Forumskonzert

Streichquartett „Noys“ glänzt mit Mozart beim Forumskonzert

„Noys“ nennt sich das Streichquartett mit Künstlern aus Israel, Russland, Frankreich und Polen, das in der Stadthalle zum Forumskonzert aufspielte.

„Noys“ nennt sich das Streichquartett mit Künstlern aus Israel, Russland, Frankreich und Polen, das in der Stadthalle zum Forumskonzert aufspielte.

Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.  Beim siebten Konzert der laufenden Saison ging es mit Künstlern aus Israel, Russland, Frankreich und Polen international zu. Es gab viel Lob.

„Klassische Musik ist Vielfalt, nicht nur die Werke, auch die Künstler. Die deutschen Musikhochschulen sind unglaublich international besetzt“, äußerte sich der künstlerische Leiter Heinrich Menning am Dienstagabend vor dem siebten Konzert der diesjährigen Reihe der Forumskonzerte.

Die Gäste des Abends, Studierende an der Hanns Eisler Musikhochschule aus Berlin, sind gebürtig aus Israel, Russland, Frankreich und Polen. Seit zwei Jahren spielen Edi Kotlyar (Violine), Semion Gurevich (Violine), Sao Soulez Larivière (Viola) und Zuzanna Szambelan (Violoncello), als Solisten schon mit vielen Preisen und Stipendien bedacht, als Streichquartett zusammen.

Gattung Streichquartett ist die Königsklasse der Kammermusik

„Die Gattung Streichquartett ist die Königsklasse der Kammermusik“, schwärmte Menning während des Konzertes in der Stadthalle. „Ein gutes Quartett muss geboren werden.“ Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Quartett in d-moll, KV 421, zeigten die vier jungen Musiker eindrucksvoll, dass sie füreinander bestimmt sind. Eine wunderbare Balance zwischen individualistischem Können und einem harmonierenden Gesamtklang.

Das zweite aus den sechs sogenannten „Haydn-Quartetten“ des Salzburger Wunderkindes war den Vieren wie auf den Leib geschneidert, gehaltvolle Tiefe, feinfühlige Abstimmung. „Mozart hat so wenig in Moll geschrieben, dieses Werk ist etwas ganz Besonderes, etwas Berührendes“, erklärte Szambelan begeistert. Überlegt auch als Klammer im Programm zum Quartett gleicher Tonart von Franz Schubert nach der Pause, „Der Tod und das Mädchen“ zeigte, wie d-moll in der Romantik klingt, weniger innig und zart, eher schmerzerfüllt und verzehrend.

Bártoks Streichquartett war die Glanzleistung des Abends

Ihre Glanzleistung des Abends brachte das Quartett mit Béla Bártoks Streichquartett Nr. 2 op. 17. Ein starkes Geflecht von Gefühlen, Gedankenflügen, Irrungen und Klagen, Expressionismus in reinster Form. Surreale Klangbilder, anachronistische Dialoge, abrupte Sequenzen und schier unglaubliche Dynamiken mit atemberaubenden „pianissimi“. Violinen und Viola musizieren strikt im Stehen, Kotlyar, Gurevich und Soulez Larivière machen dies nicht aus Praxis der Alten Musik.

„Es befreit einfach ungemein, den ganzen Körper zu bewegen“, erklärte Gurevich diese Wahl. Die Studenten haben sich als Quartett den Namen „Noys“ gegeben, ein Anagramm des „Sony-Centers“ ihrer Berliner Heimat, eine Spielerei, die an das englische Wort für „Geräusch“ oder das deutsche Wort „neu“ erinnern soll. Ersteres ist ein absolutes Understatement, das zweite auf jeden Fall die brillierende Wahrheit. Intensiver, ehrlicher, anerkennender Applaus aller Forumsbesucher.

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