Horster Straße

Surmann: Eckkneipe ist erstes Haus an der Horster Straße

Das erste Haus an der Horster Straße ist das Gasthaus Surmann.

Foto: Michael Korte

Das erste Haus an der Horster Straße ist das Gasthaus Surmann. Foto: Michael Korte

Gladbeck.  Das Haus Surmann ist eine der Gladbecker Traditionskneipen. Schon seit 105 Jahren gibt es dort Pils vom Fass und ein offenes Wort unter Freunden.

Erstmal einkehren. Zur Ruhe kommen. Wo die Horster Straße beginnt, schaltet das Leben gerne mal einen Gang runter. Im Haus Surmann, Horster Straße 1, gibt es noch Gastlichkeit nach alter Tradition. Sprich: Pils, Korn, und ein offenes Wort.

Vor vier Jahren haben Christian Ruczienski und Tanja Jazbec die Kneipe übernommen – und sind damit erst die fünften Pächter in der 105-jährigen Geschichte des Hauses. Beständigkeit ist angesagt, das schätzen die Gäste.

Manche Stammgäste kommen seit Jahrzehnten

Die Knobelrunde sitzt seit Jahrzehnten regelmäßig zusammen, dass die Marinekameradschaft sich gern im kleinen Saal hinter der Kneipe trifft, ist leicht zu erkennen, denn Bilder von Schiffen und Knotentafeln zieren dort die Wände. Und auch die Schützen aus Gladbeck Mitte sind der Kneipe verbunden – und der Wirt seinerseits den Schützen, als Mitglied fiebert er schon dem Schützenfest in zwei Wochen entgegen.

Aber bis dahin muss er noch neunmal die Kneipe aufschließen. Montags bis freitags um 11 Uhr, samstags um 10. Sonntags ist Ruhetag. Lange muss Christian Ruczienski eigentlich nie auf Gäste warten. Schon am Vormittag statten die ersten alten Bekannten ihrem Wirt einen Besuch ab, am Ecktisch sitzt ein älteres Pärchen bei Sprudelwasser, ein Herr hat sein kleines Pils auf der Theke abgestellt und einen der Spielautomaten mit 20 Euro gestopft. Nur will der jetzt nicht so richtig. „Dat geht nich“, klagt er, aber Ruczienski findet eine Lösung.

Traditionen wie Sparclubs werden gepflegt

An der Wand hängt das schmucklose Kästchen vom Sparclub. „Anders funktioniert Kneipe nicht“, sagt der Wirt, die alten Traditionen müssen gepflegt werden. Das wollen die Stammgäste, und das macht ja auch den Charme einer Eckkneipe aus. Und den wissen nicht nur Alteingesessene zu schätzen.

„Im Sommer habe ich hier eine Menge Holländer – keine Ahnung, wo die herkommen“, sagt Christian Ruczienski, der selbst schon als Steppke herkam. Als es noch Lakritzlollis zum Sprudel für die Kleinen gab, und für die Großen ein Solei zum Pils. Da hieß der Wirt noch Pütter – und unter diesem Namen ist die Kneipe heute noch vielen bekannt.

Seit 105 Jahren Stauder im Ausschank

Seit 105 Jahren gibt es die Kneipe an der Horster Straße 1 – das ursprüngliche Haus allerdings steht nicht mehr. Es wurde im Krieg zerstört und musste neu gebaut werden. Das aktuelle Gasthaus Surmann ist also das zweite erste Haus an der Horster Straße. Ein altes Foto erinnert an das ursprüngliche Haus Surmann. Gut sichtbar ist, dass der Neubau ein Stückchen weiter zurückliegt. „Das alte schloss mit den Arkaden ab“, sagt Ruczienski.

Ganz früher stand an dieser Stelle einmal ein Bauernhof. Unschwer zu erraten, dass er einer Familie namens Surmann gehörte. Ruczienski interessiert sich für die Geschichte seiner Geburtsstadt, weiß viel zu erzählen, davon, wie aus dem Bauerndorf eine Stadt wurde, wie die Gladbecke verschwand, dass gegenüber der Lambertikirche(im Timmerhof) echtes Gladbecker Bier gebraut wurde, in der Brauerei van Ahlen.

Sanfte Modernisierungen kommen gut an

Im Haus Surmann gibt es aber von Anfang an Essener Pils. Auch so eine Form von Beständigkeit: Die Beziehungen zur Brauerei Stauder bestehen seit 105 Jahren – einige Zeit gehörte die Kneipe sogar dem Unternehmen. Kürzlich erst stand Brauereichef Axel Stauder selbst am Zapfhahn – zur Feier des 150. Brauereigeburtstags.

Die Tradition der Eckkneipe droht auszusterben. Am Europaplatz jedoch sieht es so aus, als könne es noch lange beim Alten bleiben. Die zentrale Lage ist bestimmt ein Vorteil, aber die Wirtsleute lassen sich auch immer wieder sanfte Neuerungen einfallen. So haben sie beispielsweise den Freiluftbereich erweitert – sogar im Winter sind dort oft Tische besetzt, beheizt von Gasheizstrahlern.

Samstag ist übrigens der Lieblingstag von Christian Ruczienski. Denn dann stellt er seinen Grill auf und grillt Würstchen. Lange Schlangen sind keine Seltenheit. Mehr Kulinarisches gibt es aber nicht – das restliche Angebot ist und bleibt flüssig. Neben Pils besonders begehrt: Die skandinavische Kräuterspezialität namens Fisk, ein Likörchen, das besonders bei den männlichen Gästen guten Absatz findet.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik