Jubiläum

Therapie-Verbund hilft Suchtkranken seit 20 Jahren

Nicht für jeden Suchtkranken ist eine ambulante Therapie der passende Weg aus der Abhängigkeit.

Nicht für jeden Suchtkranken ist eine ambulante Therapie der passende Weg aus der Abhängigkeit.

Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool

Bottrop/Gladbeck.  Seit 1999 werden Suchtkranke in Bottrop und Gladbeck gemeinsam ambulant betreut. Das Jubiläum wurde mit einer Fachveranstaltung gefeiert.

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Was einst als Pionierarbeit begann, ist heute für Betroffene ein wichtiger Baustein für einen Weg aus der Suchterkrankung: Vor 20 Jahren gründete sich der Therapieverbund Bottrop/Gladbeck, ein Zusammenschluss des Gesundheitsamts Bottrop, dem Kirchhellener St. Antonius-Krankenhaus (KKEL) und dem Caritasverband Gladbeck, um Suchtkranken eine ambulante Therapiemöglichkeit zu bieten.

„Ohne die Ambulante Rehabilitation würde ich heute nicht hier stehen und als Betroffener zu Ihnen sprechen“, sagte Dr. Michael Roßbach bei der Feier zum Jubiläum im Kammerkonzertsaal des August Everding Kulturzentrums in Bottrop. Der Ansatz, Therapie und Rehabilitation nach einer stationären Entwöhnung nicht im „geschützten“ Rahmen einer Klinik anzubieten, sondern integriert in den Alltag der betroffenen Menschen, sei nicht für jeden passend. Bei entsprechender Motivation und Abstinenzfähigkeit jedoch eine nachhaltige Hilfe, um „wieder in der Nordsee zu schwimmen, und nicht nur im Nichtschwimmerbecken unserer Kliniken“, so die Hauptreferentin Gudrun Niewendick von der Fachklinik St. Camillushaus aus Duisburg-Walsum.

80 bis 90 Prozent der Teilnehmer leben abstinent

Und das Konzept hat offenbar Erfolg: „Befindlichkeits- und Abstinenzabfragen, die wir immer ein Jahr nach Beendigung einer Ambulanten Reha durchführen, ergeben regelmäßig Anteile von 80 bis 90 Prozent Teilnehmer, die abstinent leben und sich gesund fühlen“, sagten Simone Steffens vom Gesundheitsamt Bottrop und Anne Bögemann von der psychosozialen Beratungsstelle des Caritasverband Gladbeck.

Es ging den Expertern aber auch darum, Verständnis für Menschen mit einer Suchterkrankungen zu fördern. „Wir verstehen eigentlich erst seit zehn bis 15 Jahren mehr über die biochemischen Abläufe im Gehirn bei einer Suchterkrankung“, sagte Gudrun Niewendick. Einen Anteil daran haben auch Verfahren, insbesondere das MRT (Magnetresonanztomographie), die zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führten, die die therapeutischen Verfahren massiv beeinflusst haben. Dachte man früher, der Weg aus der Sucht hänge insbesondere vom Willen ab, so weiß man heute, dass Belohnungssysteme in sehr tiefliegenden und hinsichtlich ihrer Prägung „alten“ Hirnregionen der Schlüssel für Suchterkrankungen sind.

Jubiläum ist ein Anlass, Tabus abzubauen

„Unser Jubiläum muss daher auch Anlass sein, weiter Tabus abzubauen und aufzuklären über eine Erkrankung, die erst vor gut 50 Jahren als solche in Deutschland überhaupt anerkannt wurde“, betonen Dr. Astrid Danneberg vom Gesundheitsamt Bottrop und Eva Schweer, leitende Psychologin im St. Antonius-Krankenhaus. Nachsorge, Angehörigenarbeit und die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern des Kreuzbundes und anderer Selbsthilfegruppen sei ebenfalls wichtig.

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