Interview

Ulrich Roland: 2019 macht Mut für das kommende Jahr

Bürgermeister Ulrich Roland blickt im WAZ-Interview auf ein besonderes Jahr 2019 zurück – und spricht über die Herausforderungen für 2020.

Bürgermeister Ulrich Roland blickt im WAZ-Interview auf ein besonderes Jahr 2019 zurück – und spricht über die Herausforderungen für 2020.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Bürgermeister Ulrich Roland blickt im WAZ-Interview auf ein ganz besonderes Jahr für Gladbeck. Darin sieht er die Herausforderungen für 2020.

Ein turbulentes, aber auch ein festliches Jahr 2019, in dem Gladbeck den 100. Stadtgeburtstag feierte, geht zu Ende. Es wurde viel diskutiert, es wurde gerungen, auch protestiert, vor allem aber viel bewegt. Die WAZ sprach zum Jahresabschluss mit Bürgermeister Ulrich Roland.

Herr Roland, 2019 war ein ganz besonderes Jahr für Gladbeck. Wie blicken Sie vor allem auf den Stadtgeburtstag zurück?

Ulrich Roland: Ich bin sehr zufrieden mit dem, was alles stattgefunden hat. Es war vielfältig, mit viel Bürgerbeteiligung. Eines der Highlights, wenn nicht sogar d a s Highlight war das Stadtpicknick. Aber auch das Stadtkönigsschießen im April war toll. Gerne denke ich ebenso an das Gladbeck-Musical von Walter Hüßhoff, den außergewöhnlichen Schalke-Talk und vor allem an das besondere Appeltatenfest mit dem grandiosen Umzug und dem Allstar-Konzert als Abendveranstaltung zurück. Die vielen Angebote haben die Kreativität und das Engagement der Bürgerschaft unterstrichen. Das alles war gut für die Stadt und hat das Bewusstsein von uns allen geschärft: Das ist unsere Stadt, zu der stehen wir!

Was prägte abseits des Stadtgeburtstages das Jahr?

Dass so viele Schrottimmobilien niedergelegt wurden, nehmen wir nur die Schlägel- und Eisensiedlung, Lueg oder das Möbelparadies Tacke. Der Prozess ,Wir bauen eine neue Stadt’ läuft. Da müssen wir auch den Investoren dankbar sein, die an Gladbeck glauben. Das neue Geschäftshaus Hoch10, im Sommer eröffnet, ist ein Meilenstein für die City, das zur Belebung beiträgt. Zuletzt noch die Lösung für die Elisabeth-Kirche, die viel Entwicklungsperspektive bietet. Dass die Kirche erhalten bleibt, ist auch von großer emotionaler Bedeutung. Vieles ist also 2019 gut gelaufen, hat der Stadt gut getan.

Was hätte die Stadtverwaltung denn besser machen können?

Es gibt nicht die Fehlentwicklung, bei der man eine andere Einflugschneise hätte nehmen müssen. Alltagsfehler gibt es sicherlich. Grundsätzlich haben wir in finanziell schwierigster Zeit die Stadt gut weiterentwickelt. 2019 war ein sehr gutes Jahr für Gladbeck. Das macht Mut für 2020.

2019 war aber auch für Sie persönlich ein besonderes Jahr: Sie haben offiziell angekündigt, 2020 nicht mehr als Bürgermeister kandidieren zu wollen. Was nehmen Sie sich jetzt noch für Ihre letzten Monate im Amt vor?

Diese Entscheidung zu treffen war eine der schwierigsten. Das war ein Prozess von Monaten. Ich bin aber überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist. Auch 2020 werde ich mich wie gewohnt mit preußischer Pflichterfüllung den Vorhaben der Verwaltung widmen. Meine Amtszeit endet erst am 31. Oktober, übrigens erst einige Wochen nach der Kommunalwahl. Bis dahin gibt es aber noch einige dicke Bretter zu bohren.

Was sind denn die Herausforderungen für das neue Jahr 2020?

Von kardinaler Bedeutung ist die endgültige Lösung für die Schrottimmobilie Schwechater Straße 38. Wir gehen davon aus, dass das Projekt mit einer Abrissunterstützung von Land und Stadt in Höhe von zusammen 2,7 Millionen Euro und in Zusammenarbeit mit den Düsseldorfer Investoren von Implementum seinen Gang nimmt und in der ersten Jahreshälfte 2020 der Abriss beginnen kann. Ebenso wird das riesige Schulprojekt Heisenberg-Gymnasium weiter unsere volle Aufmerksamkeit erfordern. Und ich bin mir sicher, dass wir auch bei den höheren Kosten für die Gründung des Schulbaus bald vernünftig vom Eis kommen. Mehr Geld von der Stadt kann es angesichts der engen finanziellen Bedingungen aber nicht geben. Bei dem Streit um das Windrad auf der Mottbruchhalde, das ein Projekt mit erdrückender Fernwirkung sein würde, glaube ich, dass wir vor dem Verwaltungsgericht Recht bekommen werden und unsere Chancen wahren, die Halde komplett für die Freizeitnutzung entwickeln zu können. Eine Herausforderung bleiben die Stadtfinanzen. Die Lage ist bitterernst, da darf nichts dazwischen kommen, auch wenn der gerade verabschiedete, seriös aufgestellte Haushalt ausgeglichen ist.

Es ist alles auf scharfer Kante genäht. Sie hatten zur nachhaltigeren Finanzierung eine Erhöhung der Grundsteuer vorgeschlagen. Warum sind Sie so schnell davon abgewichen, Sie hätten doch wissen müssen, dass die Politik kurz vor der Kommunalwahl Sturm dagegen läuft?

Uns war schon bewusst, dass das eine Spaßbremse sein würde, aber es war zu diesem Zeitpunkt die einzige Alternative. Dass der Kreis helfen würde, übrigens auch anderen Kreisstädten, ergab sich erst später. Der Kreis tat das auch nicht von sich aus, es bedurfte vieler Gespräche, hat am Ende aber geholfen. Ich bin aber überzeugt, dass ohne Hilfe von Bund und Land die Grundsteuererhöhung in den nächsten drei Jahren kommen wird. Entweder durch den neuen Rat oder durch den Sparkommissar aus Münster.

Welche Erwartungen, welche Wünsche haben Sie an den Wahlkampf, der gerade Fahrt aufnimmt?

Ich hoffe, dass er ohne Populismus stattfinden wird und die Interessen der Stadt im Mittelpunkt stehen. Alle politisch Verantwortlichen sollten sich darüber im Klaren sein, dass ihnen nach der Wahl nichts anderes übrig bleiben wird, als wieder zusammen zu arbeiten. Die etablierten Parteien müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, dass es bei allen notwendigen Auseinandersetzungen nicht zu gesellschaftlichen Verwerfungen oder politischen Auswüchsen kommen darf.

Herr Roland, eine persönliche Frage am Ende: Wie verbringt der Bürgermeister den Jahreswechsel?

Ganz klassisch mit Freunden in Gladbeck. Und an Neujahr würde ich gern, soweit das Wetter mitspielt, mit meiner Frau wandern gehen.

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