Gerichtsurteil

Breckerfelder (25) betrügt mit Weltstar Justin Timberlake

Mit Diskotheken-Auftritten in Spanien von Weltstar Justin Timberlake hoffte ein Breckerfelder, das ganz große Geld machen zu können.

Mit Diskotheken-Auftritten in Spanien von Weltstar Justin Timberlake hoffte ein Breckerfelder, das ganz große Geld machen zu können.

Foto: Amy Harris / dpa

Breckerfeld.  Mit Diskotheken-Auftritten in Spanien von Weltstar Justin Timberlake hoffte ein Breckerfelder Betrüger, das ganz große Geld machen zu können.

Dieser Künstleragent und Konzertmanager (25) aus Breckerfeld scheint dem Größenwahn verfallen: Er mietete die große Dortmunder Westfalenhalle (64.300 Euro Tagespreis), ließ sich in einem Boulevard-Blatt als „jüngster Festival-Veranstalter Deutschlands“ feiern und kassierte 180.000 Euro für angebliche Diskotheken-Auftritte von Weltstar Justin Timberlake. Am Dienstag stand der Versicherungsvertreter (Monatseinkommen 1000 Euro netto) als Großbetrüger vor dem Schöffengericht Hagen.

Posing mit Box-Legende Tyson

„Er wurde verführt von seinen eigenen Träumen, den Künstlern und dieser Szene“, versuchte Verteidigerin Alexia Joannidis (49, Köln) die Machenschaften des Breckerfelder Möchtegern-Unternehmers kleinzureden. Der hatte im Frühjahr letzten Jahres auf der Internet-Plattform Instagram neben Box-Legende Mike Tyson (51) posiert und gegenüber der Zeitung mit den vier großen Buchstaben vollmundig erklärt, er werde die Szene aufmischen: „Ich habe Spaß am Organisieren von Partys. Nun haben wir rund 500.000 Euro in die Hand genommen.“

Mit diesem Geld wollte der Angeklagte das „Hello World Fest“ finanzieren, dass am 23. Juni in Dortmund über die Bühne gehen sollte. Angekündigt waren „die Größen der Hip-Hop-Welt“, darunter Capital Bra („kassierte vorab 12.700 Euro Fixgage“) und Olexesh („erhielt 19.000 Euro per Handschlag-Vertrag“). Gut 20 internationale Rapper sollten auftreten. In den U-Bahnhöfen von Dortmund, Essen, Köln und Oberhausen wurde Werbung geschaltet und 24 Hotelzimmer vorab gebucht. Auch die große Westfalenhalle war kostenaufwendig angemietet – doch gerade mal zwischen tausend und zweitausend Tickets wurden letztlich verkauft. Ein Flop. Das „Hello World Fest“ musste abgesagt werden.

Frisches Bargeld organisiert

Nahezu zeitgleich versuchte der erfolglose Breckerfelder Konzertmanager trickreich, frisches Bargeld heranzuschaffen. Über einen ausländischen Mittelsmann ließ er im April und Mai letzten Jahres spanische Diskothekenbetreiber ansprechen: Er könne ihnen einen Auftritt von Justin Timberlake vermitteln. Die arglosen Geschäftsleute unterschrieben die Verträge und zahlten. Der „Club Penelope“ in Benidorm überwies 80.000 Euro, der „Club Mosaic“ in Estepona 70.000 Euro und der „Club Opium“ in Barcelona blätterte 30.000 Euro als Anzahlung für ein Gastspiel des Weltstars hin. Nur Justin Timberlake wusste von nichts.

Das Geld ging bei der Commerzbank in Hagen ein. Dort hatte der Breckerfelder Konzertagentur-Unternehmer ein Konto für die „Artix International Booking UG“ eröffnet, eine von ihm gegründete haftungsbeschränkte Ein-Euro-Gesellschaft. Die Firma ist pleite. Am 11. Juli 2018 wurde beim Amtsgericht Hagen Insolvenz beantragt (Az. 109 IN 75/18). Zahlreiche geprellte „Hello World“-Ticketkäufer fordern nun ihr Eintrittsgeld zurück. Doch gegenüber dem Insolvenzrichter hatte der Angeklagte Anfang Mai diesen Jahres behauptet: Er sei vermögenslos, wohne bei seinen Eltern, lebe von Sozialleistungen.

Vor Gericht erklärte er: „Es war immer schon mein Traum, etwas Großes auf die Beine zu stellen.“

Einziehung von 180.000 Euro

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Dembowski verhängte gegen den Angeklagten wegen Betrugs in drei besonders schweren Fällen ein Jahr und zehn Monaten Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht ordnete zudem die Einziehung von 180.000 Euro an.

Der Vorsitzende schüttelte den Kopf: „Wieso die spanischen Diskotheken-Betreiber glauben konnten, dass Justin Timberlake vor den Besuchern mit Sangria-Eimern singen würde, ist mir unbegreiflich.“

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