Fusion

St. Augustinus schluckt Katholische Kliniken Emscher-Lippe

Durch die Mehrheitsbeteiligung übernimmt St. Augustinus  auch das St. Barbara-Hospital in Gladbeck.

Durch die Mehrheitsbeteiligung übernimmt St. Augustinus auch das St. Barbara-Hospital in Gladbeck.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  Gelsenkirchener übernehmen mit Mehrheitsbeteiligung auch das St. Barbara-Hospital. Gremien der Katholischen Kliniken befürworten Zusammenarbeit.

Die Fusion der Krankenhausträger KKEL und St. Augustinus ist nach der Absichtserklärung von Oktober jetzt beschlossene Sache: Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe, darunter die Propsteipfarrei St. Lamberti, haben bei einer Sitzung am Montagabend das Angebot der St. Augustinus GmbH einstimmig angenommen.

Die Mitarbeiter der Katholischen Kliniken wurden darüber am Dienstag mit einer Rundmail informiert, die Beschäftigten von St. Augustinus über das Intranet des Unternehmens. KKEL-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Philipps und Propst André Müller informierten Bürgermeister Ulrich Roland am Nachmittag persönlich im Gladbecker Rathaus.

94,9 Prozent der Anteile werden übernommen

„Uns war es wichtig, diese Botschaft noch vor Weihnachten mitteilen zu können, dass die Versorgungssituation in der Region durch einen starken katholischen Krankenhausträger gesichert wird“, so Augustinus-

Unternehmenssprecher Wolfgang Heinberg im Gespräch mit der WAZ. Wie beabsichtigt übernehme die St. Augustinus GmbH eine Mehrheitsbeteiligung, „die sich auf 94,9 Prozent der Anteile belaufen wird“. Damit entsteht ein großer Krankenhausträger mit dann 4500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro (KKEL 1600 Mitarbeiter, 130 Millionen).

Die Verträge sollen jetzt zügig aufgesetzt und unterschrieben werden. Das Sagen haben im neuen Jahr dann allein die Augustinus-Geschäftsführer Susanne Minten und Peter Weingarten. Die KKEL ist künftig nur noch eine Beteiligungsgesellschaft unter dem Dach der St. Augustinus GmbH. Ziel sei auch nach der Fusion, unterstreicht Heinberg, „den Standort in Gladbeck weiter zu ertüchtigen“. Das St. Barbara-Hospital werde seinen Versorgungsauftrag weiter erfüllen, die genauen inhaltlichen Konzepte noch ausgearbeitet.

Verträge werden jetzt zügig aufgesetzt

„Aus Sicht der KKEL haben wir einen guten, stark aufgestellten Partner gefunden“, sagt KKEL-Aufsichtratsvorsitzender Werner Philipps. Er erwarte, dass St. Augustinus die Fusion so positiv vollziehe, „wie es vor zehn Jahren mit dem St. Marien-Hospital in Buer und dann mit St. Elisabeth gelungen ist.“ Besprochen sei, dass neben den allgemeinen

Abteilungen die Urologie und Neurologie im Barbara-Hospital weiter gestärkt werden. St. Josef in Horst bleibe als Standort erhalten und werde als Zentrum für Altersmedizin zum geriatrischen Schwerpunkthaus umgebaut.

Die über den Strukturfonds des Bundes für den Ausbau von St. Barbara beantragten etwa 30 Millionen Euro sollen entsprechend neu geschichtet werden, und der geplante Anbau am Gladbecker Haus etwas kleiner ausfallen und eine zentrale Notaufnahme mit angeschlossenen OPs und Intensivstation beherbergen. Philipps: „Vorige Woche haben wir dazu Gespräche mit der Bezirksregierung und dem Ministerium geführt. Es ist geplant, die Anträge bis März einzureichen“. Die Förderzusage werde zur Jahresmitte erwartet.

Inwieweit die Fusion mit St. Augustinus Personalstellen in den KKEL-Häusern gefährde, sei noch nicht abzusehen, so Philipps. Falls nötig, werde ein Stellenabbau aber „so moderat und so sozialverträglich wie möglich erfolgen“.

Zunächst war eine Kooperation mit Bottrop geplant

Anfang Juli 2016 war der langjährige Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe, Berthold Grunenberg, überraschend abberufen worden. Begründet wurde dies vom Aufsichtsrat mit der beabsichtigten Kooperation der KKEL mit der Marienhospital Bottrop gGmbH.

Ab 1. August übernahm Marienhospital-Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ellebrecht zunächst per Managementvertrag auch die Geschäfte der KKEL. Die Schließung der Geburtshilfe am Barbara-Hospital zum Jahresende und das angekündigte Aus von St. Josef folgten.

Dann die nächste Überraschung: Krankenhaus-Saniererin Ines Manegold wurde mit Zweijahresvertrag als neue Interims-Geschäftsführerin der KKEL zum Jahresstart 2017 berufen, um den Klinikverbund zukunftsfähig aufzustellen. Die Kauffrau wurde dann ihrerseits Mitte Oktober geschasst und die Fusionsabsichten mit St. Augustinus verkündet.

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