Konzert

Zum Stummfilm „Faust“ erklang in Gladbeck die Orgel

Thorsten Maus,  Regionalkantor in der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen, improvisierte an der Orgel zum Film „Faust – eine deutsche Volkssage“ in der Gladbecker Propsteikirche St. Lamberti. Foto:Oliver Mengedoht

Thorsten Maus, Regionalkantor in der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen, improvisierte an der Orgel zum Film „Faust – eine deutsche Volkssage“ in der Gladbecker Propsteikirche St. Lamberti. Foto:Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Thorsten Maus improvisierte in der Lambertikirche Gladbeck zu Murnaus Filmklassiker „Faust“. Er bescherte den Gästen ein musikalisches Erlebnis.

106 Minuten voll mit einprägsamen Bildern und Musik führten durch ein emotionales Wellenbad. Einer der großen expressionistischen Stummfilmklassiker, Friedrich Wilhelm Murnaus „Faust – eine deutsche Volkssage“, wurde zu Beginn der Fastenzeit in der Lambertikirche gezeigt. Mit einer durchgehenden Improvisation an der Klaisorgel sorgte Thorsten Maus, Regionalkantor in der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen, für ein Erlebnis, bei dem die schauspielerische Leistung das Bühnenbild, die eingeblendeten Dialogfetzen und die von außen kommende Musik zu einem ästhetischen Gesamtkunstwerk geformt wurden, das das Publikum bannte.

Leinwand vor dem Altarraum

Während alle auf die große Leinwand vor dem Altarraum schauten, saß Thorsten Maus am Spieltisch der Klaisorgel rechts im Seitenschiff und verfolgte auf einem Laptop den Film parallel. So konnte er angemessen und auf den Punkt genau reagieren. „In der großen Zeit des Stummfilms war die Kinoorgel fester Bestandteil der großen Filmpaläste“, erklärte Konrad Suttmeyer, Kantor von Lamberti, der die Veranstaltung organisiert hatte. Er sagte: „Damals ersetzte sie häufig ein ganzes Orchester und war mit zusätzlichen Effektregistern ausgestattet, um verschiedene Geräusche zu erzeugen.“

Der Film, der die Sage vom Dr. Faust aus unterschiedlichen Quellen zu einem eigenständigen Ganzen verwebt, zeigt den Kampf zwischen Gut und Böse und die Erlösung durch die Liebe. Er beginnt mit einer Wette zwischen dem Erzengel Michael (Emil Fuetterer) und Mephisto (Emil Jannings): Wenn es ihm gelänge, die Seele des Dr. Faust zu erringen, würde die Erde ihm gehören. Die Suche des alten Faust (Gösta Ekman) nach einem Heilmittel gegen die Pest, die das Land überzieht, lässt ihn verführbar werden. Nachdem er aus seiner Heimat fliehen musste, weil erkannt wurde, dass er mit höllischen Mächten in Verbindung steht, besiegelt er schließlich mit seinem Blut einen Pakt mit Mephisto, der ihm ewige Jugend verspricht.

Publikum emotional mitgerissen

doch nach einiger Zeit widert ihn das ausschweifende Leben an und er kehrt in seine Heimat zurück, wo er Gretchen (Camilla Horn) begegnet. Er verliebt sich und verführt sie. Als sie wegen der angeblichen Ermordung des gemeinsamen Kindes auf dem Scheiterhaufen steht, kehrt Faust, der geflohen war, weil ihm ein Mord angelastet wurde inzwischen wieder ein alter Mann- zurück. In Liebe vereint sterben sie in den Flammen und fahren in den Himmel. Mit Zitaten aus bekannten Musikstücken, Licks und eigenen Erfindungen gelang es Thorsten Maus die Expressivität des Films kongenial zu vertiefen. Und damit das Publikum emotional mitzureißen.

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