Führerscheinprüfung

TÜV Nord bremst Fahrschulen in Gladbeck aus

Fahrlehrer Stefan Wulfekotte (Stefan’s  Fahrschule) ärgert sich über den personellen Engpass beim TÜV Nord.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Fahrlehrer Stefan Wulfekotte (Stefan’s Fahrschule) ärgert sich über den personellen Engpass beim TÜV Nord. Foto: Joachim Kleine-Büning

Gladbeck.  Der zuständige Dienstleister hat einen personellen Engpass. Beantragte Termine der Fahrlehrer für die Führerscheinprüfung können nicht zeitnah besetzt werden

Die Führerscheinprüfung zu bestehen ist sicherlich nach wie vor ein wichtiges Lebensereignis in der Biografie vieler junger Gladbecker. Zurzeit benötigen Fahrschüler wie ihre Lehrer dafür aber noch stärkere Nerven. Denn der zuständige TÜV Nord hat massive Probleme mit der Vergabe der beantragten Wunschtermine. „Es besteht offenbar ein akuter personeller Engpass, um die beantragten Prüfungen mit Prüfern besetzen zu können“, sagt Stefan Wulfekotte, Inhaber von Stefan’s Fahrschule.

Eigentlich sei es bei ihm immer so gewesen, erklärt Wulfekotte weiter, dass er „alle zwei Wochen am Freitag einen kompletten Prüfungstag“ für etwa fünf seiner ausgebildeten Schüler beantragt und eingeplant habe, „bei dem der Prüfer zur Fahrschule kommt“. Seine früher problemlosen Planungen für den Standardtermin werden jetzt aber vom TÜV Nord ausgebremst. Jetzt seien er wie seine Schüler gezwungen, flexibel auf die zugeteilten Prüftermine zu reagieren. Als Beispiel nennt Wulfekotte die für diesen Freitag beantragten Prüfungen: „Die sind mir erst für den 4. Juli bewilligt worden, also zehn Tage später – an einem Dienstag.“ Das Problem betreffe alle Kollegen in der Region, für die der TÜV Nord zuständig sei.

Auch die Anzahl der beantragten Prüftermine wird gekürzt

Dies bestätigt Friedel Thiele, Vorsitzender des in Recklinghausen beheimateten Fahrlehrer-Verbands Westfalen e.V. mit 1 700 Mitgliedern. „Seit geraumer Zeit gibt es Schwierigkeiten bei der Zuteilung von Prüfterminen, teilweise werden auch beantragte Plätze gekürzt.“ Thiele weiß von jungen Leuten, die die Fahrschule wechseln, weil sie keinen Prüftermin bekommen – und nicht glauben können, dass das am TÜV liegt. „Unzufriedene Kunden sind für uns eine Katastrophe“, heißt es dazu aus einer Fahrschule im Kreis, die ungenannt bleiben möchte.

Eine andere Schwierigkeit skizziert Thiele so: Wenn sich ein vorgesehener Prüftermin nach hinten verschiebt, muss der Fahrschüler seine Ausbildung unterbrechen oder zusätzliche Stunden nehmen. „Das ist dem Lernerfolg nicht zuträglich“, sagt Thiele – beziehungsweise gehe ins Geld. Denn mal eben ein paar Stunden mehr zu fahren, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, „will und kann sich keiner leisten“, sagt er. Schließlich koste eine Doppelstunde 80 Euro, der Führerschein insgesamt mindestens 1 800 Euro.

Mehr Prüfungen als erwartet und hoher Krankenstand bei den Prüfern

Fahrlehrer Stefan Wulfekotte versucht, im Sinne seiner Schüler zusätzliche Prüftermine zu erhalten – über eine Möglichkeit, die etwas an Internet-Roulette erinnert. „Der TÜV Nord veröffentlicht regelmäßig online auf seiner Homepage Prüftermine, die kurzfristig von Fahrschulen zurückgegeben wurden“, erklärt der Fahrlehrer. „Wer hier als erster zugreift, der erhält den Termin.“ Kein Wunder, dass Wulfekotte so derzeit auch beim Kurzurlaub im Harz „jeden Morgen gegen acht Uhr“ zunächst via Internet auf die Seite des TÜV Nord schaut.

Für die amtliche Prüfstelle räumt Rainer Camen das Problem ein. „In Sachen Fahrerlaubnisprüfungen haben wir im Moment eine richtig unbefriedigende Situation.“ Grund sei eine unerwartet hohe Auftragslage, so der Pressesprecher des TÜV Nord. Angesichts der demografischen Daten habe man in der Rhein-Ruhr-Region mit zwei Prozent weniger Führerscheinbewerbern gerechnet. „Tatsächlich haben wir aber fünf Prozent mehr Prüfungen – und dadurch ein personelles Problem.“

Bis zu den Ferien will der TÜV das Problem im Griff haben

Die hohe Nachfrage führt Camen auf das große Interesse von Flüchtlingen zurück, die seit Oktober ihre Prüfung auch in Hocharabisch ablegen könnten. Verstärkt werde das Ganze gerade zudem durch einen hohen Krankenstand unter den Prüfern und den jährlichen Nachfrage-Run vor den Sommerferien. Der TÜV setze nun auf Einstellungen und zusätzliche Prüftermine an Samstagen. „Wir gehen davon aus, dass sich das Problem mit Beginn der Ferien erledigt hat“, sagt Camen.

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