Freeway Riders

Hagen: Polizei muss nach Razzia Waffen an Rocker zurückgeben

Mit einem Großaufgebot war die Polizei am 31. Oktober in Hagen im Einsatz.

Mit einem Großaufgebot war die Polizei am 31. Oktober in Hagen im Einsatz.

Foto: Alex Talash

Hagen.  Bei der Razzia der Polizei gegen die Rocker der Freeway Riders in Hagen waren auch Waffen beschlagnahmt worden. Jetzt gibt es Ergebnisse.

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Die Polizei Hagen wird alle Waffen und sonstigen Gegenstände an die Rocker-Gruppe Freeway Riders zurückgeben, die bei der Razzia am 31. Oktober beschlagnahmt worden waren. Rund 150 Beamte hatten in dem Clubhaus der Rocker in Kückelhausen und im Umfeld massive Kontrollen bei der Halloween-Party durchgeführt.

„Die Untersuchung der beschlagnahmten Gegenstände hat ergeben, dass hier keine strafrechtlich relevanten Sachverhalte vorliegen“, bestätigt Polizeisprecher Ralf Bode auf Anfrage der WESTFALENPOST. Mehrere Lang- und Kurzwaffen sowie Elektroschockpistolen seien gefunden worden, hatte die Polizei nach den Kontrollen am 31. Oktober erklärt. Und via Internet-Kurznachrichtendienst Twitter auch ein Bild veröffentlicht, das zunächst sehr martialisch wirkte, weil mehrere Waffen zu sehen waren.

Teil der Waffen schon einmal im Dezember 2018 beschlagnahmt

Doch die Rocker-Gruppierung selbst hatte schon kurz nach der Razzia betont, dass es sich bei den beschlagnahmten Gegenständen keineswegs um scharfe Waffen gehandelt habe. Freeway-Riders-Sprecher Frank Fröhlich hatte der WP gesagt, dass unter den beschlagnahmten Gegenständen auch solche Waffen gewesen seien, die die Polizei schon bei der Razzia am Nikolaustag im Dezember 2018 - damals war das Gelände unter anderem mit einem Räumpanzer gestürmt worden – erst beschlagnahmt und dann für legal erklärt habe.

Das räumte jetzt auch Polizeisprecher Ralf Bode ein: „Ein Teil der bei der Halloween-Party beschlagnahmten Waffen gehört zu den Gegenständen, die schon im Dezember beschlagnahmt worden waren.“ Allerdings: Eine der Deko-Waffen dürften auch nur im privaten Raum verwendet werden, nicht aber in der Öffentlichkeit. Über die sichergestellten Gegenstände hinaus hätten sich aus der Kontrolle von rund 80 Personen an dem Abend auch keine weiterem Strafverfahren ergeben.

Polizei wertet Aktion dennoch als erfolgreich

Bei der Razzia war auch die Stadt mit Ordnungsamt, Feuerwehr und Gesundheitsamt vor Ort, um mögliche Brandschutzmängel oder Hygieneverstöße bei der Halloween-Feier zu ahnden. Außer der fehlenden Genehmigung für den Ausschank von Alkohol bei der Feier und dem fehlenden Gewerbeschein für zwei fliegende Händler, die ihre Waren und Dienstleistungen bei der Party angeboten hatten, seien keine weitere Verstöße festgestellt worden, so Stadtsprecher Michael Kaub.

Dennoch wertet die Polizei die Groß-Kontrollen weiter positiv. „Das war keinesfalls ein Misserfolg“, so Polizeisprecher Ralf Bode. „Die Aktion war erfolgreich, weil wir unser Ziele erreicht haben, weitere Erkenntnisse aus der Rockerszene zu erlangen.“

Polizeidirektor Hubert Luhmann, der seit dem Sommer Chef der uniformierten Polizisten in Hagen ist, hatte den Einsatz selbst geleitet und danach angekündigt, dass man den Druck auf das Rocker-Milieu weiter aufrecht erhalten werde: „Dies war nur eine erste Maßnahme, die wir weiter fortsetzen werden.“ Schon bei seiner Vorstellung im August hatte Luhmann angekündigt: „Wir werden die Daumenschrauben anlegen.“ Man werde gegen kriminelle Protagonisten in der Stadt kompromisslos vorgehen.

Freeway Riders werfen Behörden Populismus vor

Die Freeway Riders werten das Vorgehen dagegen völlig anders: „Schon dass die Waffen, die man zuvor schon mal als unbedenklich eingestuft hatte, auf der Facebook-Seite der Polizei gezeigt wurden, zeigt doch, dass es nur um Populismus geht“, so Frank Fröhlich, der Sprecher der Rocker. „Man möchte den Club öffentlich schlecht machen und isolieren.“ Letztlich bleibe ein Großeinsatz wegen einer Ordnungswidrigkeit. „Und da kann sich jeder seine Meinung machen, ob dies angemessen erscheint.“

Ob die Freeway Riders gegen die Razzia rechtlich vorgehen werden, sei noch nicht entschieden. „Das lassen wir derzeit von einem Anwalt prüfen“, so Fröhlich. Die Party werden auf jeden Fall nachgeholt. „Aber nicht mehr in diesem Jahr. Wir wollen sicher sein, alle nötigen Genehmigungen zu haben, um den Behörden keine Angriffspunkte zu geben.“

Diese Woche wohl Urteil im zweiten Rockerkrieg-Prozess

In dieser Woche wird der Rocker-Krieg zwischen den in Hagen seit gut 45 Jahren beheimateten Freeway Riders und den Bandidos, die hier Fuß fassen wollen, voraussichtlich für weitere Schlagzeilen sorgen. Für Donnerstag wird nach jetzigem Stand das Urteil im Prozess gegen ein Freeway-Riders-Mitglied wegen versuchten Totschlags oder versuchten Mordes erwartet. Der 58-Jährige soll im Oktober 2018 einen Bandido auf offener Straße niedergeschossen haben.

Der Angeklagte bestreitet dies, schiebt stattdessen einem anderen Freeway Rider die Verantwortung zu, der wiederum als „Kronzeuge“ mit seiner Aussage erst die Anklage gegen den 58-Jährigen ermöglicht hatte, indem er ihn der Schüsse auf den Bandidos bezichtigte. Nachdem das Gericht zwischenzeitlich den Hinweis gegeben hatte, dass eine Verurteilung wegen Mordversuchs als Mittäter auch dann in Frage kommen, wenn der 58-Jährige nicht selbst geschossen, wohl aber das Auto gefahren habe, wird als Indiz gewertete, dass eine Verurteilung eher wahrscheinlich ist.

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