Prozess

Hagen: 23-Jähriger soll Ex-Freundin vergewaltigt haben

Vor dem Landgericht Hagen – hier ein Symbolbild – wird der Fall verhandelt.

Vor dem Landgericht Hagen – hier ein Symbolbild – wird der Fall verhandelt.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Eine junge Hagenerin (22) wird von ihrem Ex-Freund (23) gekidnappt und in einen Kleinlaster gezerrt. Auf der Ladefläche fällt er über sie her.

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Es ist geradezu ein Albtraum, den eine 22-jährige Hagenerin laut Anklageschrift durchlitten haben soll: Mitten in der Nacht wurde sie vor ihrem Wohnhaus gekidnappt, in einen Lieferwagen gezerrt, entführt und später auf der Ladefläche brutal vergewaltigt.

Nun sitzt der Mann (23), dem diese Grausamkeiten vorgeworfen werden, im Landgericht auf der Anklagebank. Bereits vor einer Woche sollte er vor Gericht erscheinen, hatte sich dann aber bei seinem Anwalt Ihsan Tanyolu (Dahl) kurz vor Prozessbeginn entschuldigt: er sei krank.

Mit Auflagen haftverschont

Dass der Angeklagte überhaupt auf freiem Fuß ist, grenzt bei der Schwere der Vorwürfe schon an ein Wunder. Die Richter haben ihn mit Auflagen haftverschont. Was die Krankheit betraf, wollten sie es aber genau wissen und forschten deshalb kurzerhand in der Arztpraxis nach.

Dort war zu erfahren, dass die Krankschreibung nur für zwei Tage gelte: Fieber, Durchfall, Magenprobleme lautete die erhellende Diagnose. Am Donnerstag, zum erneuten Prozessanlauf, musste der junge Mann aber antreten. Er erschien pünktlich – und verweigerte sogleich die Aussage.

Freiheitsberaubung, körperliche Misshandlung, Vergewaltigung mit Waffen und Trunkenheit im Verkehr, denn den Kleinlaster habe er erst zur Wohnung der jungen Frau im Bezirk Hagen-Mitte, dann weiter zum mutmaßlichen Tatort, den Autobahnparkplatz bei Dortmund-Westerfilde, auch noch betrunken gelenkt (1,26 Promille). So – zusammengefasst – die Vorwürfe von Staatsanwältin Beatriz Föhring.

Die junge Frau war übrigens seine Ex-Freundin, vor deren Hagener Wohnung er am 4. Februar letzten Jahres seinen Lieferwagen abgestellt hatte. Es war drei Uhr morgens. Was ihn nicht gehindert haben soll, gleich mehrfach zu hupen, um zum einen ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und zum anderen, um sie aufzuwecken. Lautstark aus dem Schlaf gerissen, torkelte sie barfuß und nur leicht bekleidet an die Wohnungstür, um ihn wegzuschicken. „Sie ging runter, weil sie Angst hatte, dass er hochkommt“, berichtete eine Freundin als Zeugin.

Die Anklage: Er hielt sie am Arm fest und forderte sie auf, ihn zu küssen. Als sie ihm das verwehrte, zog er sie gewaltsam in den Kleinlaster auf den Beifahrersitz und brauste los. Die Fahrt ging über die A45 nach Dortmund – bereits auf der Autobahn soll er sie restlos entkleidet und zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Es sei auch zu körperlichen Angriffen gekommen.

Mehrere Messer griffbereit

Auf dem Autobahnparkplatz Westerfilde habe er seine Ex-Freundin in den Laderaum des Lieferwagens gezerrt und vergewaltigt. Dabei hätte er mehrere Messer griffbereit mit sich geführt.

Die Kammer, Staatsanwältin und Verteidiger führten ein Rechtsgespräch. Richter Jörg Weber-Schmitz: „Wir könnten uns bei einem Geständnis eine Strafe im Bereich um vier Jahre vorstellen, ohne ein Geständnis aber auch fünf Jahre Gefängnis und darüber.“

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