Trinkerszene

Trinkerszene soll in Gladbeck eigenen Treffpunkt bekommen

Seit der Netto-Eröffnung im Hoch10-Geschäftshaus in Gladbeck trifft sich die Trinkerszene gegenüber, am Hochbeet zwischen dem Alten Rathaus und der Sparkasse.

Seit der Netto-Eröffnung im Hoch10-Geschäftshaus in Gladbeck trifft sich die Trinkerszene gegenüber, am Hochbeet zwischen dem Alten Rathaus und der Sparkasse.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Seit der Hoch10-Eröffnung fließt zwischen Rathaus und Sparkasse viel Alkohol. Gladbecks Trinkerszene trifft sich dort. Es gibt schon Beschwerden.

Es zieht sie immer an Orte, wo sie sich auf kurzem Wege „Nachschub“ besorgen können: Aktuell haben Männer und Frauen, die sich im Freien treffen, um gemeinsam Alkohol zu trinken und sich zu unterhalten, das Hochbeet zwischen dem Alten Rathaus und der Sparkasse für sich entdeckt – der Netto-Markt im Neubau Hoch10 ist direkt gegenüber, nur ein paar Schritte entfernt. Doch die Stadtverwaltung arbeitet an einer Lösung. Es geht um einen neuen Treffpunkt an anderer Stelle.

In der Regel verhält sich die Trinkerszene friedlich - Beschwerden gibt dennoch

Obwohl sie sich in aller Regel friedlich verhalten, gibt es Kritik, wo auch immer die von vielen so genannte „Trinkerszene“ sich trifft. Mal war es der Oberhof, später der Bunker am Markt, dann der Goetheplatz, vor ein paar Monaten gab es Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten im Bereich Hochstraße / Kolpingstraße. Am neuen Treffpunkt ist das nicht anders. Aktueller Fall: Ein Mann aus der „Szene“ folgte einer Frau in die Sparkasse, und als sie sich Geld gezogen hatte, sprach er sie an: „Jetzt kannst Du mir ja einen Euro geben.“

„Solche Vorfälle sind allerdings die Ausnahme“, betont Sparkassenchef Ludger Kreyerhoff, der den Treffpunkt aus seinem Büro im Blick hat. Das Fenster allerdings muss er nachmittags schließen, denn je mehr Alkohol geflossen ist, desto lauter wird die Unterhaltung unten. Und von Kunden erfahren die Sparkassenmitarbeiter, dass sie sich im Umfeld der „Szene“ einfach unwohl fühlen, vor allem, wenn die Gruppe bei Regen unterm Sparkassen-Vordach Schutz sucht. „Letztendlich kann das geschäftsschädigend sein“, sagt Kreyerhoff.

Nach den massiven Beschwerden hat sich der Hauptausschuss mit dem Thema beschäftigt

Das aber sei nicht der Grund dafür, dass sich die Stadtverwaltung jetzt wieder einmal intensiv mit dem Thema beschäftigt, versichert Peter Breßer-Barnebeck, Kommunikationschef im Rathaus. „Schon im April, nach den massiven Beschwerden von Hochstraßen-Anliegern, haben wir im Haupt- und Finanzausschuss ausführlich darüber gesprochen. Da war noch nicht die Rede davon, dass Netto die Filiale im City-Center schließt.“

Klar ist: Im öffentlichen Raum Alkohol zu trinken, ist nicht verboten. Polizei und Ordnungsamt können nur einschreiten, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist oder Straftaten begangen werden. Die Stadt Duisburg ist im vergangenen Jahr vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, das öffentliche Trinken in der Innenstadt zu verbieten.

Ein ehemaliger Streetworker hat den Kontakt zur Trinkerszene aufgenommen

Deshalb geht man in Gladbeck jetzt einen anderen Weg, sucht das Gespräch mit den Männern und Frauen. Dafür hat die Stadtverwaltung Wolfgang Roth „reaktiviert“, den ehemaligen Streetworker vom „drop out“. Er konnte schon erreichen, dass die Gruppe mittlerweile zumindest auf Musikbeschallung verzichtet.

Und jetzt sieht es so aus, als lasse sich generell eine einvernehmliche Lösung finden: Die Stadtverwaltung hat einen neuen Treffpunkt im Blick, will den Männern und Frauen einen Platz schaffen, der ihnen das bietet, was sie suchen: eine überdachte Sitzgelegenheit mit einem „Versorger“ in der Nähe. Peter Breßer-Barnebeck: „Bei den Betroffen sind wir mit dem Vorschlag auf Zustimmung gestoßen.“ Jetzt müssten nur noch einige Detailfragen geklärt werden, bevor der neue Treffpunkt öffentlich bekanntgegeben werden könne. Der „Umzug“ werde aber auf jeden Fall noch in diesem Sommer stattfinden.

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