Marktlücke

Hanaa Ryari aus Hagen produziert Kosemetikprodukte „halal“

Halal-Kosmetikerin Hanaa Ryari aus Hagen.

Halal-Kosmetikerin Hanaa Ryari aus Hagen.

Hagen.   Gläubige Muslima entwickelt Gesichtscreme, die im Einklang mit ihren religiösen Werten steht. Und das ist erst der Anfang.

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Hanaa Ryari ist 31 Jahre alt, Doktorandin am „Sales & Marketing Department“ an der Ruhruniversität Bochum, Mutter einer kleinen Tochter und seit diesem Jahr auch Unternehmerin. Die gebürtige Hagenerin und gläubige Muslima hat eine Gesichtscreme entwickelt, die im Einklang mit ihren religiösen Werten steht, denn das Pflegeprodukt wird „halal“ hergestellt.

Das Wort „halal“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet auf Deutsch „erlaubt“ bzw. „zulässig“. Unter halal versteht man demnach alle Lebensweisen, Taten und Lebensmittel, welche nach islamischem Recht erlaubt sind.

„Mit zunehmendem Alter habe ich mich mit meiner Halal-Lebensweise intensiver beschäftigt und mich gefragt, wie ich mein modernes Alltagsleben mit meinen Werten vereinbaren kann“, so Ryari, deren Eltern aus Marokko stammen. „Dabei habe ich mich auch mit den Inhaltsstoffen meiner Kosmetika auseinandergesetzt und mir wurde schnell klar, dass viele nicht halal konform sind.“

Viele davon enthielten Ethanol (Alkohol) und/oder tierische Bestandteile, die mit der Halal-Lebensweise nicht vereinbar sind. Für Hanaa Ryari ein Zustand, den es zu ändern gilt. „Ich habe für mich entschieden, dass ich gerne langfristig komplett halal leben möchte. Ich finde die Lebensweise schön, auch weil es mich dazu bringt, ein bisschen bewusster zu konsumieren, deswegen lege ich sehr viel Wert darauf.“

Komplette Rezeptur neu entwickelt

Aus dem Wunsch nach einer stringenten Lebensweise sowie einer Marktlücke im Beauty-Bereich ist bei ihr der Entschluss gereift, selbst eine Marke zu entwickeln, die Halal-Pflege und Kosmetik anbietet. Dafür hat Ryari gleich mehrere neue Wege eingeschlagen. Zum einen stellt ihr bisher gefertigtes Produkt, eine Hautcreme, eine Neuerung dar. „Mir war es wichtig eine komplett neue Rezeptur zu entwickeln“, sagt Ryari, die die Entwicklung der Creme von Anfang bis Ende mitbegleitet hat.

Von Imamen überprüft

Zum anderen musste der gesuchte Hersteller ganz bestimmte Voraussetzungen im Produktionsprozess erfüllen, um die Halal-Standards zu wahren. Ein externes unabhängiges Zertifizierungsunternehmen, bestehend unter anderem aus Imamen (Gelehrte des Islams), überprüften vor Ort, ob vom Rohstoff bis zum Endprodukt alle Pflegeprodukte halal sind – und stellten nach erfolgreicher Kontrolle ein international anerkanntes Zertifikat aus.

Seit August dieses Jahres geht Ryaris Produkt über die virtuelle Ladentheke – gemeinsam mit fünf Partnern betreibt sie einen Online-Shop. Pläne, das Angebot zu erweitern hat Ryari bereits auch schon: „Wir möchten weitere Halal-Pflegeprodukte entwickeln. Ich denke da an dekorative Kosmetik, wie Lippenstift und Mascara“, sagt Ryari, denn die Nachfrage nach Halal-Produkten sei vorhanden, auch im Ausland, wie etwa England, Frankreich oder Holland.

Ein echtes Leidenschaftsprojekt

Eine „sehr spannende Zeit mit sehr viel Arbeit“, die Hanna Ryari derzeit durchlebt, die mit der Kosmetik, der Promotion an der Universität und ihrer kleinen Tochter gleich drei Jobs auf einmal hat, was jedoch kein Problem für die Powerfrau darstellt: „Für mich ist es ein Leidenschaftsprojekt, das mir unglaublich viel Spaß macht“, sagt Ryari, die auch über so manche islamophobe Kommentare im Netz hinwegsehen kann. „Ich habe auch schon böse Reaktionen erfahren, bei denen ich erstmal schlucken muss. Ich glaube, damit muss man umgehen lernen in der heutigen Zeit, das ist dann so“, sagt sie. „Meinungsverschiedenheiten sind super, so lange man nicht den anderen verletzt, ist das in Ordnung, dann dürfen auch zwei Meinungen nebeneinander existieren.“

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