Stadtwerdung in turbulenter Zeit: 1919 war es so weit

Rainer Weichelt zur lokalen Historie

FUNDSTELLE Auch der Tod von Spartakisten auf dem Meyplatz spielt in der 3. Folge des WAZ-Stadtspaziergangs auf dieser Seite eine Rolle. Stadthistoriker Rainer Weichelt berichtet mit Blick auf die lokale Situation:

"Gewaltsam wurden die Auseinandersetzungen dann aber während der Spartakus-Aufstände im Januar 1919. Jetzt belagerten revolutionäre Arbeiter, angeführt von der gerade gegründeten KPD-Gruppe, mehrere Tage lang das Gladbecker Rathaus. Am 13. Januar kam es abends zu heftigen Schießereien mit zwei Toten, darunter eine Mutter von sechs Kindern, und mehreren Verwundeten. Die revolutionären Kräfte mussten schließlich das Feld räumen, bekamen lediglich einen Sitz im Arbeiter- und Soldatenrat zugesprochen.

Im Frühjahr beruhigte sich die Situation allmählich. Am 2. März 1919 fanden schließlich die ersten demokratischen Kommunalwahlen in Gladbeck statt. Zwischenzeitlich hatte Gladbecks Amtmann Jovy in Berlin an den Antrag der Gemeinde auf Stadtwerdung aus dem Jahr 1913 erinnert. Im Sommer 1919 verdichteten sich Gerüchte aus Berlin, die Ernennung zur Stadt stehe kurz bevor.

Schließlich war es am 21. Juli 1919 so weit: Das Preußische Kabinett beschloss an diesem Tag, Gladbeck die Stadtrechte zu erteilen."

aus Rainer Weichelt, Geschichte der Stadt Gladbeck, Wartberg-Verlag

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