, die sich zusammen mit den Menschen vor Ort entwickeln. Dazu gehörten in den vergangenen Jahren in Berchum etwa der gemeinsame Gottesdienst an Himmelfahrt und die Fahrt der Frauenhilfe zur Fortbildung nach Soest. Man begibt sich zusammen auf den Weg und guckt gemeinsam, was es vor Ort braucht.

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