Schule

Schulpsychologen sind Mangelware

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Der Einsatz von Schulpsychologen in NRW soll ausgeweitet werden. Das kündigte Ministerpräsident Rüttgers am Dienstag an, ein Jahr nach den schrecklichen Ereignissen in Winnenden. Von zusätzlichen Psychologen werden Gladbeck, der Kreis und die anderen kreisangehörigen Städte aber nichts haben, wenn es bei der bisherigen Verteilungspraxis bleibt.

Das wird deutlich aus einer Vorlage der Kreisverwaltung, die „Ausbau und Organisation der schulpsychologischen Versorgung“ erläutert. Dieser Vorlage hatte der Kreistag in der vergangenen Woche zugestimmt. Die gute Nachricht: Es gibt eine zusätzliche Stelle vom Land. Nach einem neuen Organisationskonzept des Kreises wird in Gladbeck eine Außenstelle der Regionalen Schulberatungsstelle mit einem Psychologen eingerichtet. Das wird allerdings die schon vorhandene Stelle an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule sein - mit einem dann erheblich erweiterten Einsatzgebiet außerhalb der Gesamtschule, das auch Haltern und Marl umfasst.

Die grundsätzlich schlechte Nachricht: Der Kreis und seine Städte, allesamt zumindest am Rande eines fremdbestimmten Haushalts, werden erheblich schlechter gestellt als finanzstarke Kommunen wie Münster oder Düsseldorf. Denn das Land macht die Zuweisung von Landesstellen von der Bereitstellung kommunaler Psychologen-Stellen abhängig. Das kostet Geld, Geld, das - nur als Beispiel - die Stadt Gladbeck, die gerade versucht mit einem Haushaltssicherungskonzept einen Haushalt genehmigt zu bekommen, nicht hat. Es drängt sich das Bild auf vom Teufel, der immer auf den größten Haufen macht. Wer hat, bekommt dazu, wer nichts hat, bekommt auch nichts.

So drohte der Kreis leer auszugehen und sogar noch schlechter als vorher dazustehen, als zuletzt landesweit 50 neue Stellen für Schulpsychologen bereitgestellt wurden. Erst nach langwierigen und zähen Verhandlungen hatte das NRW-Schulministerium am Ende entschieden, der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises die an den Gesamtschulen in Wulfen, Gladbeck (Ingeborg-Drewitz) und Recklinghausen (Käthe-K­ollwitz) eingesetzten drei Schulpsychologen zuzuweisen, wenn der Kreis mindestens 1,5 Stellen oder Projektmittel in gleicher Höhe aufbringt. Letzteres gelang schließlich, weil sich die in der Trägerschaft der Caritas befindlichen Erziehungsberatungsstellen in Gladbeck, Castrop-Rauxel, Dorsten und Marl gemeinsam mit der Erziehungsberatung Vest bereit erklärten, im Rahmen der Erziehungsberatung auch weiterhin schulpsychologische Aufgaben wahrzunehmen.

Damit ist jetzt wenigstens der schlimmste Fall (Abzug von Landesstellen) verhindert. Von einer auch nur annähernd ausreichenden Versorgung mit Schulpsychologen sind der Kreis und seine Städte allerdings noch weit entfernt. Viel weiter jedenfalls als zum Beispiel Münster. Da kommen bei rund 5730 Jugendlichen in Hartz IV-Familien auf jede der insgesamt zwölf Schulpsychologenstellen (neun kommunale und drei Landesstellen) nur rund 480 zu betreuende Jugendliche. Im Kreis leben rund 18 900 Jugendliche unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften. Bei insgesamt 7,5 Psychologenstellen (einschließlich des Anteils der Erziehungsberatungsstellen) kommen auf jede Stelle rund 2500 Jugendliche.

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