Komödie

Therapeut braucht am Ende selber eine Therapie

Therapie mit Hindernissen: Michaela May, Michael Roll mit Robert Giggenbach auf der Bühne der Stadthalle.

Foto: Oliver Mengedoht

Therapie mit Hindernissen: Michaela May, Michael Roll mit Robert Giggenbach auf der Bühne der Stadthalle. Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  Boulevard-Komödie „Die Wunderübung“ mit großem Erfolg in der Stadthalle aufgeführt. Mehr als 300 Besucher amüsieren sich.

Mit viel Dynamik, Schlagfertigkeit und Humor parodierte die Boulevard-Komödie „Die Wunderübung“ jetzt in der Stadthalle Eheprobleme, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Das turbulente, 2014 veröffentlichte Werk des österreichischen Autors Daniel Glattauer zeigte verhärtete Fronten, Gefühlskälte, Uneinsichtigkeit, Hysterie, Schadenfreude – ließ kurzum kein Klischee aus, ohne abgedroschen zu wirken.

Zur Handlung: Das rettungslos zerstrittene Ehepaar Dorek sucht Rat bei einem Paartherapeuten, aber ein nicht endender Schwall von Vorwürfen erstickt jeden Verständigungsversuch im Keim. Der Therapeut (Robert Giggenbach) versucht zunächst, „das Sie verbindende Element in den Fokus zu nehmen“. Joana Dorek (Michaela May) meint, für ihren Mann Valentin (Michael Roll) wäre das beste Ergebnis der Beratung, wenn sich seine Annahme bestätigt, dass er unfehlbar sei, weitermachen könne wie bisher und sie ihm jede Last von den Schultern nehmen könne, sollte sich mal irrtümlicherweise eine dorthin verirrt haben. Er will widersprechen, kommt aber kaum zu Wort. „Was sollte ich über Ihre Frau wissen?“, fragt der Therapeut weiter. Er ist ratlos, sie neugierig. Gelächter im Publikum.

Erinnerung an den Loriot-Sketch „Eheberatung“

So geht es weiter. Joana Dorek wirft mit Vorwürfen um sich, als gäbe es kein Morgen. Ihr Mann lässt nichts unversucht, sich zu verteidigen, kann den Redeschwall seiner Frau aber kaum unterbrechen. Er trägt Trenchcoat, Anzug und Krawatte, sie eine edle Jacke, ein auffälliges Halstuch und hat meistens eine Lederhandtasche auf den Knien. Outfits, die entfernt an den bekannten Loriot-Sketch „Eheberatung“ erinnern. Mit ähnlichen Hürden, die es zu überwinden gilt.

Auch ein Rollentausch bringt beide nicht weiter, denn „in seiner Haut zu stecken, deprimiert mich noch mehr“ und „von dieser ständigen Bissigkeit muss ich doch Migräne kriegen“. Eine Erinnerung an den Anfang ihrer Beziehung rückt eine Problemlösung in greifbare Nähe, aber der Versuch scheitert auf dem letzten Drücker, weil sie ihn mit einer lange zurückliegenden Sex-Affäre konfrontiert.

E-Mail auf dem Handy sorgt für eine Krise

Nach der Pause wird der Therapeut selbst zum Patienten: Eine E-Mail von seiner Frau auf seinem Smartphone hat seine Ehe schlagartig in eine tiefe Krise gestürzt. Auf unablässiges Drängen seiner Klienten liest er ihnen aber dann doch die Nachricht von seiner Frau vor. Spätestens jetzt ist wohl niemandem mehr klar, wer eigentlich der Therapeut ist und wer die Hilfebedürftigen sind.

Aber eines lässt sich auch für die gut unterhaltenen Zuschauer am Ende mitnehmen: Egal wie schlecht die eigene Ehe läuft, irgendeine andere Ehe läuft auf jeden Fall schlechter. Die drei Schauspieler vermittelten grandios die Gefühlswelten der Beteiligten, viele unerwartete Offenbarungen und sorgten so regelmäßig für Lacher unter den mehr als 300 Zuschauern in der Mathias-Jakobs-Stadthalle.

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