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Zwischenfall beim Abbruch des Karstadt-Hauses in Gladbeck

Sekunden nach dem Zusammenbruch, nachdem sich die Staubwolke verzogen hatte. Nur durch Glück fiel die Parkhaus-Fassade nicht auf die Lambertistraße, die zu diesem Zeitpunkt nicht abgesperrt war.

Foto: Georg Meinert

Sekunden nach dem Zusammenbruch, nachdem sich die Staubwolke verzogen hatte. Nur durch Glück fiel die Parkhaus-Fassade nicht auf die Lambertistraße, die zu diesem Zeitpunkt nicht abgesperrt war. Foto: Georg Meinert

Gladbeck.   Die Parkhaus-Fassade brach teilweise zusammen. Die Lambertistraße war währenddessen nicht gesperrt, nur durch Glück wurde niemand geschädigt.

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Bei den Abbrucharbeiten des alten Karstadt-/Hertie-Hauses ist es am Freitagnachmittag zu einem Zwischenfall gekommen: Die Parkhausfassade zur Lambertistraße brach teilweise unkontrolliert zusammen, als der Abbruchbagger von hinten an dem Gebäude zerrte. Die Lambertistraße war nicht gesperrt - nur durch Glück wurde niemand geschädigt.

Es war ungefähr 14.30 Uhr, als sich die ersten Steine aus dem mittleren Fassadenteil lösten und unkontrolliert auf die Lambertistraße prasselten. Die obere Parkhausfront wackelte. Auf dem gegenüberliegenden Fußgängerweg der Lambertistraße gingen Passanten, auch ein Rollstuhlfahrer war dort unterwegs. Direkt unter der Fassade hatte ein Pkw gehalten, die Fahrerin wartete, bis die Passanten vorbei waren, um in die Hofeinfahrt zu fahren um zu wenden.

Abbruchfirma: Es waren unglückliche Umstände

Das Auto war gerade weg, einige Passanten aber noch gegenüber dem Parkhaus unterwegs, als es eine Knall gab, sich eine riesige Staubwolke entwickelte und der mittlere Teil des Parkhauses in sich zusammenbrach. Augenzeugenberichten zur Folge war es reines Glück, dass die Fassade nicht auf die Straße fiel und sich niemand zu diesem Zeitpunkt auf der Fahrbahn befand. Man fragt sich, warum die Lambertistraße zu diesem Zeitpunkt nicht gesperrt war. Ein Anwohnerin, die gegenüber wohnt, sagte, sie habe schon seit Tagen Angst, dass das Parkhaus nach vorn auf die Straße falle.

Karl-Heinz Gräf, Bauleiter der Abbruchfirma TG, sagte auf Anfrage der WAZ, dass der Einsturz der Fassade nicht beabsichtigt gewesen sei, daher auch nicht die Sperrung der Lambertistraße vorgesehen gewesen sei. „Es waren unglückliche Umstände“: Ein Stützpfeiler des alten Parkhauses sei eingeknickt und in der Folge das Parkhaus „wie ein Kartenhaus“ zusammengefallen. „Das sollte so nicht sein“, so Gräf.

Stadtverwaltung will Montag den Vorfall aufarbeiten

Nach dem unkontrollierten Einsturz sperrten Mitarbeiter der Abbruchfirma schnellstens die Straße mit Flatterband und säuberten die Fahrbahn. Weil Fassadenteile gefährlich über der Straße hingen, sollten die Abbrucharbeiten weiterlaufen, so Gräf, bis weite Teil niedergelegt waren. Bis zum Abend dauerten dann auch die Abbrucharbeiten an.

Vor dem Zwischenfall waren Mitarbeiter der Firma nicht auf der Lambertistraße, um auf mögliche gefährliche Situationen zu achten – wie in den Tagen zuvor auf der Friedrich-Ebert-Straße. Erst, als ein Passant auf die wackelnde Front aufmerksam machte, kam einer der Mitarbeiter auf die Straße und begann, sie zu fegen. Gräf sagte, man könne die Lambertistraße „nicht dauerhaft“ sperren, dafür gebe es keine Genehmigung der Stadt. Dies dürfe nur temporär geschehen.

Stadtchefsprecher Peter Breßer-Barnebeck kündigte an, die Stadt werde den Vorfall am Montag mit der Abbruchfirma aufarbeiten und über mögliche Konsequenzen nachdenken. Wenn es aus Sicht der Firma, so Breßer-Barnebeck, notwendig gewesen wäre, die Lambertistraße zu sperren, „hätten wir das sicher hingekriegt“. Im Abbruchkonzept sei der Fassadenabbruch am Freitag nicht vorgesehen gewesen.

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Stellungnahme der TG Umwelttechnik GmbH

Als ausführendes Abbruchunternehmen hat uns die WAZ nun dankenswerter Weise die Möglichkeit zum oben stehenden Bericht Stellung zu beziehen.

Es hatte nichts mit Glück zu tun, dass bei dem Abbruch des ehemaligen Karstadt-/Hertie-Hauses in Gladbeck nichts Schlimmes passiert ist. Innerstädtische Abbrucharbeiten sind zwar technisch komplex, für spezialisierte Fachfirmen wie das unsere allerdings gängige Routine. Natürlich wird bei diesen Arbeiten auch immer die nähere Umgebung der Abbruchzone durch verschiedenste Sicherungsmaßnahmen ausreichend geschützt. So auch bei den kontrollierten Abbrucharbeiten vom 12.05.2017 in Gladbeck.

Entgegen der Berichterstattung ist die Parkhausfassade nicht unkontrolliert zusammengebrochen. Nach genauer Ermittlung der Statik wurden die Unterzüge der Betonkonstruktion eingeschnitten und damit die oberen Etagen des Parkhauses gezielt zur Baustellenseite hin abgekippt. Durch diese vorgegebene Kipprichtung wurde verhindert, dass Abbruchteile auf die außerhalb des eingezäunten Baustellenbereichs liegende Straße abstürzen. Erst im Anschluss an diese Vorarbeit ist die gesamte Konstruktion dann kontrolliert zurückgebaut worden und nicht „wie ein Kartenhaus“ zusammengefallen. Eine anderslautende Aussage hat es dazu auch von Seiten unseres Unternehmens zu keiner Zeit gegeben.

Nun lässt sich naturgemäß nicht verhindern, dass sich bei diesem Abbruchprozedere auch Fassadenteile lösen und auf den darunter liegenden Straßenabschnitt hinter dem Bauzaun stürzen. Fassadenteile fallen aber stets parallel an der Hauswand herunter und neigen nicht dazu, „über die gesamte Straße zu fliegen“, wie es in dem Bericht heißt.

Nachdem sich die Staubwolke verzogen hatte, waren daher auch nur kleinere Steine unter dem mit Spritzschutz versehenen Bauzaun hindurch auf die Straße gerollt. Dies ist allerdings kein Hinweis auf einen unkontrollierten Einsturz des Parkhauses. Allen dennoch besorgten Lesern kann versichert werden, dass unsere mit Schaufel und Besen bereitstehenden Mitarbeiter umgehend für eine Beseitigung dieser Steine gesorgt und die Straßen gereinigt haben.

Als Folge der Berichterstattung hat sich auch die Stadt Gladbeck mit dem vermeintlichen Vorfall auseinandergesetzt. Die dazu geführten Gespräche endeten mit dem Ergebnis, dass die Ausführung der Abbrucharbeiten nicht zu beanstanden seien und zu keiner Zeit irgendeine Gefahr für Passanten oder andere Verkehrsteilnehmer bestanden hätte. Auch der mit dem Bauvorhaben betraute Architekt sowie der zuständige Statiker haben unsere Firma von jeglichem Verdacht eines unkontrollierten Einsturzes freigesprochen.

Was also von der eingangs genannten Berichterstattung bleibt, ist dass der Abbruch des alten Karstadt-/Hertie-hauses am 12.05.2017 wie geplant und unter Einhaltung der hierzu erforderlichen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurde. Eine Gefahr für Passanten oder Autos war auch ohne Flatterband zu jedem Zeitpunkt der Arbeiten dank unserer Mitarbeiter ausgeschlossen.

TG Umwelttechnik GmbH

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