Abwasser

Hagener Hausbesitzer darf Wasser nicht mehr in Kanal führen

Das Drainage-Wasser, das durch diese Rohre fließt, gehört eigentlich ins Grundwasser und nicht ins öffentliche Abwassernetz.

Das Drainage-Wasser, das durch diese Rohre fließt, gehört eigentlich ins Grundwasser und nicht ins öffentliche Abwassernetz.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   35 Jahre führte ein Hagener Hausbesitzer das Wasser auf seinem Grundstück ins öffentliche Kanalnetz ab. Damit muss jetzt Schluss sein.

Als Rüdiger Althaus (75) vor 28 Jahren sein Haus in der Bülowstraße 35 kaufte, war das Gemäuer feucht, der Keller muffig. Also dichtete er die Hauswand mit Schwarzputz ab und ließ eine Drainage anlegen, die das Regenwasser auffing und in die Kanalisation leitete. Fortan drang kein Wasser mehr in die Wände ein, der Steuerberater konnte sich im Erdgeschoss ganz auf seine Arbeit konzentrieren und die obere Etage mit seiner Frau bewohnen. „Ich habe das Haus vor allem wegen seiner Lage gekauft und weil ich hier zugleich wohnen und arbeiten kann“, sagt er.

Doch nach Jahrzehnten emsigen Wirkens ist es mit der Ruhe vorbei. Der städtische Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) hat Althaus ultimativ aufgefordert, die Drainageleitung abzuklemmen. Der Grund: Drainagewasser sei kein Abwasser und dürfe daher nicht in die öffentliche Kanalisation eingespeist werden. „Die rechtliche Situation ist eindeutig, es liegt ein Verstoß gegen die Entwässerungssatzung vor“, verdeutlicht Uwe Sommer, Leiter des Fachbereichs für Grundstücksentwässerung beim WBH.

Das Abwasserrecht ist kompliziert. Obwohl die Bülowstraße in einem Mischwassergebiet liegt, in dem Schmutz- und Regenwasser in einen gemeinsamen Abwasserkanal fließen, darf Drainagewasser dort nicht eingeleitet werden. „Weil jeder Tropfen reinen Wassers, und dazu zähle ich Drainagewasser, das Abwasser verdünnt, was wiederum die Reinigungsleistung der Kläranlage verschlechtert“, erläutert Sommer. Außerdem widerspreche es Sinn und Zweck der öffentlichen Kanalisation, den Grundwasserspiegel künstlich abzusenken und sauberes Wasser in eine Kläranlage zu leiten, wo es aufwändig durch die verschiedenen Reinigungsstufen geführt werde. Letztlich verteuere Drainagewasser die Dimensionierung der öffentlichen Abwasseranlage. Der deutsche Städte- und Gemeindebund rate den Kommunen in NRW dringend dazu, kein Drainagewasser in die öffentliche Kanalisation einzuleiten.

Konfrontiert mit derlei Regelwerk, fragte Althaus nach, ob denn nicht eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden könne. Schließlich habe fast 30 Jahre lang kein Hahn nach seiner Drainage gekräht: „Und ohne die Drainage wird mein Haus doch sofort wieder feucht. Ich müsste für zigtausend Euro eine aufwändige Sickergrube bauen. Wir leben doch nicht im tropischen Regenwald, wo alles unter Wasser steht“, kritisiert er die seiner Meinung nach überbordenden Vorschriften.

WBH: Kein Härtefall

Doch beim WBH will man nicht mit sich verhandeln lassen. Beim Ehepaar Althaus liege kein Härtefall vor, und nach Aussage des Städte- und Gemeindebundes diene eine Ausnahmeregelung nicht dazu, mangelhaft gebaute Keller von drückendem Drainagewasser frei zu halten. Rechtlich sei man auf der sicheren Seite, so Sommer: „Eine Ausnahmegenehmigung kann und darf es nicht geben. Das betrifft nicht nur diesen Fall. Wir müssen alle Bürger gleich behandeln.“ Im Übrigen hätte der WBH nie von der Drainage erfahren, wenn Althaus sie nicht in einem Gespräch versehentlich erwähnt hätte. Darauf habe man reagieren müssen.

Bis zum 3. Mai hat der WBH Althaus eine Frist gesetzt, um die Drainageleitung „nachweislich“ abzuklemmen. Ist er nicht einverstanden, kann er vor dem Verwaltungsgericht in Arnsberg Klage gegen den Bescheid erheben. Das deutet er denn auch an: „In meinem Job muss man kämpfen können, selbst wenn der Ausgang ungewiss ist.“

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