Pflege-Serie

So erlebte Manfred Berghaus die Pflege seiner kranken Frau

Manfred Berghaus mit einem Bild seiner Frau Edith. Als sie an Multiple Sklerose erkrankte, pflegte er sie – bis zu ihrem Tod vor sechs Jahren.

Manfred Berghaus mit einem Bild seiner Frau Edith. Als sie an Multiple Sklerose erkrankte, pflegte er sie – bis zu ihrem Tod vor sechs Jahren.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Der Gladbecker pflegte seine an Multiple Sklerose erkrankte Frau 25 Jahre lang - bis sie starb. Seinen Ehering trägt der Witwer noch heute.

Wenn Manfred Berghaus abends ins Bett geht und weiß, dass der Platz neben ihm leer bleiben wird, „ist das schon ein komisches Gefühl.“ Auch noch sechs Jahre, nachdem seine Frau starb.

25 Jahre lang pflegte er seine Edith zuhause. Er wusch sie, fütterte sie in den letzten Jahren, sorgte rundum für sie. „Ich habe nie daran gedacht, meine Frau in ein Heim zu geben“, sagt Berghaus. Obwohl sich sein Leben schlagartig änderte, als Ende der 80er Jahre die Diagnose kam: Multiple Sklerose. „In Riesenschritten ging es mit meiner Frau bergab.“

Schon 1993 war seine Frau dann ein Vollpflegefall. Da war Manfred Berghaus noch berufstätig. Signaltechniker bei der Zechenbahn. „In Riesenschritten ging es mit meiner Frau bergab.“ Nachdem er in den Vorruhestand gegangen war, konnte er sich Tag und Nacht um sie kümmern.

„Ich war mir darüber im Klaren, dass ich Abstriche machen muss und sich mein Leben komplett ändert“, sagt er. Alle seine Hobbys gab er auf, ging nicht mehr zum Modelleisenbahn-Club, um ständig bei seiner Frau sein zu können. „Mir war wohler, wenn ich wusste, wie es ihr geht“, erzählt er.

Seine Töchter unterstützten ihn

Nur das Kochen wurde nie so richtig sein Ding. „Eintöpfe und Gratins konnte ich machen, viel hat unsere Tochter für uns gekocht.“ Allein sei er während dieser Zeit nie gewesen, seine Töchter unterstützten ihn wann immer es ging. „Wir hatten auch einen guten Freundeskreis“, sagt Berghaus. Ob er die Pflege seiner Frau ohne diesen Rückhalt gestemmt bekommen hätte – er weiß es nicht.

Jeden Samstag brachte er seine Frau zum Friseur. „Wie Frauen eben so sind.“ Vom Markt kaufte er ihr in der Zwischenzeit frische Blumen, stellte sie anschließend auf den Wohnzimmertisch in ihrem Haus.

Haus behindertengerecht gestaltet

Dort waren sie eigens eingezogen, um dieses gleich behindertengerecht gestalten zu können. Steinbögen ersetzen die Türen, die auch heute noch im Erdgeschoss des Hauses fehlen. „So passte der Rollstuhl überall hindurch.“

Aus Liebe pflegte er all die Jahre seine kranke Frau. „Natürlich gibt es Angenehmeres“, sagt der Witwer. Wenn aber er erkrankt wäre, hätte sie das gleiche für ihn getan, ist er sicher. Als ihre Schmerzen immer schlimmer wurden und selbst kleinste Berührungen zur Qual wurden, verließ die Schwerkranke der Lebenswille. „Sie wollte nicht mehr.“

Mit 74 Jahren starb Edith Berghaus schließlich. „Meine Frau hat unsere Enkelkinder nie in den Arm nehmen können“, bedauert der Witwer. Körperlich war sie dazu nicht mehr in der Lage.

Zwei Mal wöchentlich auf dem Friedhof

Zwei Mal in der Woche besucht er seine Frau auf dem Friedhof. „Ich rede heute noch mit ihr“, sagt er. Berghaus achtet darauf, dass auf dem Grab immer eine Kerze brennt.

An seinem Finger steckt noch immer der goldene Ehering. „Ich bekomme ihn nicht mehr ab“, sagt der 79-Jährige mit einem Lächeln. Er diene ihm aber auch als Schutz. Denn: Eine neue Frau möchte er nicht mehr haben. „Es ist wichtig, an die schönen Momente zu denken“, sagt Berghaus. Als seine Frau noch lebte, versuchte er immer wieder, sie aufzubauen. Doch: „Der Verfall war nicht aufzuhalten, das war für mich das Schlimmste.“ Aber mit der Heirat habe er seiner Frau sein Wort gegeben, auch in schlechten Zeiten zu ihr zu stehen. „Das habe ich gehalten.“

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