Ausbildung

Wirtschaftsverein: Betriebe sollen mehr Praktika anbieten

Das Sommercamp bot zwölf Jahre lang Jugendlichen eine bessere Chance auf einen Ausbildungsplatz. Lehrerin Monikat Guthke frischte mit ihnen die Basics in Mathe und Deutsch auf.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Das Sommercamp bot zwölf Jahre lang Jugendlichen eine bessere Chance auf einen Ausbildungsplatz. Lehrerin Monikat Guthke frischte mit ihnen die Basics in Mathe und Deutsch auf. Foto: Joachim Kleine-Büning

Gladbeck.   Der VGW-Vorstand appelliert an Unternehmen, zusätzliche Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Förderung ist Teil der Vereinskultur.

Die Ausbildungsmisere in der Region bleibt unverändert: Eine breite Lücke klafft zwischen Lehrstellenangeboten und Bewerbern. Das zeigen die Zahlen des Ausbildungsjahres 2016/17: 4657 Jugendliche haben sich in dem Zeitraum bei der Agentur für Arbeit als Lehrstellensuchende gemeldet, dem gegenüber stehen 2305 Angebote betrieblicher Ausbildungsstellen. Zur Wahrheit gehört aber auch diese Tatsache: Im aktuellen Ausbildungsjahr sind bislang 1377 Ausbildungsstellen unbesetzt. Grund: Viele Jugendliche kennen die große Vielfalt beruflicher Möglichkeiten und Ausbildungen nicht.

Seit Jahren sorgt sich der VGW, Verein zur Förderung der Gladbecker Wirtschaft, um genau diese Problematik. „Die Jugend ist unsere Zukunft“, formuliert es Geschäftsführerin Elisabeth Kolberg im WAZ-Gespräch. Und „das Kümmern um den Nachwuchs war stets Teil der Vereinskultur“.

Zwölf Jahre funktionierte das Sommercamp, danach blieben die Bewerber aus

Daraus hervorgegangen war das „Sommercamp“, in dem motivierte Entlassschüler eine Chance auf eine Lehrstelle bekamen. Meistens klappte das, weil Gladbecker Unternehmen, die Mitglied im VGW sind, die Jugendlichen vor Ort kennenlernen und sich von ihren Fähigkeiten überzeugen konnten. Zwölf Jahre funktionierte das gut, mangels Bewerbern wurde das Projekt 2016 jedoch eingestellt.

Der VGW lässt aber nicht locker im Bemühen, der Jugend in Gladbeck eine Chance auf eine berufliche Zukunft zu schaffen – und die Nachwuchsförderung in den Unternehmen mitzugestalten. Deshalb gibt es jetzt ein Nachfolgeprojekt zum Sommercamp, mit dem Jugendliche, die nicht nur Supernoten im Zeugnis haben oder schwierige persönliche Hintergründe, dennoch eine Chance auf eine berufliche Zukunft bekommen sollen.

Angebote werden gesammelt und an die Träger weitergeleitet

Wie das gehen soll? Mit Praktikumsplätzen. Die über 100 Mitglieder des VGW sind dazu aufgerufen, zusätzliche Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Diese Angebote werden vom VGW gesammelt und an die Einrichtungen und Träger, die Jugendliche beim Weg in den Beruf unterstützen und qualifizieren, weitergeleitet.

Das sind das Anstoßbüro der Gladbecker Jugendhilfe, das Jobcenter, die rebeq und die Berufsberatung der Arbeitsagentur. Sie begleiten die Jugendlichen in den letzten Schuljahren und wissen, wer auf welche Praktikumsstelle passen könnte. Beim Stammtisch des VGW haben diese Einrichtungen ihre Arbeit und Angebote vorgestellt. Die Botschaft: Sie lassen die Jugendlichen auf dem Weg in eine berufliche Zukunft nicht allein, sind aber auch Ansprechpartner für die Betriebe. Zum Beispiel auch mit dem Einsatz von Ausbildungspaten, die sich ehrenamtlich sehr persönlich um junge Leute auf dem Weg in den Beruf kümmern. Kolberg appelliert an die Unternehmen: „Wir müssen Erfahrungswelten für Jugendlichen schaffen, damit sie die ganze Berufswelt kennenlernen.“ Da verstehe sich der VGW als Scharnier zwischen Jugend und Unternehmen

Sechs motivierte Schüler erhalten Nachhilfe-Stipendien

Auch mit Nachhilfe-Stipendien fördert der VGW Gladbecker Jugendliche auf ihrem Bildungsweg. Bewerben können sich darum motivierte Schüler, die sich verbessern wollen.

Aktuell gibt es sechs Nachhilfe-Schüler von Klasse 6 bis 11. Das Einkommen der Eltern spielt dabei keine Rolle, entscheidend ist der ernsthafte Wunsch, bessere Noten zu bekommen.

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