Serie Horster Straße

Viel Leben unterm Kirchturm von Lamberti

Kahraman Durmus kommt jeden Tag hier lang. „Was soll ich sonst den ganzen Tag tun?“ sagt der Rentner, der sich zum Kaffee im City-Center mit Freunden triffft.

Foto: Lutz von Staegmann

Kahraman Durmus kommt jeden Tag hier lang. „Was soll ich sonst den ganzen Tag tun?“ sagt der Rentner, der sich zum Kaffee im City-Center mit Freunden triffft. Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Die Horster Straße am oberen Ende: Im Dreieck zwischen Eiscafé, Kirche und Sitzbank herrscht viel Betrieb. Aber es ist auch beliebter Treffpunkt.

Kahraman Durmus (65) kommt jeden Tag hier lang. Aus Brauck ist er, parkt das Auto am Festplatz, schlendert die Horster Straße gemächlich hoch in die City. Vorbei an Kodi und dem dm-Drogeriemarkt gegenüber vom Eiscafé Dolomiti, wo die Leute bei den ersten Sonnenstrahl draußen sitzen. „Im Sommer ist’s immer schön hier“, sagt Durmus

Seit einigen Wochen setzt er sich manchmal ein Stück weiter auf die runde Sitzbank unter dem Kastanienbaum, die erst mit der Umgestaltung der Horster Straße vor drei Monaten dort hingekommen ist.

Kaum stand die Bank da, saßen die Leute schon drauf

Kaum stand sie da, saßen die Leute schon drauf. Für ein Päuschen beim Stadtbummel, in der Mittagspause, oder auf eine Zigarette draußen, weil „drinnen ja nicht geht“. Oder für einen Plausch, mit dem Banknachbarn. Und um „Leute zu gucken“, sagt Herr Durmus.

Es laufen ja genug vorbei. Wie der Typ, der so viel Gel im Haar hat, dass es mit der roten Sonnenbrille um die Wette glänzt. Wie die junge Mutter, die den Kinderwagen zielstrebig in Richtung Café schiebt. Sie ist schneller als die alte Dame, die mit dem Rollator am Rand entlang läuft. Die Horster Straße hier oben im Dreieck von Kirche, Eisdiele und neuer Sitzbank ist quasi eine Durchgangsstraße, vom Marktplatz zur Hochstraße und dem City-Center.

Schön ruhig finden die Freundinnen den Platz

Ein Handy klingelt, die dunkelhaarige Frau auf der Bank ist schnell dran. „Hi, wo biste?“ Sie wartet auf jemanden, erzählt, dass sie sich öfter mit ihren Schwestern dort trifft. Ist ja auch praktisch, wo sie doch „umme Ecke“ wohnt.

Nah dran wohnen auch die Freundinnen, die bei Dolomiti unterm Sonnenschirm sitzen. „Schön ruhig hier“, finden sie es. Was daran liege, dass es weniger Lieferverkehr als in der Hochstraße gibt. Gut fürs ruhige Gespräch und für den Knirps im Kinderwagen, wenn er zum nahen Wasserspiel am Anfang der Lambertistraße will.

Heute sprudelt da kein Wasser, sonst säße die kleine Minnas (2) bestimmt mittendrin. Mit ihren Eltern sitzt sie auf der Bank vor dem Eiscafé, der Bruder liegt im Kinderwagen. Kahraman Durmus ist stehen geblieben, die Kleine hat ihm zugewinkt. Er bemüht sich um ein Gespräch, aber das ist schwierig. Durmus kann kein Englisch, die aus Nigeria geflüchtete Familie nur wenig Deutsch. „Ob es schön in Gladbeck ist?“ wollen wir wissen. „Wenn das Wetter schön ist“, gibt der Mann diplomatisch zurück.

Wegen der Sonnen sitzt auch Sladjana Savic hier

Wegen der Sonne sitzt auch Sladjana Savic hier an der Horster Straße. Die Hochstraße wäre zwar näher zur Rentforter Straße, wo sie wohnt. „Aber hier ist mehr Sonne und das Eis hier ist lecker“, lobt sie. Das würde Antonio Morossi, der mit seiner Mutter das Eiscafé in der dritten Generation führt, freuen. Aber er hat, wie immer bei schönem Wetter, alle Hände voll zu tun hinter der Eistheke.

Kahraman Durmus geht jetzt weiter, Richtung City-Center. Da trinkt er immer seinen Kaffee. Er kam übrigens vor 39 Jahren nach Gladbeck, arbeitete auf Hugo in Gelsenkirchen, ist seit 2001 in Rente. Wo wir schon bei Herkunft sind: Sladjana Savic stammt aus Kroatien, lebt seit 20 Jahren hier. Der junge Mann, der im Vorbeigehen freundlich grüßt und in der Pizzeria an der Hochstraße arbeitet, wurde in Indien geboren. Und für alle schlägt gerade die Uhr hoch oben am Kirchturm von St. Lamberti dreimal.

Die längste Straße Gladbecks

Die Horster Straße ist die längste Straße in Gladbeck, quert auf ihrem Weg nach Gelsenkirchen-Horst das Zentrum, Butendorf, Brauck und streift Rosenhügel.

Wie lebt es sich an dieser Mitte-Süd-Achse? Was hat die Straße zu bieten? Das will die WAZ herausfinden auf den gut 4,5 Kilometern von der Mitte bis zum Süden.

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