Im Namen des Herrn

Hagen: „Zu Hause“ – ein Wort mit vielen Bedeutungen

Jacek Kantor, Pastor im Pastoralen Raum Am Hagener Kreuz.

Jacek Kantor, Pastor im Pastoralen Raum Am Hagener Kreuz.

Foto: PR Am Hagener Kreuz

Zu Hause ist es doch am schönsten – findet Pastor Jacek Kantor aus Hagen in seinem „Im Namen des Herrn“.

Zu Hause ist es doch am schönsten!“ – So sagen wir oft, wenn wir arbeits-, krankheits- oder urlaubsbedingt längere Zeit nicht im eigenen Hause sein konnten.

Und grundsätzlich stimmt diese Äußerung, denn jeder/jede von uns braucht eine gewisse Beheimatung, einen Ort, an dem man sich sicher und geborgen fühlen kann. Diese Aussage hat aber dieses Jahr für viele noch eine andere Perspektive durch die Corona-Pandemie bekommen. Würden Sie das nach vier bis sechs Wochen der intensiven Zeit des social-distancing und der Isolation immer noch so sagen? Bei Homeoffice und drei kleinen Kindern?

Fragen nicht einfach zu beantworten

Bei den vielen Absprachen, die sein müssen, damit das Miteinander gelingt? Und: Was ist das eigentlich – das Zuhause? Die eigenen vier Wände – der Ort, wo ich mein müdes Haupt hinlege? Meine Familie? Meine Geschwister? Kinder und Enkel? Vielleicht ein wunderbarer Urlaubsort, den ich seit Jahren aufsuche und dort viele Freunde habe? Ist es das Gefühl von Annahme und Geborgenheit? Oder ist es eine geistliche Beheimatung – eine Gemeinschaft, mit der ich vielleicht im Gebet „unterwegs“ und dennoch zu Hause bin?

Sie merken schon, diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Zu Hause ist ein mehrdeutiges Wort. Es umfasst die Umgebung, die Nachbarschaft, die konkreten Menschen, bei ganz vielen löst dieses Wort schon ein Gefühl der Ruhe aus. Zu Hause kann man auch im ganz persönlichen und individuellen Sinne verstehen. Und in dieser Hinsicht kann ich mich einmal selbst „besuchen“ – d. h. über mein Leben nachdenken, mich mit mir selbst beschäftigen. Und hoffentlich bin ich dann meistens zu Hause, d. h. kriege ich ein klares Bild von mir selbst. Vielleicht machen wir aber eine andere Erfahrung: Sobald wir uns wirklich selbst ausgesetzt sind, halten wir es nicht mehr mit uns selber aus, weil dann alles aus unserem Inneren nach oben steigt, wer und wie wir wirklich sind.

Viele Wohnungen im Haus der Vaters

„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“, sagt uns Jesus im Evangelium, „und die bereite ich für euch vor!“ Wir dürfen also im Glauben hoffen, selbst dann, wenn es hin und wieder im eigenen Zuhause – wo es ja eigentlich am schönsten sein soll – doch wieder mal nicht auszuhalten ist (das kommt ja immer wieder vor), eine Wohnung beziehen werden, die unser wirkliches Zuhause für immer sein wird.

Im Hinblick auf die Frohbotschaft füge ich gerne hinzu: „Zu Hause bei und mit Jesus Christus ist es doch am schönsten!“ Apostel Paulus drückt das noch intimer und deutlicher aus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Er schenkt mir die Zuversicht, dass ich erwartet und willkommen bin – und zwar mit all den vielen „Wohnungen“, „Bleiben“, „Appartements“, „Zimmern“ und Orten, die ich jemals mit vielen Menschen geteilt habe. Die ich nicht mehr renovieren muss – aus der ich nicht mehr ausziehe. Bis es aber so weit ist, bleibt Jesus für mich mit auf meinem Weg – in seiner Wahrheit – mit seinem Leben (nach Joh 14,1-6).

Jacek Kantor, Pastor im Pastoralen Raum Am Hagener Kreuz

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben