Stadtteil-Check

Stadtteil-Check: In Schultendorf gibt’s fürs Parken Bestnote

Entspanntes Wohnen und Parken an der Eggebrechtstraße: Schultendorf hat beim Stadtteilcheck der WAZ beim Punkt Parkplatzsituation die beste Note bekommen.

Entspanntes Wohnen und Parken an der Eggebrechtstraße: Schultendorf hat beim Stadtteilcheck der WAZ beim Punkt Parkplatzsituation die beste Note bekommen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Autos nehmen viel Raum ein – auch in Gladbeck. Und sie benötigen jede Menge Stellplätze. Doch ist das wirklich noch zeitgemäß? Eine Analyse.

In Schultendorf ist die Welt noch in Ordnung – zumindest auf jeden Fall, wenn es ums Thema Parken geht. Beim Stadtteilcheck der WAZ Gladbeck hat der kleine Stadtteil beim Thema Parkplatzsituation nämlich mit 2,41 die beste Note erhalten. Auf dem letzten Platz landete die Innenstadt mit einer 3,77. Im Durchschnitt kam Gladbeck bei diesem Punkt gerade mal auf eine 3,20.

Im öffentlichen Straßenraum werden wohl nie ausreichend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden können

Logisch, wer keine Garage besitzt und nicht immer direkt vor seiner Haustür ein freies Plätzchen für sein Auto findet, der ist ersteinmal sauer. Wer zum Einkauf in die Innenstadt fährt und nicht sofort im ersten Parkhaus sein Auto abstellen kann, der beginnt den Shoppingbummel eventuell schon leicht genervt. Auch für Anwohner in der Innenstadt scheint die Parkplatzsituation eher ein Ärgernis zu sein. „Die Erfahrung zeigt, dass im öffentlichen Straßenraum nie ausreichend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden können, und der Bequemlichkeit kaum genüge getan werden kann“, sagt dazu Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer.

Und, da muss man sich nichts vormachen, auf den eingefleischten Autofahrer kommen im Hinblick auf Klimawandel, Klimanotstand und Verkehrswende höchstwahrscheinlich noch ganz andere Zeiten zu. Immer lauter wird die Forderung auch in Gladbeck, den öffentlichen Raum zu Gunsten von Radfahrern und Grünflächen neu zu überdenken. Allerdings: „Gerade der öffentliche Straßenraum ist begrenzt und die Nutzung dieses Raumes eine grundsätzliche Verteilungsfrage“, so Kreuzer. Wenn das Ziel sein solle, Fußgängern und Radfahrern mehr Raum zur Verfügung zu stellen – und außerdem auch noch mit Blick auf den Klimawandel mehr Flächen zu entsiegeln –, dann müsse der Raum dafür an anderer Stelle „abgeknapst“ werden.

Bis zum Jahr 2025 sollen deutlich mehr Menschen aufs Fahrrad umgestiegen sein

Nur ein Beispiel: Zielvorgabe des neuen Fahrradkonzeptes für Gladbeck ist, dass bis zum Jahr 2025 deutlich mehr Menschen auch im Alltag das Rad nutzen und das Auto dafür stehen lassen sollen. Dazu muss aber das Radwegenetz ausgebaut und auch deutlich komfortabler gestaltet werden. Eine Forderung des Gladbecker Fahrradclubs (ADFC) ist es z.B., Parkplätze in geschützte Radwege umzuwandeln – so unter anderem an der Buerschen Straße.

Ein heikles Thema, denn aktuell wird in der Regel in den Fachausschüssen bei der Diskussion über anstehende Straßenumbauten meist noch vehement um jeden wegfallenden Stellplatz gekämpft. Aktionen wie der Parking Day, der vor wenigen Tagen erstmals auch in Gladbeck unter anderem von den Jugendorganisationen von SPD, CDU und Grünen organisiert wurde, machen aber die Trendwende deutlich: Öffentliche Parkplätze sind Räume, die der Mensch auch grüner gestalten und besser für sich nutzen könnte.

Die beiden großen Parkhäuser in Gladbeck sind praktisch nie voll belegt

Dass die Innenstadt eine so schlechte Note für die Parkplatzsituation bekommen hat, erschließt sich allerdings nicht so ganz. Denn hier wurde aktuell noch nicht groß an Parkplatzflächen gespart – auch nicht zu Gunsten der zahlreichen Fahrradabstellmöglichkeiten, die an vielen Ecken geschaffen wurden. Insgesamt, so Kreuzer, sei Mitte I „verhältnismäßig großzügig mit Parkplätzen ausgestattet“. Man finde vielleicht nicht immer unmittelbar vor dem gewünschten Ziel einen freien, und wenn möglich auch noch kostenlosen, Parkplatz. Aber die Tatsache, dass die beiden großen Parkhäuser im City-Center und bei Hoch10 praktisch nie voll belegt seien, spreche doch eigentlich dafür, dass genügend Pkw-Stellflächen vorhanden sind.

Etwas anders gestalte sich die Situation natürlich für die Anwohner. Hier gelte, viele Mehrfamilienhäuser führten tendenziell immer auch zu einer angespannteren Parkplatzsituation. Das sollte aber eigentlich auch jedem klar sein, der sich fürs Wohnen in der Innenstadt entscheidet.

Bei einem üppigen Parkplatzangebot wird die Garage oft für andere Zwecke genutzt

Die gute Note für Schultendorf lässt sich nach Ansicht des Baurats relativ leicht erklären. Je weniger Menschen in einem Stadtteil leben, desto entspannter ist auch die Parkplatzsituation. Zudem ist der kleine Stadtteil Schultendorf auch noch geprägt durch zahlreiche Siedlungshäuser mit reichlich Platz zum Abstellen der Autos. Kreuzer: „Ein sehr üppiges Parkplatzangebot an den Straßen führt in der Regel sogar dazu, dass private Stellplätze oder auch die Garagen für andere Zwecke genutzt werden.“

Und noch etwas zum Thema Parken, diesmal geht’s allerdings um Fahrräder: Seit Anfang vergangenen Jahres müssen bei neuen Mehrfamilienhäusern nicht mehr nur Pkw-Parkplätze, sondern auch ausreichend große und gut erreichbare Fahrradabstellmöglichkeiten angelegt werden. Das Ziel dabei: Jeder Hausbewohner sollte über mindestens einen komfortablen Abstellplatz für seinen Drahtesel verfügen. Veränderungen werden eben immer auch an kleinen Maßnahmen sichtbar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben