Tarifverhandlungen

Warnstreik: Linienbusse der Vestischen stehen still

Nichts los am sonst belebten Linienbus-Drehkreuz Goetheplatz in der Gladbecker Stadtmitte. Die Fahrgäste hatten sich bis auf wenige Ausnahmen auf den angekündigten Warnstreik der Busfahrer eingestellt.

Nichts los am sonst belebten Linienbus-Drehkreuz Goetheplatz in der Gladbecker Stadtmitte. Die Fahrgäste hatten sich bis auf wenige Ausnahmen auf den angekündigten Warnstreik der Busfahrer eingestellt.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die meisten Fahrgäste haben sich auf den Busfahrer-Streik eingestellt. Es gab aber auch Kritik am Tarifstreit während noch laufender Corona-Krise

Sonst ein mit Menschen belebter Drehpunkt für Linienbusverbindungen in alle Himmelsrichtungen – am Dienstagmorgen waren die Bushaltestellen Goetheplatz im Herzen der Stadt nahezu verwaist. Aufgrund der Medieninformationen, etwa in der WAZ, hatten sich offensichtlich die meisten regelmäßig Busfahrenden auf den ganztägigen Warnstreik der Beschäftigten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingestellt. Alle Busse der Vestischen blieben in den Depots. Nur vereinzelt waren überraschte Gladbecker anzutreffen, die vom Streik nichts mitbekommen hatten.

Zum Beispiel Lukas Johnson, der wie üblich nach Essen zur Firma fahren wollte. Er habe vorab nicht richtig mitbekommen, „dass heute überhaupt kein Bus fährt“, so der selbstständige Elektrotechniker mit Blick zur digitalen Hinweistafel an der Bushaltestelle. Das ist dort deutlich für alle bislang Uniformierten zu lesen: „Heute fallen alle Fahrten der Vestischen aus, die KundenCenter bleiben geschlossen ...“ Sei aber für ihn nicht schlimm, meint Johnson, „jetzt gehe ich dann eben zum Bahnhof rüber, um mit der S-Bahn nach Essen zu fahren“, so der 43-Jährige. Diese Züge, wie auch die Regionalbahnen, waren nicht vom Warnstreik betroffen.

„Es ist berechtigt, für einen angemessenen Lohn zu kämpfen“

Ein paar Meter neben der Bushaltestelle wartet Barbara Schröder mit einem Rollkoffer. Sie fahre regelmäßig mit dem Bus, habe sich im Wissen um den Streik jetzt aber ein Taxi bestellt, so die flotte 81-Jährige. Mit ihrem Gepäck sei sie nämlich seit der Aufgabe ihres Autos „regelmäßig mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu Kunden unterwegs“, die das Können der Friseurin seit Jahren bei ihrer Haartracht schätzen. Die Handwerkerin zeigt Verständnis für den Warnstreik: „Das ist doch berechtigt, für einen angemessenen Lohn zu kämpfen.“

Apropos Taxi. Der ÖPNV-Warnstreik machte sich mit einem Mehraufkommen an Fahrten in der Gladbecker Taxi-Zentrale bemerkbar, der neun Taxi-Unternehmen angeschlossen sind. „Wir haben sehr viel zu tun, bestimmt 20 Prozent mehr als üblich“, so Disponentin Sabine Stimmer. Viele Kunden hätten in Kenntnis um den Stillstand der Linienbusse bereist am Vortag ein Taxi für den Dienstagmorgen bestellt. „Das ist auch empfehlenswert, damit man auch bei hoher Nachfrage sicher sein kann, dass das Taxi pünktlich kommt.“

Taxi-Unternehmerin hat wenig Verständnis für den Zeitpunkt des Streiks

Taxi-Unternehmerin Dorothee Scholz zeigte indes wenig Verständnis für den Streik der Busfahrer. Gerade in der noch laufenden Corona-Pandemie hätte man die Tarifverhandlungen doch für einen festzulegenden Zeitraum aussetzen können. „Ich finde es falsch, jetzt mehr Geld zu fordern, wo viele Unternehmen coronabedingt um ihr Fortbestehen bangen und auch öffentliche Arbeitgeber, etwa die Kommunen, durch Steuerausfälle weniger Einnahmen haben“, so die Gladbeckerin. Auch die Taxibranche habe nach wie vor mit Einnahmeeinbußen zu kämpfen, da durch die Reisebeschränkungen weiterhin die Flughafentransfers fehlten und auch Gaststätten weniger besucht würden, womit auch Taxi-Heimfahrten wegfielen.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Jürgen Schirmer bittet um Verständnis, dass man mit dem Warnstreik den Verband Kommunaler Arbeitgeber (VKA) an den Verhandlungstisch bewegen wolle, „die bislang die Gespräche verweigern“. Die Gewerkschaft habe den Arbeitgebern angeboten, „die Verhandlungen auf das kommende Jahr zu verschieben, das interessiert sie aber offenbar nicht“. Die klimafreundliche Verkehrswende werde überall propagiert, bei der der ÖPNV eine Schlüsselrolle einnehmen solle. „Dafür brauchen wir bundesweit einheitliche Tarife, damit die Verkehrsunternehmen vor Ort als Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv sind, und um so weiterhin genügend Busfahrer- und Lokführer-Nachwuchs gewinnen zu können.“

Bis zum Mittag rund 100 Anrufe bei der Not-Hotline der Vestischen

Bei der Vestischen gingen bis Dienstagmittag relativ wenige Anrufe bei der notbesetzten Kundenhotline ein. „Rund 100 Nachfragen“, so Pressesprecher Christoph van Bürk. „Von denen nur vier Anrufer wirklich geschimpft haben und der Rest Verständnis gezeigt hat und wissen wollte, ob und wann die Busse wieder fahren.“

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