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Sie sorgte für ihre Mutter – schuf sich aber auch Freiräume

Roswitha Symannek möchte Angehörigen Mut machen, sich Freiräume zu schaffen. Sie sorgte für ihre 2017 verstorbene Mutter Johanna. Foto:Lutz von Staegmann

Roswitha Symannek möchte Angehörigen Mut machen, sich Freiräume zu schaffen. Sie sorgte für ihre 2017 verstorbene Mutter Johanna. Foto:Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Gladbeckerin verbrachte jede freie Minute mit ihrer Mutter und kümmerte sich um ihre Betreuung. Nur einen Wunsch konnte sie ihr nicht erfüllen.

Roswitha Symannek hatte selbst jahrelang im Pflegedienst gearbeitet. 15 Jahre Menschen waschen, Katheder wechseln und beim Essen helfen hinterlassen Spuren: Von der schweren Arbeit ist der Rücken der 61-Jährigen kaputt. Als ihre Mutter Hilfe brauchte, organisierte Symannek daher einen Pflegedienst, der ihr bei der Versorgung half.

„Ich wollte Entlastung haben“, sagt sie. „Wer sich keine Freiräume schafft, läuft Gefahr, selbst ein Pflegefall zu werden“, ist sich die Butendorferin sicher.

Rund um die Uhr für Mutter da

Dass sie ihre Mutter aber zuhause betreuen wollte, das war der Mutter dreier Söhne klar. „Früher haben Familien auch unter einem Dach zusammen gelebt. Und unser Familienzusammenhalt war schon immer groß.“

Gleich nebenan, in der Einliegerwohnung, zog ihre Mutter ein. Oft kam sie zum Grillen herüber, auch Geburtstage der Kinder und Schwiegerkinder wurden stets bei den Symanneks gefeiert. So konnte Oma Johanna dabei sein. „Sie sollte immer das Gefühl haben, willkommen zu sein, und merken, dass wir für sie da sind.“ Die Herzlichkeit, die sie in ihrer Kindheit erfahren hatte, wollte sie ihrer Mutter zurückgeben.

Nun passiert alles zum ersten Mal ohne die Mutter

Seit einem Jahr ist ihre Mutter Johanna inzwischen tot. „Jetzt passiert alles das erste Mal ohne sie.“ Weihnachten, Geburtstage. „Das ist sehr schwer.“ Nun muss Roswitha Symannek erst einmal wieder lernen, ihre Zeit zu nutzen. „Sonst war ich rund um die Uhr für meine Mutter da.“

Nach Arztbesuchen gingen die beiden schon mal ins Café. Blicke und abfällige Bemerkungen, wenn sie ihrer Mutter beim Essen half, machten sie in dieser Zeit wütend. „Wenn meine Söhne sich später so um mich kümmern, bin ich beruhigt“, sagt die Gladbeckerin.

Am Ende musste sie palliativ versorgt werden

Als es Symanneks Mutter immer schlechter ging, musste sie palliativ versorgt werden. „Schweren Herzens haben meine Familie und ich beschlossen, dass meine Mutter besser im Seniorenheim aufgehoben ist“, sagt die 61-Jährige, die als Einzelkind aufwuchs. Sie und der Pflegedienst hätten diese Art von Betreuung nicht mehr leisten können. Aber: „Wir haben meine Mutter jeden Tag besucht.“

Die künstliche Ernährung lehnte die alte Dame nun ab, der Pastor kam noch einmal zu ihr. Einige Tage vor ihrem Tod ließ sich die 95-Jährige die Fingernägel lackieren. „Sie wollte genau so schick bestattet werden, wie sie gelebt hat“, sagt Symannek und zeigt ein Foto ihrer Mutter – mit Kostüm und Sonnenhut.

Anonyme Bestattung gewünscht

Nur einen Wunsch konnte sie ihrer Mutter nicht erfüllen. „Da sie mir nicht die viele Arbeit zumuten wollte, wollte sie anonym bestattet werden.“ Doch da sprang Roswitha Symanneks Mann ein: „Wenn du nicht weißt, wo deine Mama beerdigt liegt, hast du keine Ruhe.“

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