Messerangriff

Sicherheit der Mitarbeiter im Jobcenter ist ein Dauerthema

Auch im Jobcenter in Recklinghausen war die Messerattacke in Hattingen Thema. Die Vestische Arbeit hat ein Sicherheitskonzept für Konfliktsituationen.

Auch im Jobcenter in Recklinghausen war die Messerattacke in Hattingen Thema. Die Vestische Arbeit hat ein Sicherheitskonzept für Konfliktsituationen.

Foto: Joerg Gutzeit

Vest.   Die Messerattacke auf einen Sachbearbeiter in Hattingen rückt die Bedeutung des Sicherheitskonzepts erneut in den Blickpunkt. Auch im Kreis.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wenn Attacken auf Jobcenter-Mitarbeiter irgendwo in Deutschland Schlagzeilen machen, wirft das die Frage auch nach der Sicherheit im Jobcenter des Kreises Recklinghausen mit seinen Bezirksstellen in den zehn Kreisstädten auf.

Bei einem Messerangriff hat ein 37-Jähriger am Montag in Hattingen seinen Sachbearbeiter schwer verletzt. Die Nachricht wird rasch wieder aus den Medien verschwinden – für Sicherheit in den Jobcentern zu sorgen, bleibt indes eine Daueraufgabe.

Es gibt einen Arbeitskreis Sicherheit

„Was in Hattingen passiert ist, ist eine Dimension, die betroffen macht“, sagt Thomas König, Pressesprecher der Vestischen Arbeit, des im Kreis Recklinghausen für den SGB-II-Bereich (Hartz IV) verantwortlichen Jobcenters.

„Natürlich sprechen die Kollegen auch bei uns im Haus darüber. Automatisch denkt man an das Opfer und dessen Familie. Intern ist das bei uns zum Anlass genommen worden, die Mitarbeiter noch einmal darauf hinzuweisen, wo sie Infos zu unserem Sicherheitskonzept finden – und im Dienstalltag aufmerksam zu sein.“

„Natürlich wird in Fällen wie in Hattingen geschaut, was das für uns bedeutet“

Im Jobcenter des Kreises Recklinghausen gibt es eigens einen Arbeitskreis Sicherheit, der das Konzept kontinuierlich auf dem Laufenden hält, auch aktuelle Ereignisse und Entwicklungen aufgreift. „Natürlich wird in Fällen wie in Hattingen geschaut, was das für uns bedeutet, und gegebenenfalls externer Rat eingeholt“, berichtet Thomas König. „Klar ist: Wir tolerieren im Jobcenter keine Gewalt – und das beginnt bereits bei verbaler Gewalt.“

In diesem Jahr hat das Jobcenter 47 sogenannte sicherheitsrelevante Vorfälle (s. Info ) aufgelistet. Eine schwere Gewalttat war glücklicherweise nicht darunter. Wie viele Kunden sich tatsächlich in den Bezirksstellen daneben benommen haben und gerade noch eben unter diesem Radar durchgeschlüpft sind, ist offen. Betrachtet man das „unangepasste Verhalten“, die sicherheitsrelevanten Vorfälle allerdings im Zusammenhang mit den Gesamtzahlen der Kundenkontakte, relativiert sich das.

In über 99 Prozent der Fälle verlaufen Kundenkontakte absolut ruhig

„Aktuell betreuen wir rund 78000 Personen in 39000 Bedarfsgemeinschaften, haben im Jahr etwa 750000 Kundenkontakte und geben 300 000 Bescheide heraus“, erläutert Sprecher König auf Anfrage. „In der ganz überwiegenden Mehrzahl – über 99 Prozent – verlaufen Kundenkontakte absolut ruhig. Wir wollen eine angstfreie, friedliche und zugewandte Atmosphäre haben.“

Das ganz einfache Ideal sieht ja so aus: Jemand, der Hilfe benötigt, trifft im Jobcenter auf jemanden, der ihm hilft – jedenfalls im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Exakt da gibt es in der Praxis z. B. bei den Kosten für die Unterkunft oder Einmalzahlungen auf beiden Seiten des Schreibtisches bisweilen sehr unterschiedliche Positionen. Um Konflikte von vornherein herunterzukühlen, bietet das Jobcenter Seminare für die insgesamt rund 1000 Mitarbeiter an. In diesem Jahr wurden acht Selbstbehauptungsseminare und weitere für psychologische Ersthelfer, Krisenintervention und in der Ausbildung von eigenem Personal durchgeführt, erklärt König. „Und es gab 15 Schulungen ,Alarm - was nun’?“

Im Notfall wird ein Alarm ausgelöst

Den Mitarbeitern des Jobcenters stehen auch technische Einrichtungen zur Verfügung, um im Notfall Alarm auszulösen, Kollegen herbeizurufen. Zum Konzept gehört außerdem die Dauerpräsenz von Sicherheitskräften im gemeinsamen Gebäude von Vestischer Arbeit und Bundesagentur in Recklinghausen – auch die Bezirksstellen können im Bedarfsfall den Einsatz von Sicherheitspersonal abrufen.

Und auch das Mittel von Hausverboten wird vom Jobcenter eingesetzt, sagt König. „Das entbindet den Kunden natürlich nicht von seinen Pflichten – allerdings werden für seinen Besuch bei uns Vorkehrungen getroffen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik